Bietigheim Steelers in der DEL Der Kopf sagt Abstieg, das Herz schreit Kampf

Stand: 23.01.2023 11:28 Uhr

In der DEL erleben die Bietigheim Steelers bei den Kölner Haien den nächsten Tiefpunkt. Der Abstieg in die zweite Liga wird immer wahrscheinlicher, soll aber noch vermieden werden.

Die Fakten lagen schnell auf dem Tisch. Sehr schnell. Genauer gesagt: nach 33 Sekunden. Mehr Zeit brauchten die Kölner Haie am Sonntagabend nicht, und ruckzuck erzielten sie im Spiel gegen die Bietigheim Steelers ihr erstes Tor. Das zweite folgte nur vier Minuten später, das dritte ebenfalls noch im ersten Drittel. Die Partie endete mit einem deutlichen 8:1-Heimsieg für die Domstädter.

Für die Steelers hingegen war es die zweite Niederlage am vergangenen Wochenende, die sechste in diesem Monat, die 31. in dieser Saison. In der Tabelle ist Bietigheim Fünfzehnter, Letzter – und damit nach aktuellem Stand Absteiger. Es scheint, als ginge die Zeit des Clubs aus dem Ellental in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zwei Jahre nach dem sensationellen Aufstieg zu Ende. Oder etwa doch nicht?

Die Bietigheim Steelers und das Prinzip Hoffnung

Wer in diesen Tagen einer Trainingseinheit der Steelers beiwohnt, der kommt im Leben nicht auf den Gedanken, bei einem Club in sportlicher Schieflage zu Gast zu sein. Die Atmosphäre in der Arena ist auffallend gut, die Stimmung auf dem Eis entspannt, man hört lautes Lachen und blickt in viele grinsende Gesichter. "Wir sind natürlich Letzter, das wissen wir alle. Aber wir wollen den Spaß nicht verlieren", sagt Kapitän Constantin Braun nach der Einheit im Gespräch mit SWR Sport: "Wenn man zu verkrampft und alles zu ernst wird, dann klappt die Arbeit nicht mehr."

Der Optimismus des Verteidigers, der im Laufe seiner Karriere mit den Eisbären Berlin fünf Mal Deutscher Meister wurde, ist bemerkenswert – kommt aber nicht von ungefähr: In Bietigheim schwebt das Prinzip Hoffnung derzeit über jedem Spieltag, über jedem Training, ja, vielleicht auch über jeder einzelnen Fahrt der Eismaschine. Bis zum Ende der Hauptrunde haben die Steelers noch 14 Partien zu absolvieren und damit theoretisch 42 Punkte zu gewinnen. Jeder einzelne davon, man kann es nicht anders sagen, wird dringend benötigt.

Steelers-Geschäftsführer Schoch: Wollen in der DEL bleiben

Der Rückstand des Tabellenletzten auf den Vierzehnten Augsburg beträgt zwar "nur" sieben Zähler, das rettende Ufer wäre dort unter Umständen aber noch nicht erreicht. Sollte es mit den Kassel Huskies, den Dresdner Eislöwen oder den Krefeld Pinguinen – dieses Trio hat eine Erstliga-Lizenz beantragt – einen Aufsteiger aus dem Unterhaus geben, steigen in dieser Saison sogar zwei Teams aus der DEL ab.

Dann wäre Rang 13 der erste Nichtabstiegsplatz, dort steht momentan Meister Berlin. Mit 22 Punkten Vorsprung vor den Steelers. "Wir werden zum 15. Februar für beide Ligen den Lizenzantrag stellen, alles andere wäre fahrlässig", erläutert Bietigheims Geschäftsführer Volker Schoch. Schiebt aber direkt hinterher: "Ich will mit diesem Club in dieser Liga bleiben." Der Kopf sagt leise Abstieg, das Steelers-Herz schreit Kampf.

Austausch zwischen Clubführung und unzufriedenen Fans

Ähnlich wie Kapitän Braun sieht auch Schoch die Arbeit einer "charakterstarken Mannschaft", einer "eingeschworenen Gemeinschaft" voller Zusammenhalt und Teamgeist. Und dennoch: Der umtriebige Manager hat durchaus turbulente Wochen hinter sich, und das lag nicht nur an den Abstiegssorgen. Die sportliche Situation der Bietigheimer hat an einigen Stellen der Fanszene für große Unzufriedenheit gesorgt.

Unter anderem bei der 1:6-Auswärtsniederlage Anfang Januar in München tauchte im Gästeblock ein Banner mit der Aufschrift "Veränderungen Sofort!" auf, wobei die Buchstaben V und S besonders markiert waren – die Initialen von Volker Schoch. "Wer in dieser Funktion ist, muss damit auch zurechtkommen", sagt der Geschäftsführer. "Das gehört mit zum Business." Bei einem vierstündigen Treffen mit den Fanbeauftragten und weiteren Mitgliedern eines Fanclubs vor gut einer Woche sei "über alles geredet" worden.

"Diesen Mut hat nicht jeder"

Immerhin: Eine Veränderung konnten Schoch und seine Kollegen aus der sportlichen Leitung Ende vergangener Woche bereits präsentieren, mit Verteidiger Arvin Atwal gab es personellen Zuwachs für die Bietigheimer Abwehr. Die Steelers waren bereits seit Wochen in Sachen Transfers willig – aber entweder habe es auf dem Markt kein passendes Angebot gegeben, oder aber mangelnde Freigaben führten zu Verzögerungen bei Modalitäten und Abwicklung eines Transfers. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, dass der Club demnächst noch einmal zuschlägt: im Sturm oder im Tor für den verletzten Stammgoalie Sami Aittokallio.

"Es ist nicht leicht, Spieler nach Bietigheim zu locken", gibt Schoch zu. "Die kommen hierher und sollen die Klasse halten – diesen Mut hat nicht jeder, diesen Weg geht nicht jeder mit." Die gute Atmosphäre, die entspannte Stimmung beim Training, das laute Lachen und die vielen grinsenden Gesichter auf dem Eis, all das taugt auch nicht mehr lange als Argument. Mit jedem Spiel, das die Bietigheim Steelers verlieren, wird die Chance auf den Klassenerhalt in der Deutschen Eishockey Liga immer geringer.