Zwischen Eilantrag und HaHoHelikopter

Spielankündigung des Hauptstadtderbys (imago images/Matthias Koch)

So läuft das Hauptstadtderby (vielleicht)

Zwischen Eilantrag und HaHoHelikopter

Die große Frage nach einem Fußball-Spiel: Woran hat es gelegen?! Die große Frage vor einem Fußball-Spiel: Wie wird es wohl werden?! Vor dem Derby Union gegen Hertha versucht Ilja Behnisch eine Annäherung.

Samstag, 17.30 Uhr

In den Tagen vor dem Hauptstadtderby kommt es im Stundentakt zu immer neuen, "witzigen" Aktionen beider Fanlager und Vereine. "Cringe", das Jugendwort des Jahres für etwas Peinliches, fühlt sich in seiner Wahl bestärkt. Unmittelbar vor dem Spiel bleibt es allerdings ruhig. Einfach so. Keine Krawalle, keine Pyros, einfach nur Gesänge und gute Laune. Während "Querdenker" und Corona-Leugner vermuten, es angesichts der 2G-Regelung im Stadion mit Nebenwirkungen der Impfung zu tun zu haben, begeben sich die Menschen in der Stadt spontan auf die Balkone und spenden Applaus für so viel Menschlichkeit. Telegram ist sich einig: alles Reptiloide. Friedrich Merz twittert: Die Welt schaut auf West-Berlin! Joshua K. aus M. möchte zunächst die Langzeitstudien abwarten.

17.31 Uhr

Auch Lars Windhorst twittert: "Habe mit dem Fußballgott telefoniert. Wir stimmen überein, dass heute das bessere Team gewinnen soll. Oder eben Hertha." Jürgen Klinsmann denkt über einen Re-Tweet nach, erkennt darin dann aber doch keinen Mehrwert. Dreht stattdessen eine Runde mit seinem HaHoHelikopter. Prüft danach wie jeden Tag das Synonym-Wörterbuch unter "V" wie Visionär. Bitter. Er wurde auch heute nicht als Ergänzung aufgenommen.

17.32 Uhr

Die Aufstellungen sind da. Während bei Union alles beim Üblichen ist, überrascht Hertha mit einem besonderen Schachzug. Alles auf d4. Nicht nur Marton, auch Palko, Pal und Bence Dardai stehen in der Startelf. Angeführt wird die Mannschaft von Kapitän Andreas "Zecke" Neuendorf. Vize-Kapitän Arne Friedrich nimmt zunächst auf der Bank Platz. Klar, an Peter Pekarik kommt niemand vorbei. Auf die spätere Nachfrage, warum er dann nicht gleich auch Fredi Bobic in den Sturm gestellt habe, antwortet Dardai: "Wen?" Währenddessen spricht im Supermarkt des Grauens eine Fleischereifachverkäuferin die magischen Worte in Richtung Kundschaft: "Sind Sie nicht Michael Preetz?" Der kontert kühl: "Noch was von der Groben."

17.44 Uhr

In der VIP-Lounge der Alten Försterei versichert sich die mittlere Management-Ebene diverser Sponsoren, das hier sei noch ehrlicher, echter Fußball. Geil. Geil. Geil. Nur das mit dem Champagner könnte ein bisschen schneller gehen.

17.50 Uhr

Urs Fischer im Field-Interview. Toll sieht er aus! Ein Lächeln umspielt sein Gesicht, die Augen funkeln. Dieser Mann weiß, wo der See den Barsch hat! Auch bei Knallhart-Nachfragen ("Für wie lange reicht die Kraft bei Max Kruse?" "Wie wichtig wäre der Sieg?" "Was versprechen Sie sich von der auf den 4. Dezember angesetzten Wahl in Gambia?") bleibt Friedlich-Fischer grundsätzlich freundlich. Hier seine wichtigsten Aussagen: — .

17.53 Uhr

Pal Dardai im Field-Interview. Toll sieht er aus! Ein Lächeln umspielt sein Gesicht, die Augen funkeln. Dieser Mann weiß, wie ein Gulasch gewürzt wird! Auch bei Knallhart-Nachfragen ("Für wie lange reicht die Kraft bei Ihnen?" "Wie wichtig wäre der Sieg?" "Wenn Superman in allem super ist, warum ist er dann nicht auch super lustig?") bleibt Dankbar-Dardai grundsätzlich freundlich. Hier seine wichtigsten Aussagen: "Habe gut geschlafen. Tagesform entscheidet. Das ist Fußball."

17.57 Uhr

"Im Fußball bist du entweder Gott oder Bratwurst", sagte einst der Fußballer und Philosoph Tomislav Maric und verkannte, dass beides eins sein kann.

"Sooooo jut is die nu ooch nich", flötet vor dem Gästeblock ein Hertha-Fan über seine Bratwurst hinweg in Richtung Bratwurstgrill. Hotte, 54, Kuttenträger, geht energisch dazwischen: "Freundchen, ick kann Union ooch nich leiden. Aber bei alla Rivalitäht: Nimm dit zurück. Dit jeht zu weit!"

18.00 Uhr

Union-Präsident Dirk Zingler stellt einen Eilantrag auf 3G-Regelung für das Spiel. Macht der Gewohnheit.

18.15 Uhr

Das "Institut für deutsche Sprache und Linguistik" der Humboldt-Universität Berlin vermeldet, ein Anagramm von "Eisern Union" laute "Senioren Uni". Christopher Trimmel gefällt das.

18.25 Uhr

Schlagartige Stille auf der Reporter-Tribüne der Alten Försterei. Einfach mal eintauchen, einfach mal abtauchen, einfach mal die Klappe halten. Stimmung fangen, weil klarer Fall: Zeit für Nina Hagen. Aus den Boxen, aus tausenden Kehlen ertönt "Eisern Union". Und jetzt alle: "Wir aus dem Osten gehen immer nach vorn." Friedrich Merz reagiert gekonnt: "Mooooooment mal! (FM)".

19.17 Uhr

Halbzeit. Die Stimmung ist prächtig, auch wenn es noch nicht wirklich viele Torchancen (in Zahlen: 0) zu sehen gab. Dafür erstaunt ein Wert aus der Statistik-Abteilung: 100 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Auf beiden Seiten.

20.13 Uhr

Schlussphase. Die Begegnung begeistert, die Menge tobt. Nur Torchancen sind weiter Mangelware. Pal Dardai reagiert, will das Unentschieden und stärkt mit seinen Wechseln entsprechend das Spiel gegen den Ball. Neu in der Partie: Davie Selke und Ishak Belfodil.

20.14 Uhr

Der VAR, der Videobeweis, der Kölner Keller meldet sich zu Wort. Ist im Karneval angekommen, sendet Alaaf und entscheidet: Tor für beide und Abpfiff. Und nun zum Wetter.

Sendung: rbb UM6, 18.11.2021, 18 Uhr

rbb | Stand: 18.11.2021, 13:04

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