Zehn Millionen Euro Verlust und trotzdem Wachstum

Union-Präsident Dirk Zingler (imago images/Matthias Koch)

Mitgliederversammlung bei Union Berlin

Zehn Millionen Euro Verlust und trotzdem Wachstum

Der 1. FC Union Berlin hat auf seiner Mitgliederversammlung die Finanzkennzahlen der vergangenen und laufenden Saison vorgestellt. Trotz der coronabedingten Verluste präsentiert sich der Verein dabei klar auf Wachstumskurs.

Fußball-Bundesligist Union Berlin hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung die Finanzkennzahlen der vergangenen Saison präsentiert und dabei für die abgelaufene Saison 2020/21 ein Minus von 10,375 Millionen Euro bekannt gegeben. Das geplante Ergebnis hatte bei einem Plus von 0,04 Millionen Euro gelegen.
 
Die Differenz ergibt sich zum Einen durch um 6,532 Millionen Euro geringere Einnahmen, insbesondere bedingt durch die Folgen der Corona-Pandemie. Zum Anderen lagen mit 3,882 Millionen Euro auch die Ausgaben über der Planung. Hier schlägt besonders der Posten "Lizenzspielerabteilung" zu Buche. Dabei hat Union in der vergangenen Saison 3,082 Millionen Euro mehr ausgegeben als ursprünglich angenommen, auch bedingt durch höhere Prämienzahlungen angesichts des überraschenden, sportlichen Erfolgs.

Mehr Mitglieder als Hertha

Auch deshalb trug der im Zuge der Mitgliederversammlung vorgetragene "Bericht des Präsidiums" den Leitsatz "Der 1. FC Union befindet sich in der sportlich erfolgreichsten und wirtschaftlich wertvollsten Phase seiner Vereinsgeschichte". Eine Botschaft, die mit weiteren Zahlen untermauert werden konnte. So meldete der Verein 40.351 Mitglieder. Damit setzt sich Union im Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel als mitgliederstärkster Berliner Verein wieder vor Hertha BSC, die in der vergangenen Woche verkündet hatte, die 40.000er-Marke durchbrochen zu haben.

Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der den Verein unterstützenden Sponsoren (von 468 auf 482), der vom Verein angestellten Mitarbeiter (von 249 auf 263) sowie der Follower in den sozialen Netzwerken (von 607.327 auf 657.272). Entsprechend der steigenden Zahlen und der sportlichen Erfolge in den vergangenen Jahren präsentiert sich auch der ebenfalls vorgestellte Haushaltsplan für die Saison 2021/22 mit Zuwächsen. Demnach sollen die Einnahmen um rund 25 Millionen auf insgesamt 96,453 Millionen Euro steigen. Den insgesamt größten Sprung machen dabei die Werbeeinnahmen, die um circa 8,7 Millionen Euro ansteigen.

Auf Augenhöhe mit Augsburg und Freiburg

Aber auch die Gesamtausgaben sollen um rund 14,6 Millionen auf insgesamt 96,222 Millionen Euro angehoben werden. Den größten Posten dabei nimmt erneut die Lizenzspielerabteilung ein, deren Ausgaben um 8,6 Millionen Euro auf 46,87 Millionen Euro ansteigen sollen. Vergleicht man diese Zahlen mit den Kennzahlen der Deutschen Fußball-Liga aus dem Vorjahr [media.dfl.de], begibt sich der 1. FC Union damit in etwa auf Augenhöhe mit Klubs wie dem FC Augsburg oder dem SC Freiburg. Beim FC Bayern München hingegen waren im Jahr 2020 rund 340 Millionen Euro für die Lizenzspielerabteilung hinterlegt.

Insgesamt erhofft sich der 1. FC Union für die Spielzeit 2021/22 somit ein Bilanzplus von 0,231 Millionen Euro. Das Eigenkapital soll sich mit Abschluss der Saison auf minus 28,8 Millionen Euro belaufen. Derzeit liegt der Wert bei einem Minus von 29 Millionen Euro und damit zwölf Millionen Euro unter dem des Vorjahres.
 
Neben den sportlichen und finanziellen Zielen strebt der Verein in der nahen Zukunft sowohl den Ausbau des Stadions und der damit verbundenen Infrastruktur-Maßnahmen an, als auch den "Bauabschnitt A" des Ausbaus des Nachwuchsleistungszentrums. Die Arbeiten am NLZ sollen demnach im August 2023 beendet werden. Insgesamt kündigte Präsident Dirk Zingler an: "Wir planen, bis 2025 über 100 Millionen Euro in unseren Klub zu investieren."

Union-Präsident Zingler kritisiert Bundesregierung

Vor der Mitgliederversammlung hatte sich Zingler einer Medienrunde gestellt und deutliche Kritik vor allem an der scheidenden Bundesregierung geübt: "Ich wünsche mir eine klare Führung. Durch Krisen muss geführt und dabei gut kommuniziert werden. All das tun wir nicht. Wenn der Bundestag etwas mehrheitlich beschließt, und es wird zum Gesetz. Dann ist es so. Wir sind aber im Vollchaos.“

Zingler hofft mit der neuen Regierung auf einen Neuanfang. "Das wünsche ich mir - ohne zu wissen, dass es besser wird", ergänzte der als meinungsstark bekannte Union-Boss. Aus seiner Sicht sei das Abwälzen der Verantwortung auf Menschen, Veranstalter und Unternehmer kaum noch zu ertragen, befand Zingler. "Unser Land ist in einem katastrophalen Zustand, weil es katastrophal geführt wurde und katastrophal kommuniziert wurde."

Sendung: rbb24, 2.12.2021, 22 Uhr

rbb | Stand: 02.12.2021, 21:13

Darstellung: