Biathlet Benedikt Doll

Wintersport | Biathlon Biathlon-Star Benedikt Doll vor Olympia: "Das wird auf keinen Fall spaßig"

Stand: 06.01.2022 14:18 Uhr

In knapp vier Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele. Biathlon-Star Benedikt Doll (SZ Breitnau) stellt sich auf eine sterile und strenge Zeit in Peking ein. Im SWR-Gespräch bezieht der 31-Jährige zudem Stellung zu den Themen Menschenrechte und Boykott.

Am 4. Februar starten die Olympischen Winterspiele in Peking. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Doll: Kurz vor Weihnachten habe ich noch gesagt, das ist alles zu weit weg. Aber allmählich fange ich an, mich damit auseinander zu setzen. Natürlich habe ich von denen, die schon drüben in Peking waren, gehört, dass Vieles nicht so toll sein soll. Sicherlich wäre die Stimmung in einem Ort im Alpenraum, wo der Wintersport ursprünglich herkommt und auch gelebt wird, deutlich besser. Aber es ist jetzt nun mal so. Ich will Peking eine Chance geben.

Die Atmosphäre vor vier Jahren im südkoreanischen Pyeongchang, wo Sie zwei Mal Bronze gewonnen haben, war schon nicht überragend; in Peking dürfte es noch einmal bitterer werden.

Sicherlich wird es nicht so familiär. Es wird wegen Corona alles sehr steril, geordnet und streng reglementiert ablaufen. Das Deutsche Haus wird es nicht geben, richtige olympische Stimmung wird womöglich auch nicht aufkommen. Aber man muss das Beste daraus machen.

"Da ist man gefangen. Das wird auf keinen Fall spaßig."

Quelle: Benedikt Doll, Biathlon-Weltmeister 2017

Die Hygienemaßnahmen werden äußerst rigoros sein in Peking. Als Athlet werden Sie am Tag Ihrer Ankunft in eine "Bubble" eingeschleust, die Sie nicht mehr verlassen dürfen, bis Sie abreisen. Jeder wird täglich getestet, es besteht jederzeit und überall Maskenpflicht, Kontakte zur Bevölkerung wird es nicht geben. Wie viel Angst haben Sie vor einer Quarantäne vor Ort?

Es gibt sicherlich Gegenden, wo es schöner wäre, seine Zeit zu verbringen, wenn man die Rennen nicht bestreiten kann. Aber da drüben ist man wie gefangen. Das wird auf keinen Fall spaßig. Ich gebe mein Bestes, dass das nicht passiert (lacht).

Welche Informationen haben Sie als Olympiateilnehmer schon darüber erhalten, wie es vor Ort ablaufen wird?

Es gibt bereits einige Ausarbeitungen für uns. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) macht gefühlt täglich irgendwelche Informationsveranstaltungen. Aber wenn ich mir die alle anhören würde, hätte ich keine Zeit mehr, Sport zu machen. Es wird sich bis zum Beginn der Spiele ohnehin noch vieles ändern. Deshalb beschäftige ich mich erst damit, wenn der letzte Weltcup (20.-23.1. in Antholz) vorbei ist. So handhabt das auch der Deutsche Skiverband. Wir bekommen die Infos erst dann, wenn es relevant wird.

"Ich opfere nicht vier Jahre meines Lebens, um zu sagen: Ich mache da nicht mit."

Quelle: Benedikt Doll, Skizunft Breitnau

Gastgeber China steht wegen seiner Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Uiguren und Tibetern, wegen der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong oder den Drohungen gegen Taiwan massiv in der Kritik. Wie gehen Sie als Athlet damit um?

Ich finde es grundsätzlich problematisch, dass man solche Spiele an einen Ort vergibt, wo dann solche Diskussionen aufkommen. Aber das ist Sache des IOC. Ich trainiere als Sportler vier Jahre, um bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Das ist für mich der wichtigste Wettbewerb. Ich opfere nicht vier Jahre meines Lebens, um dann zu sagen ‚Ich mache da nicht mit und trage dieses politische Thema auf meinem Rücken aus'. Deshalb halte ich nichts davon zu sagen, ich gehe da nicht hin.

Nach den Abgängen von Simon Schempp und Arnd Peiffer ruhen die deutschen Hoffnungen vor allem auf Erik Lesser und auf Ihren Schultern. Mit welchen Erwartungen werden Sie nach Peking reisen?

Wir sollten nicht die große Medaillenausbeute erwarten. Sicher, wir haben die Chance, die eine oder andere Medaille zu erlaufen. Wir sind ein starkes Team. Aber es muss schon ein perfekter Tag sein, um auf dem Podest zu landen. Es wird nicht so selbstverständlich, wie wir es in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Woran werden Sie in den nächsten Wochen noch arbeiten?

Ich will meine Stehend-Schießleistung noch stabilisieren. Zuletzt habe ich mich etwas gesteigert, aber da möchte ich mir auf jeden Fall noch mehr Sicherheit holen. Außerdem werde ich noch einige Skitests machen, damit ich für den kalten Bereich einen guten Ski bekomme. Da bin ich noch nicht zufrieden. Sonst bin ich aber recht optimistisch.