Marvin Friedrich, Nico Schlotterbeck

Kruse, Schlotterbeck und Co. Wie es für die einstigen Unioner Schlüsselspieler weiterging

Stand: 28.06.2022 08:39 Uhr

Awoniyi in die Premier League, Prömel nach Hoffenheim - erneut wechseln in dieser Transferpersiode Leistungsträger von Union Berlin weg aus Köpenick. Der richtige Entschluss?

Es gelingt dem Fußballklub Union Berlin tatsächlich jeden Sommer aufs Neue, die zahlreichen schmerzhaften Spielerabgänge mit den passenden Verpflichtungen zu kompensieren. Oft schon wurde diese bemerkenswerte Geschichte erzählt. Seltener wird allerdings die Frage gestellt: Was wurde aus den abgewanderten Leistungsträgern? Da zeigt sich: Die Neustarts fernab der Wuhle waren keineswegs immer von Erfolg gekrönt.

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Marvin Friedrich mit Anlaufschwierigkeiten

Als Borussia Mönchengladbach im Januar 2022 die Verpflichtung des Abwehrreckens Marvin Friedrich bekannt gab, war die Vorfreude bei den Fohlen groß: Friedrich habe sich "zu einem der besten deutschen Abwehrspieler der Liga entwickelt", frohlockte der damalige Fohlen-Sportdirektor Max Eberl.
 
Was für den 27 Jahre alten Friedrich folgte, war eine Rückrunde zum Vergessen. Nur einen Sieg aus den ersten fünf Partien konnte er mit den Gladbachern feiern, der ambitionierte Klub vom Niederrhein fand sich plötzlich unweit der Abstiegsplätze wieder. Danach verpasste Friedrich acht Spiele, zunächst wegen Grippe, dann aufgrund einer Corona-Infektion.

 
Erst in den letzten drei Saisonspielen – die latente Abstiegsgefahr war längt gebannt – lief er erneut für die Borussen auf, seine Vorstellungen hinterließen Eindruck: Friedrich fungierte als souveräne Stütze, gab in der Defensive den Ton an. Mit ihm in der Innenverteidigung gelang Bourssia Mönchengladbach mit sieben Punkten aus drei Spielen ein versöhnlicher Saison-Abschluss.

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Nico Schlotterbeck glänzt

Nico Schlotterbecks einjähriges Engagement in Köpenick war in der Saison 2020/2021 für beide Seiten eine absolute Erfolgsstory. Bei Union Berlin entwickelte sich die Leihgabe des SC Freiburg nicht nur zur Stammkraft in der Innenverteidigung, sondern war auch Garant dafür, dass die Mannschaft die viertwenigsten Gegentreffer aller Bundesligateams kassierte.
 
Die Breisgauer empfingen den damals 21-Jährigen in der Saison darauf mit Kusshand. Schlotterbeck gelang mit dem SC Freiburg prompt die Qualifikation fürs internationale Geschäft, über die gesamte Saison zeigte er blitzsaubere Leistungen, bestach durch enorme Ballsicherheit, rangierte in der Zweikampfstatistik unter allen Abwehrspielern auf dem zweiten Platz. Sein kometenhafter Aufstieg soll nun in Dortmund fortgeschrieben werden, wo er unter anderem seine Premiere in der Champions League feiern darf. In der Nationalmannschaft gilt Schlotterbeck bereits als kommende Größe.

Rafal Gikiewicz im Abstiegskampf

Nicht nur für die Mannschaft, auch für weite Teile der Fanbasis bedeutete der Abgang von Torhüter Gikiewicz vor zwei Jahren einen herben Verlust. Der Publikumsliebling hatte 2020 beschlossen, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, sondern sich dem FC Augsburg anzuschließen.
 
Zwei abstiegsbedrohte Spielzeiten später muss sich der polnische Keeper die Frage gefallen lassen: Der Wechsel - die richtige Entscheidung? Zwar fehlte er in den beiden Bundesliga-Saison keine einzige Minute. Doch Union Berlin konnte sich unterdessen zweimal für den Europapokal qualifizieren, und auf ewig mit diesen Erfolgen verbunden sein wird nicht zuletzt der Name Andreas Luthe - der Ex-Augsburger Torwart, der Gikiewicz in seinen beiden Saisons bei den Köpenickern vergessen machte.

Max Kruse weiß zu überraschen

Max Kruses Handlungen unterliegen oft einer Deutungsebene, die dem Betrachter nicht vollends zugänglich ist. Nach anderthalb überaus erfolgreichen Jahren mit Union Berlin entschloss der Offensivkünstler im Januar 2022 völlig überraschend, zum VfL Wolfsburg zu wechseln – und machte freiheraus geltend, dass diese Entscheidung auch mit Geld zu tun habe.
 
Wohlgemerkt: Zum Zeitpunkt seines Wechsels rangierten die Unioner in der Bundesliga auf Platz vier, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigte – der VfL war hingegen nur drei Punkte vom direkten Abstieg entfernt.

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Zusammen mit dem 34-Jährigen schafften die Wölfe in der Rückrunde tatsächlich die Wende. Der gewiefte Angreifer steuerte sieben Treffer bei, war der Hauptgrund dafür, dass die harmlose Offensive der Niedersachsen wieder für Gefahr in fremden Abwehrreihen sorgte.
 
Fraglich scheint nun, ob der lässige Kruse eine Zukunft hat unter dem fordernden neuen Wolfsburger Trainer Niko Kovac, der seinen Spielern stets eine explosive Physis abverlangt.

Robert Andrich überzeugt

Unions zwischenzeitlicher Rekord-Abgang (6,5 Millionen Euro) etablierte sich bei Bayer Leverkusen in seiner Premieren-Saison 2021/22 direkt. Genau wie in Köpenick fungierte Andrich auch unter Trainer Seoane als wichtige Anspiel- und Verteilerstation in der Mittelfeldzentrale und bei Bedarf als Abräumer. Darf sich in der kommenden Saison auf die Teilnahme an der Champions League freuen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 27.06.2022, 14:15 Uhr