Anna-Maria Wagner und Alina Böhm jubeln

Judo | Weltmeisterschaft Anna-Maria Wagner oder Alina Böhm: Wird eine Deutsche Judoka Weltmeisterin?

Stand: 06.10.2022 17:37 Uhr

Weltmeisterin Anna-Maria Wagner und Europameisterin Alina Böhm - beide kämpfen in der Klasse bis 78 Kilo und könnten bei der Judo-WM schon im Viertelfinale aufeinander treffen.

Zwei deutsche Judoka in der selben Gewichtsklasse bei einer Weltmeisterschaft - wie kann das sein? Das geht, wenn Deutschland in der Top acht der Weltrangliste gleich zweimal vertreten ist: einmal auf Platz sieben mit Alina Böhm und einmal an der Spitze mit Anna-Maria Wagner auf Platz eins. Beide kämpfen um den Titel in der 78-kg-Klasse. Und das Duell zwischen den beiden könnte schon sehr früh kommen: Wenn sie ihre ersten zwei Partien gewinnen, treffen sie im Viertelfinale aufeinander. Es wäre der Kampf zwischen amtierender Weltmeisterin und amtierender Europameisterin. Dabei war für beide die Karriere nicht immer ganz einfach.

Anna-Maria Wagner hatte 2021 ihr sportlich erfolgreichstes Jahr. Sie gewann die Weltmeisterschaft in Budapest und zwei mal Bronze bei den verschobenen Olympischen Sommerspielen. Doch danach fiel sie erst einmal in ein Loch. Jahrelang hatte sie auf Olympia hingearbeitet und immer wieder kräftezehrend beweisen müssen, dass sie den Platz im Kader verdient hat. Als Olympia dann vorbei war, kam die Leere. Ohne direktes Ziel fühlte sie sich antriebslos: "Ich wollte eigentlich gar nicht mehr aus dem Bett." Sie überlegte sich, ihre Karriere zu beenden

Aus der Depression zur Titelverteidigung

In der Hoffnung, ihren Weg aus der Depression zu finden, fing sie wieder an zu trainieren. Und mit dem Spaß kam auch der Erfolg. Zwei Grand Slams hat die gebürtige Ravensburgerin in diesem Jahr gewonnen. Nach Tblisi und Antalya will sie jetzt auch in Taschkent ganz oben stehen. Als Weltmeisterin ist sie Favoritin, ihr Kampfeswille enorm. Sie wolle nicht irgendwas verteidigen, sondern sich die Goldmedaille wieder erkämpfen. Damit wäre sie die erste deutsche Frau mit zwei WM-Titeln und die erste deutsche Athletin, der die Titelverteidigung gelingt.

Aus Böbingen an die Weltspitze

Doch die Konkurrenz ist groß. Neben der Französin Madeleine Malonga und der Japanerin Shori Hamada hat auch Alina Böhm den Titel in den Blick genommen: "Ich fahre nie auf einen Wettkampf ohne das Ziel, Gold zu gewinnen." Großgeworden auf der Schwäbischen Alb in Böbingen an der Rems kämpft auch sie mittlerweile auf Weltniveau: Im Mai gewann sie die Europameisterschaft in Bulgarien. Doch auch bei ihr lief nicht immer alles einwandfrei. Zweimal in ihrer Laufbahn musste sie jeweils ein Jahr lang pausieren, um einen Kreuzbandriss auszukurieren. Am Ende lohnte sich die Wartezeit: Mittlerweile belegt sie Platz sieben auf der Weltrangliste.

Leider kein deutsches Finale

Zwischen den Beiden könnte es schon bald spannend werden. Sie sind nicht nur zwei Deutsche, nicht nur zwei Baden-Württembergerinnen in der selben Gewichtsklasse, sondern auch noch im selben Pool gelandet. Deswegen würden sie schon nach jeweils zwei gewonnenen Runden im Viertelfinale aufeinander treffen. Am Dienstag, 11. Oktober, wird sich zeigen, ob es eine der beiden aufs Podium schafft. Die Hoffnungen sind auf jeden Fall groß, dass die neue Judo-Weltmeisterin der Klasse bis 78 kg aus Oberschwaben oder von der Schwäbischen Alb kommt.

Katharina Menz holt Silber

Die 31-Jährige Katharina Menz aus Backnang gewinnt in der Gewichtsklasse bis 48 kg Silber. Sie unterlag nur der Japanerin Yuki Tsunoda. Damit holt sie am ersten Tag der Judo-WM in Taschkent die erste deutsche Medaille.