Benjamin Borth und Christopher Brauer (IMAGO / Matthias Koch)

Neues Führungsduo bei den Lilaweißen Wie TeBe doch noch den Regionalliga-Klassenerhalt schaffen will

Stand: 15.01.2023 14:31 Uhr

TeBe kämpft in der Rückrunde um den Regionalliga-Klassenerhalt. Um aus der gefährlichen sportlichen Situation heraus zu kommen, hat man einen neuen Trainer geholt. Der will Veränderungen in der Mannschaft, aber auch im Umfeld vornehmen.

Mit nur sieben Punkten aus 16 Spielen steht Tennis Borussia tief in der Abstiegsregion der Regionalliga Nordost. Im November kam mit Benjamin Borth ein neuer sportlicher Leiter zu den Lilaweißen, der in der Winterpause Christopher Brauer als neuen Trainer holte. Der bisherige Coach Abu Njie, der TeBe erst im Sommer übernommen hatte, wurde nach der bescheidenen Hinrunde entlassen.
 
Das neue sportliche Führungsduo, das sich bereits aus der gemeinsamen Zeit beim Berliner AK kennt, will den Verein in der Regionalliga halten. Beim Blick auf die Tabelle erkennt man schnell, dass das eine anspruchsvolle Aufgabe wird - das weiß auch das junge Führungsduo.

Claus-Dieter Wollitz während des Testspiels von Energie Cottbus gegen Eintracht Peitz. Quelle: imago images/Steffen Beyer
"Es wird immer gesagt, wir seien der Favorit, das sehen wir aber etwas anders"

Energie Cottbus bereitet sich derzeit auf die Rückrunde vor. Es wird nicht nur an der sportlichen Entwicklung, sondern auch am Kader geschraubt. Im Interview spricht Trainer Wollitz über mögliche Transfers und seine persönliche Zukunft.mehr

Viel Training und Einzelgespräche mit Spielern

"Für uns ist es im Moment wirklich 24/7-Dauerstress", sagt Borth angesprochen auf die Arbeitsauslastung in der Winterpause. "Der Trainer fährt derzeit mit seinen Co-Trainern ein Pensum von drei Stunden Training pro Tag. Das macht es noch anstrengender und zeitaufwendiger", erklärt Borth. Der 29-Jährige war selbst erst im November vom Berliner AK zu den Lilaweißen gewechselt. Kurz nach dem Jahreswechsel holte er mit Brauer einen alten Bekannten von seinem Ex-Verein zu TeBe. Der 34-jährige Brauer war zuletzt als U19-Trainer der A-Junioren-Bundesligamannschaft des BAK und zugleich als Co-Trainer der Herrenmannschaft tätig. Tennis Borussia will er nun mit einem großen Trainingspensum bereit machen für die Rückrunde.
 
"Wir müssen die Jungs innerhalb kürzester Zeit kennenlernen", sagt Brauer, der bereits kurz nach seiner Vorstellung das erste Mal mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz stand. "Um schnellstmöglich eine Beziehung zu den Spielern aufzubauen, investieren wir viel Zeit in Einzelgespräche. Zeitgleich haben wir das Trainingspensum hochgefahren, um schnellstmöglich Inhalte zu vermitteln. Das macht die Tage dann schon sehr lang", sagt der neue Trainer.

Christopher Brauer ist neuer Trainer bei Tennis Borussia

mehr

Tradition vs. professionelle Bedingungen

Die Eingewöhnung will das Duo so schnell wie möglich hinter sich bringen, um dann an den sportlichen Zielen und dem Klassenerhalt zu arbeiten. Dennoch spüren beide, dass Tennis Borussia im Vergleich zum BAK noch einmal eine andere Hausnummer ist. "Es ist schon alles etwas größer", sagt Borth, der im Mommsenstadion bereits Spiele mit den Lilaweißen-Fans erlebt hat. "Der BAK ist allerdings strukturell deutlich weiter, weil die Entwicklung hier an einigen Stellen noch am Anfang steht. Vieles muss noch gemacht werden und wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet", ergänzt der Sportdirektor, der weiß, dass die wirtschaftliche Lage auf dem Transfermarkt keine großen Sprünge zulässt. "Man hat aber einfach eine ganz andere Reichweite, eine riesige Tradition und Fans, das ist einfach anders."
 
Auch Brauer freut sich auf eine Fanbase, "die sich mit dem Verein identifiziert, mit ihm auseinandersetzt und sich Gedanken macht". Das sei schon ein großer Unterschied zum BAK, der im Vergleich aber natürlich mit sehr professionellen Bedingungen zu den Topmannschaften der Liga gehöre. Wenn Brauer über seinen neuen Arbeitgeber redet, verwendet er die Worte "schlafender Riese". Wenn es um die Entwicklung des Klubs in den nächsten Monaten geht, sprechen beide immer wieder von "Optimierung". Brauer sei schon klar, dass zwischen den beiden Vereinen ein großer Unterschied bestehe, schließlich seien bei TeBe anders als beim BAK nicht alle Spieler Vollzeit-Fußballer, doch einige Aspekte wolle man sich dennoch vom BAK abschauen. Als ersten Schritt habe man deshalb zum Beispiel Veränderungen in der Kabine vorgenommen.

TeBe-Trainer Abu Njie (Quelle: IMAGO/Matthias Koch)
Tennis Borussia trennt sich von Trainer Njie

mehr

"Wir haben nichts mehr zu verlieren"

Dennoch sind sich Borth und Brauer bewusst, wie gefährlich die Lage für TeBe in dieser Saison ist und wie schwer die Aufgabe in der Rückrunde sein wird. "Trotzdem besteht die Hoffnung, dass wir das Ruder noch irgendwie herumreißen können. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt - auch wenn das platte Sprüche sind", sagt Brauer. "Wir haben eine Mannschaft vorgefunden, die lebt - das stimmt uns optimistisch. Außerdem hoffen wir über den Transfermarkt noch den einen oder anderen dazuzuholen." Sie würden die bislang sechs Neuzugänge - meist junge Talente - ergänzen.

 
Für seine Entscheidung, zu TeBe zu wechseln, habe er sich einige Tage Zeit genommen. Nicht nur weil er die sportliche Situation bei den Lilaweißen kenne, sondern weil er sich beim BAK sehr wohlgefühlt habe. "Nach den Gesprächen hatte ich aber ein gutes Gefühl. Es hat mich schon gereizt, auch wieder in leitender Funktion Sachen anzupacken", erklärt der Coach die Gründe für seinen Wechsel. "Hinzu kommt, dass ich eine Vergangenheit hier im Verein habe". Brauer hat als Jugendspieler bei Tennis Borussia gespielt.
 
Bei den Verhandlungen ging es aber auch darum, für den Fall eines Abstiegs gewappnet zu sein. Man plant bei TeBe also bereits jetzt zweigleisig. So soll in der Rückrunde der sportliche Grundstein gelegt werden, um im schlimmsten Fall bei einem Abstieg in der nächsten Saison für die Oberliga gewappnet zu sein. Zunächst soll rund ums Mommsenstadion zur Rückrunde aber ein Neuanfang gestartet und Aufbruchsstimmung entfacht werden, um vielleicht doch noch den Regionalliga-Klassenerhalt zu schaffen. "Wir haben nichts mehr zu verlieren", sagt Brauer. Los geht's mit der Rückrunde am 20. Januar - ausgerechnet mit einem Heimspiel gegen den BAK.