Tennisspielerin Daria Kasatkina

Tennis | WTA-Turnier Stuttgart Russische Tennisspielerin Kasatkina: "Menschenleben sind wichtiger als Wimbledon"

Stand: 21.04.2022 21:41 Uhr

Der Ausschluss russischer und belarussischer Spielerinnen vom Turnier in Wimbledon wird auch beim WTA-Turnier in Stuttgart viel diskutiert. Bemerkenswert offen antwortet die Russin Daria Kasatkina.

Daria Kasatkina hatte gerade ihr Achtelfinalmatch beim WTA-Turnier in Stuttgart verloren. Auf der Pressekonferenz danach wurde sie wie üblich nach ihrem Spiel gefragt. Aber dann kamen unausweichliche Fragen nach dem viel Größeren. Denn als Russin wird Kasatkina nicht in Wimbledon spielen dürfen. "Natürlich sind wir Spieler enttäuscht, dass wir bei einem der größten Turniere der Welt nicht dabei sein dürfen", sagte die 24-Jährige noch relativ lapidar. Und dann wurde es bemerkenswert:

"Aber es gibt viel Wichtigeres, Größeres, was gerade in der Welt passiert. Menschenleben sind viel wichtiger, das ist ganz klar."

Quelle: Daria Kasatkina, russischen Tennisspielerin zum Wimbledon-Ausschluss

Warum diese Worte bemerkenswert sind, wurde kurz darauf deutlich, als nämlich Aryna Sabalenka aus Belarus vor der Presse in Stuttgart saß. Wie bei Kasatkina steht bei WTA-Turnieren hinter ihrem Namen kein Nationalitätenkürzel mehr. Russische und belarussische Spielerinnen starten unter neutraler Fahne. Wie Kasatkina wird Sabalenka nicht in Wimbledon starten dürfen. Dort stand sie im Vorjahr im Halbfinale. Darüber reden wollte die Weltranglisten-Vierte in Stuttgart nicht. "Ich konzentriere mich auf das Turnier und auf das, was ich kontrollieren und beeinflussen kann." Punkt. Für Sabalenka war damit die Pressekonferenz beendet. Die Russin Kasatkina blieb.

Die Tennisfamilie: ein sicherer Ort

Seit acht Wochen herrscht Krieg in Europa. Daria Kasatkina war in all diesen Wochen auf der Tennistour unterwegs. Ob sich ihr Leben im Tenniszirkus seitdem anders anfühlt? "Um ehrlich zu sein, nein. Auf der Tour ist alles okay, es fühlt sich nicht anders an", sagt die Nummer 26 der Welt und überlegt dann kurz. "Es ist irgendwie schwer darauf zu antworten, aber wir sind an einem sicheren Ort dank unserer Organisationen." Und dank der anderen Spielerinnen, auch das sagt Kasatkina noch. Eine davon: die deutsche Laura Siegemund.

Siegemund: "Man bleibt ja trotzdem Kollegen"

Laura Siegemund hat gerade mit ihrer Doppelpartnerin Wera Zwonarewa aus Russland zwei Doppeltitel gefeiert. "Natürlich ist das ein permanentes Thema mit den Spielern", erzählt Siegemund aus dem Alltag auf der Tour. Den Bann von Wimbledon sieht sie mit gemischten Gefühlen: "Ich finde es auch schwer, die Spieler, die auch offensichtlich gegen diesen Krieg sind und das auch sagen, einfach pauschal auszuschließen", sagt die 34-Jährige. Und fügt dann einen Satz an, der das Gefühl bei vielen in der Tennisszene wohl ganz gut beschreibt: "Man bleibt ja trotzdem Kollegen." Aber dennoch bezieht auch Siegemund klar Stellung: "Ich bin absolut gegen diesen Krieg, aber natürlich muss man auch Zeichen setzen." Die Zerrissenheit ist offensichtlich.

Eine klare Linie gibt es im Tennissport weiter nicht. Die Veranstalter in Wimbledon sind mit ihrer Entscheidung bislang allein.