Hertha-Torhüter Oliver Christensen (imago images/Juergen Engler)

Fußball | Relegation Hertha vor der Relegation: Strecken für den Klassenerhalt

Stand: 18.05.2022 19:13 Uhr

Vor dem Relegations-Hinspiel gegen den HSV zeigt sich Hertha BSC selbstbewusst. Auch das Fehlen wichtiger Stammspieler soll keine Rolle spielen. Fraglich ist unter anderem der zuletzt starke Torhüter Marcel Lotka.

Das Personal

Die aktuell größten Sorgen gelten Torhüter Marcel Lotka. Der 20-Jährige hatte am letzten Spieltag in Dortmund (1:2) einen Nasenbeinbruch sowie eine leichte Gehirnerschütterung erlitten und ist für das Relegations-Hinspiel fraglich. "Es wäre für uns ein Verlust. Er hat klasse gehalten, war ein großartiger Rückhalt", sagte Hertha-Trainer Felix Magath auf der Spieltags-Pressekonferenz.

Sollte Lotka nicht spielen können, stünde der Däne Oliver Christensen vor seinem Pflichtspiel-Debüt für die Berliner, da der eigentliche Stammtorhüter Alexander Schwolow weiterhin an einer Muskelverletzung laboriert. Ebenfalls ausfallen werden bei der Hertha die angeschlagenen Davie Selke und Marton Dardai. Mittelfeldabräumer Santiago Ascacibar ist nach der fünften Gelben Karte, die er in Dortmund kassiert hat, gesperrt.

Vor allem der Ausfall des Argentiniers wirft für Magath Fragen auf, denn "Santi war gesetzt, natürlich ist das für uns ein Verlust", so der Hertha-Coach. Für den freigewordenen Platz auf der Doppel-Sechs neben Lucas Tousart kommen mit Niklas Stark, Linus Rechter, Vladimir Darida und Suat Serdar aber gleich mehrere Kandidaten in Frage.

Die Form

Schaut man auf die Spieltage 30 bis 34 in der Fußball-Bundesliga, liegt Hertha BSC mit sieben Punkten auf Rang zehn. Zwei Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden stehen für diesen Zeitraum zu Buche und auch wenn die beiden letzten Spiele gegen Mainz (1:2) und Dortmund in Niederlagen mündeten, findet auch Felix Magath: "Tatsache ist, wenn man es objektiv sieht, seitdem ich die Verantwortung trage, haben wir eine positive Entwicklung gemacht. Wer das Spiel in Dortmund gesehen hat, hat zwei Erstligisten gesehen, einer davon waren wir."

Hertha sei gut drauf und "das zeigen wir jetzt noch zwei Mal". Und damit auch ja nichts schief geht, hat sich die Mannschaft am brandenburgischen Olympiastützpunkt in Kienbaum zu einem Kurztrainingslager eingefunden. "Wir haben uns diese Sportschule ausgesucht, weil hier die Sieger herkommen. Wir möchten von dieser Aura profitieren", so Magath.

Der Gegner

Der HSV startet mit dem Rückenwind von zuletzt fünf Siegen in Folge in die Relegation, die davor schon so gut wie entrückt schien. Das Formhoch verleitet selbst Uwe Seeler, sonst eher zur hanseatisch routinierten Sorge angetan, zum Frohmut. "Wenn die Mannschaft kämpft wie zuletzt und auch den Ehrgeiz zeigt, kann sie es schaffen", so das HSV-Idol.

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Und auch Hamburgs Trainer Tim Walter ist angetan von der jüngsten Entwicklung und freut sich über die lange Zeit doch eher unwahrscheinlich wirkende Möglichkeit der Bundesliga-Rückkehr: "Das ist ein einfach richtig schönes und geiles Gefühl." Dabei sieht Walter sein Team aufgrund des "Momentums" durchaus als Favorit und auch deshalb keinen Grund, von seiner mutig-offensiven Spielweise abzurücken. So sucht der HSV konsequent die spielerische Lösung und beginnt dabei bereits beim Spielaufbau über den Torhüter. Keine Mannschaft der zweiten Liga hatte in dieser Saison soviel Ballbesitz wie die Hamburger (im Schnitt: 63 Prozent).

Zudem führt der HSV in den Kategorien Dribblings (10,9 pro Partie) und Passgenauigkeit (83,7 Prozent). Ein Konzept, das im DFB-Pokal selbst beim 1. FC Köln zum Sieg führte (4:3), im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Freiburg (1:3) jedoch auch seine Grenzen aufgezeigt bekam. Gegen aufmerksam pressende und zielstrebig agierende Gegner gerät der HSV schnell in die Bredouille.

Herthaner im Fokus

Er war als Erfolgsgarant geholt worden und saß dann vor allem viel auf der Bank. Die Rückkehr von Kevin-Prince Boateng zu seinem Jugendverein Hertha BSC schien erst unter Felix Magath so richtig sinnvoll, schließlich spielte Boateng plötzlich wieder von Beginn an und schaffte es dabei durchaus, der Mannschaft Halt und Struktur zu verleihen.

Dass es nun ausgerechnet zwischen Boateng und Magath gekracht haben soll, wischte Herthas Trainer flockig beiseite. Einem Medienbericht zufolge soll der Mittelfeldspieler die Wortwahl Magaths kritisiert haben, da dieser bei einer Ansprache kein Wir-Gefühl vermittelt habe. Nun die Beschwichtigung: "Ich habe den Satz erklärt und dann lagen wir uns schon wieder in den Armen", so Magath.

Besonderheiten

Ausverkauft wird es sein, das Berliner Olympiastadion. Aber nach viel Trubel um die Ticket-Vergabe stellte sich in den vergangenen Tage die große Frage: Wieviele Hamburger Fans werden denn nun Karten ergattert haben?

Hertha spricht von etwa 15.000 HSV-Fans, in Hamburger Kreisen ist gern auch von bis 30.000 Anhängern die Rede. Ob es nun die von HSV-Anhängern propagierte "blau-weiß-schwarze Invasion zur Relegation" geben wird oder nicht, eines dürfte klar sein: die Stimmung beim Relegation-Hinspiel wird erstklassig.