Hertha-Trainer Felix Magath beim Relegations-Hinspiel gegen den HSV (imago images/Jan Huebner)

Bundesliga | Relegation Hertha vor dem Relegations-Rückspiel: Was bleibt, ist die Hoffnung

Stand: 22.05.2022 15:23 Uhr

Hertha BSC droht vor dem Relegations-Rückspiel in Hamburg der Abstieg. Nach der 0:1-Niederlage und dem blassen Auftritt im Olympiastadion haben viele die Berliner bereits abgeschrieben. Doch Trainer Magath bleibt hoffnungsvoll.

Das Personal

Die Liste der fehlenden Spieler bei Hertha BSC bleibt weiter lang. "Sowas habe ich in meiner Trainerlaufbahn noch nicht erlebt", sagte Felix Magath auf der Pressekonferenz vor dem Relegations-Rückspiel in Hamburg über die Ausfälle in den letzten Wochen. Er fügte allerdings hinzu: "Wir haben im Rückspiel mehr Qualität zur Verfügung, als es letzten Donnerstag der Fall war."

Vor allem die Rückkehr von Santiago Ascacibar stimmte Trainer Magath zuversichtlich. Für den 25-jährigen Argentinier hatte er viel Lob übrig: "Da hat uns ein ganz wichtiger Mentalitätsspieler gefehlt. Er war einer der überragenden Spieler in dieser Mannschaft und der hat natürlich gefehlt, aber wir haben ihn jetzt wieder. Und er wird auch wieder eine große Rolle bei der Partie in Hamburg spielen." Ascacibar hatte bei der Hinspiel-Niederlage wegen einer Gelb-Sperre gefehlt.

Auch Stevan Jovetic und Marco Richter seien fit und spielbereit und könnten für mehr Offensivkraft sorgen. Denn genau die fehlte am Donnerstagabend im Olympiastadion. Beide hatten dort nicht in der Startelf gestanden.

Das Finale um den Klassenerhalt verpassen wird hingegen der zuletzt gesetzte Keeper Marcel Lotka. Er hatte sich am letzten Saisonspieltag bei der Niederlage in Dortmund eine Gehirnerschütterung zugezogen und muss weiter geschont werden. Für ihn wird wohl wie im Hinspiel wieder Oliver Christensen im Tor stehen.

Es fehlen: Alexander Schwolow (Muskelverletzung), Kelian Nsona (Kreuzbandriss), Marton Dardai (Oberschenkelprobleme), Davie Selke (Oberschenkelprobleme), Dong-jun Lee (Knieverletzung), Lukas Klünter (Schulterverletzung), Marcel Lotka (Gehirnerschütterung), Linus Gechter (Infekt)

Die Form

Die Formkurve bei den Berlinern zeigt steil nach unten. Zum Abschluss der Bundesliga-Saison ließen sie drei Möglichkeiten liegen, den Klassenerhalt zu sichern und die Relegation zu vermeiden. Im Hinspiel gegen den HSV präsentierte sich Hertha im ausverkauften Olympiastadion blass und völlig ungefährlich. Nur drei Torschüsse verzeichneten sie in den 90 Minuten plus Nachspielzeit gegen den Zweitligisten.

Während viele den Hauptstadtklub schon längst abgeschrieben haben, bleibt Magath aber gewohnt optimistisch. Der Trainer dreht den Spieß einfach um, und sieht vor allem die Hamburger nun unter Druck: "Im Moment sind wir raus, also können wir ja nur noch gewinnen. (...) Jetzt ist der HSV der, der etwas zu verlieren hat. Der Druck ist jetzt bei deren Spielern aber nicht mehr bei uns, also sind wir in der besseren Situation."

Auch Fredi Bobic glaubt noch an einen guten Ausgang im Endspiel. "Die Karten liegen auf dem Tisch. Es gibt jetzt nur noch dieses eine Spiel und das ist wie ein Finale für uns. (...) Ich habe die Überzeugung, dass die Jungs auch mit einer gewissen Wut in das Spiel gehen, weil sie selbst nicht geglaubt haben, dass sie das Hinspiel verlieren könnten. Wir haben so viele Nackenschläge kassiert, sind aber immer zurückgekommen. Jetzt zählt es", sagte der Geschäftsführer Sport.

Der Gegner

"Wir haben gegen einen sehr starken HSV nur durch ein Glückstor die Niederlage kassiert", analysierte Felix Magath die Leistung der Hanseaten im Hinspiel. Tatsächlich hatten auch die Gäste im Olympiastadion Probleme in der Offensive und schafften es nur durch eine verunglückte Flanke den Führungstreffer zu erzielen.

In allen anderen Belangen war der Zweitligist allerdings die deutlich bessere Mannschaft. Sie kontrollierten das Spiel, hatten mehr Ballbesitz und gewannen mehr Zweikämpfe. Vor heimischer Kulisse gehen sie am Montagabend jetzt als Favorit in die Partie und wollen sich von dieser umgedrehten Drucksituation keinesfalls verunsichern lassen. "Druck ist ein Privileg. Wir arbeiten dafür, in solchen Situationen zu bestehen", konterte HSV-Coach Tim Walter den Versuch von Felix Magath, für Unsicherheit bei den Norddeutschen zu sorgen.

Herthaner im Fokus

Neben Santiago Ascacibar hält Magath noch einen weiteren Mentalitäts-Trumpf für das Saisonfinale in Hamburg bereit: Kevin-Prince Boateng. Am Donnerstagabend war der "Prince" noch Bankdrücker gewesen. Grund dafür soll ein Streit im Training zwischen Trainer und Boateng gewesen sein. Im Rückspiel soll der gebürtige Berliner das Team nun aber auch wieder auf dem Platz unterstützen. "Er ist ein Finalspieler und weiß, wie es geht. Den braucht die Mannschaft natürlich im Finale", sagte Magath.

Und auch ein weiterer Herthaner könnte in Hamburg im Fokus stehen, wenn es um Torgefahr geht. "Unsere größte Waffe ist es, wenn Plattenhardt eine Standardsituation ausführt", sagte der Coach. Der Linksverteidiger soll mit seinen scharfen und präzisen Flanken bei Ecken und Freistößen für die Torchancen sorgen, die sich die Berliner aus dem Spiel heraus nicht erarbeiten können. Das hatte bereits in der Endphase der Saison immer wieder funktioniert.

Besonderheiten

Nicht nur ein großer Teil Fußball-Deutschlands vermutet Hertha nach dem Abpfiff am Montagabend in der 2. Bundesliga, sondern auch die Buchmacher glauben nicht an einen Sieg der Hertha in Hamburg. Doch vielleicht können die Berliner noch etwas Hoffnung aus der Relegation im letzten Jahr ziehen.

Auch damals verlor der Erstligist Köln das Hinspiel gegen den Zweitligisten Kiel vor heimischem Publikum mit 0:1 und war den Norddeutschen auch leistungsmäßig klar unterlegen. Viele glaubten damals an einen Abstieg der Rheinländer, die im Rückspiel dann aber plötzlich wie ausgewechselt auftraten und mit einem deutlichen 5:1-Auswärtssieg den Klassenerhalt sicherten.

Auch an seine Erfahrungen im Europapokal fühlte sich Felix Magath in der derzeitigen Situation erinnert. "Da gab es schon viele Beispiele, wo man das erste Spiel nicht erfolgreich gestalten konnte, das aber im Rückspiel noch wett machen konnte", erzählte der 68-Jährige hoffnungsvoll.

Sendung: rbbUM6, 22.05.2022, 18 Uhr