Dartsfans feiern während einer Partie den Wurf von 180 Punkten.

Hintergrund | Darts Darts: Eine Liebe über den Rollstuhl hinaus

Stand: 13.06.2022 09:51 Uhr

Darts ohne Fans ist unvorstellbar. Ein Dartsfan der besonderen Art ist Melli aus Bad Mergentheim. Weit über 20 Veranstaltungen hat sie seit 2017 besucht - und das im Rollstuhl.

Wenn die besten Dartsspieler der Welt durch Europa touren, ist eine ganz vorne mit dabei: "Melli" aus Bad Mergentheim. Perfekt abgestimmt, mit Dartpfeilen im Haar, Ohrringen in Form von Dartscheiben und einem Dartstrikot feuert sie die Stars an. Ein besonderer Hingucker ist ihr Dartscheiben-Speichenschutz mit Fotos und Autogrammen der Spieler.

Denn Melli ist nicht irgendein Fan. Vor etwa 13 Jahren wurde bei ihr die Autoimmunerkrankung Rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Seitdem kämpft die 50-Jährige mit chronischen Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken. Waren zuerst nur die kleinen Gelenke betroffen, wird mittlerweile auch Laufen und Stehen immer mehr zum Problem. Deshalb ist sie auf die Unterstützung ihres Rollstuhls angewiesen. An ihr einstiges Hobby Dartspielen ist nicht mehr zu denken. Selbst alltägliche Hausarbeiten werden zur Hürde. Die Freude am Leben und Zuschauen beim Darts hat ihr die Krankheit aber nicht genommen.

Auf Darts-Tour mit der PDC Europe

Wann immer es möglich ist, besucht die ehemalige Verkaufsleiterin Turniere des Dartsverbands "PDC Europe". Sindelfingen, Leverkusen, Hildesheim, Frankfurt, Saarbrücken: In Deutschland hat Melli fast alle Turniere abgehakt. Besonders in Erinnerung ist ihr aber ein Turnier im Nachbarland geblieben: "Amsterdam muss man mal gemacht haben", schwärmt die 50-Jährige. In den Niederlanden - dem Geburtsland ihres Lieblingsspielers Michael van Gerwen - ist Darts seit gut einem Jahrzehnt eine Art Volkssport. Auch in Deutschland wird der Sport immer populärer.

In Mellis Leben war Darts hingegen immer präsent. Der Sport begleitet sie seit ihrer Jugend. Sogar Pokale oder Turnierauszeichnungen als "Beste Dame" hat die Bad Mergentheimerin gewonnen. "Aber die verstauben mittlerweile im Keller", gibt sie lachend zu. Die Tournee der Profis war trotzdem nie ein Thema für sie, große Veranstaltungen seit der Krankheit nicht mehr ihr Ding - bis 2017. Ein Städtetrip nach Maastricht entpuppte sich als Türöffner. Zeitgleich zum Urlaub fanden dort die "Dutch Darts Masters" statt. Melli und ihr Ehemann kauften sich Tickets und verliebten sich noch einmal in den Sport. Was zufällig entstand, ist heute neben dem Engagement im örtlichen Tierheim der größte Bestandteil ihres Lebens.

Die Besuche häuften sich. Mittlerweile war die 50-Jährige bei mehr als 20 Turnieren - trotz Pandemie. Gemeinsam mit ihrem Ehemann fühlte sie sich so wohl, dass er mittlerweile für den Dartsverband arbeitet. Da waren diese riesengroßen Hallen mit mehreren tausend Menschen, die feierten - und trotzdem Rücksicht auf Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen nahmen. Ein Novum für den Dartsfan. "Zum ersten Mal fühlte ich mich auch als Rollstuhlfahrerin wirklich willkommen und integriert", sagt sie.

Darts ist ein Sport für Alle

Genau das liebt die Bad Mergentheimerin am Darts. Der Sport begeistert jung und alt, Mann und Frau, groß und klein. Das Publikum ist dementsprechend gemischt. Außerdem wird Fairness großgeschrieben - auf und neben der Bühne. So wie die Spieler sich nach jedem Spiel die Hand geben, machen es die Fans auch. Und die sind im Darts unersetzlich.

Premier League of Darts: Finale in Berlin

Am Montag, 13.06.2022 findet das Finale der Premier League of Darts erstmals in Deutschland statt. In der Mercedes-Benz Arena Berlin treten die vier besten Spieler der Gruppenphase – Jonny Clayton, Michael van Gerwen, James Wade und Joe Cullen – gegeneinander an und spielen um den Titel. Dem Sieger winkt ein Preisgeld von 275.000 Pfund.