VfL Potsdam Trainer Bob Hanning gibt in einem wunderschönen Pullover am Rand eines Handballspiels Anweisungen. (Quelle: imago/Camera4+)

VfL Potsdam vor Zweitliga-Aufstieg Wie Bob Hanning an einem "weltweit einzigartigen" Handball-Netzwerk arbeitet

Stand: 20.05.2022 15:07 Uhr

Handball-Drittligist VfL Potsdam hat in zwei Endspielen die Chance zum Aufstieg in die zweite Liga. Für die Entwicklung des Vereins und des Handballs in Brandenburg und Berlin wäre der langersehnte Schritt enorm wichtig. Von Philipp Büchner

Trainer Bob Hanning greift zur Einordnung eines möglichen Aufstiegs des VfL Potsdam in die zweite Handball-Bundesliga ganz weit oben ins Regal: "Da geht es um mehr als um die Qualifikation für die Champions League".
 
Das sagt der erfahrene Handball-Funktionär in seiner Anspannung vor dem Hinspiel am Samstag in Pforzheim nicht nur so dahin. Als Manager der Füchse Berlin arbeitet Hanning seit Jahren auf die Champions-League-Qualifikation hin und ist sich der Fallhöhe seiner Aussage durchaus bewusst.
 
Aber jetzt und hier geht es für das Projekt VfL Potsdam um einen notwendigen Entwicklungsschritt, der sich in Zukunft auf vielen Ebenen auszahlen könnte. Der Verein ist nämlich ein wichtiger Baustein in einem Handball-Förderungskonzept, das in Brandenburg und Berlin wirken soll.

Seit fast zehn Jahren mühen sich die Postsdamer vergeblich am Aufstieg ab. Nach dem gescheiterten Anlauf 2021 übernahm Hanning vor der aktuellen Saison als Trainer. "Er hat den Verein praktisch umgekrempelt", blickt Linksaußen Tim Freihöfer zurück. "Er denkt groß und gibt alles für den Verein."
 
Und siehe da: Nach einer überragenden Spielzeit in der Gruppenphase und einer Aufstiegsrunde fehlt den Potsdamern nur noch der letzte Schritt. Am Samstag in Pforzheim und eine Woche später am Sonntag zu Hause steht nicht nur die gesamte Saison auf dem Spiel, sondern auch die Weiterentwicklung des Handball-Standorts Berlin-Brandenburg.

Talent sticht Erfahrung aus

Der VfL Potsdam ist in der Kooperation mit den Füchsen zwar ein komplett eigenständiger Verein, aber auch eindeutig als Talentschmiede zu lesen. Diverse Jung-Nationalspieler und Leihgaben des Bundesliga-Spitzenteams Füchse Berlin dürfen und müssen sich hier im harten Wettkampf beweisen. "Uns fehlen etwa 2.500 Männerspiele", bringt Hanning die fehlende Erfahrung des jungen Teams im Vergleich zur Konkurrenz auf den Punkt.
 
Doch das gleicht der VfL durch Talent aus. Davon profitieren derzeit alle Seiten. So geht es zum Beispiel für den 19-jährigen Tim Freihöfer kommende Saison zurück zum großen Berliner Nachbarn, im Gepäck viele Spielminuten im Herrenbereich. Verabschieden möchte sich der Leih-Fuchs unbedingt mit dem Aufstieg. "Jetzt geht es um alles. Ich weiß, was auf dem Spiel steht. Es geht ja auch um ganze Spieler-Generationen nach mir."

Dritte Liga, zweite Liga - macht das wirklich einen großen Unterschied? Bob Hanning ist sich dessen sicher. Die Füchse-Profis in der Bundesliga, Potsdam in der zweiten und die Jungfüchse in der dritten Liga - dieses ersehnte lückenlose Netzwerk mit kurzen Wegen wäre "wohl einzigartig in der Welt", sagt der Macher. "Wir haben hier einen Talente-Pool von rund 60 Spielern, die trainieren am Stützpunkt mit Weltmeistern und Olympiasiegern."

"Hanning fordert viel, gibt aber auch viel"

Um diese optimalen Bedingungen zu schaffen, hat Bob Hanning eine Doppelrolle als Potsdamer Trainer und Berliner Manager auf sich genommen. Das Arbeitspensum ist auf diesem Niveau selbst für den stets umtriebigen Funktionär beachtlich.
 
"Er fordert viel, er gibt aber auch viel", lobt Freihöfer seinen Coach. Das Gefühl, hinter dem Spitzenteam Füchse Berlin nur Hannings zweite Liebe zu sein, hatten der U-19 Europameister und seine Mitspieler dabei nie: "Für uns lässt er auch mal ein Füchse-Spiel ausfallen. Er ist unser Trainer und der Trainer ist bei seinem Team."
 
Dass der VfL Potsdam für Hanning eben nicht nur Förderkonzept und Talentschmiede ist, hört man, wenn man ihn auf sein Team anspricht: "Wir haben so viel zusammen erlebt. Wir sind ungeschlagen durch die Saison gekommen, haben zwei Jahre Pandemie überstanden, mussten zwischendurch Hotelflure mieten, um die Spieler trainieren zu können. Die Bindung ist stark."

Jetzt geht es für Potsdam also um die zweite Liga, um "mehr als die Qualifikation für die Champions League". Bob Hannings Team muss dafür im Hin- und Rückspiel zusammengerechnet ein Tor mehr erzielen als die SG Pforzheim/Eutingen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 20.05.2022, 13:15 Uhr