Viktoria Berlin zwischen Corona und Abstiegskampf

Optimismus statt Krisenstimmung

Stand: 28.01.2022, 20:43 Uhr

Die Drittliga-Saison von Viktoria Berlin begann wie im Rausch und spülte den Aufsteiger bis auf Platz eins der Tabelle. Dann folgte eine sportliche Talfahrt zu der nun auch noch coronabedingte Spielabsagen kamen. Der Klub bleibt sich dennoch treu.

In der Krise, so heißt es, zeigt sich der wahre Charakter. Nun ist das mit der Krise und dem Fußball-Drittligisten Viktoria Berlin so eine Sache. Schließlich steht der Aufsteiger nach 21 absolvierten Partien bei 26 Punkten und damit fünf Punkte vor den Abstiegsrängen. Angesichts des famosen Saisonstarts jedoch, der Viktoria zwischenzeitlich auf Rang eins und bis zum zehnten Spieltag noch immer auf Rang zwei der Tabelle führte, hat es die aktuelle Formkurve dennoch in sich.
 
In den letzten 13 Partien setzte es acht Niederlagen bei nur drei Unentschieden und zwei Siegen. Zu allem Überfluss ist die Mannschaft zudem massiv von Corona-Infektionen betroffen. Die Spiele in Halle und gegen Zwickau sind abgesagt und neu terminiert worden. Zuvor musste bereits die Partie gegen Eintracht Braunschweig verschoben werden. Unter der Woche standen nur noch drei gesunde Feldspieler zur Verfügung. Und trotzdem regiert die Zuversicht bei Viktorias Verantwortlichen.

Die Neuzugänge machen Hoffnung

Ganz besonders gilt das für Cheftrainer Benedetto Muzzicato (43). "Ich bin nie verunsichert", sagt er im Gespräch mit dem rbb, "das gibt es nicht." Die zuletzt magere Punkte-Ausbeute sei eine Ergebnis-Krise, das schon, sportlich jedoch falle das Fazit anders aus. So habe man in fast allen Spielen auf Augenhöhe agiert oder sei sogar besser gewesen als der Gegner. Und überhaupt, er sei "zu 100 Prozent sicher, dass es am Ende reichen wird für den Klassenerhalt", und nur das sei das Saisonziel.

Jammern gilt also nicht bei Viktoria, auch nicht darüber, dass mit Tolcay Cigerci der Toptorjäger des Vereins in die zweite, türkische Liga zu Samsunspor wechselte. Immerhin kamen ja auch drei Neuzugänge, drei "Jungs mit viel Potential", wie Muzzicato sagt, der dabei auch zu verstehen gibt, dass Transfers in der Winterpause sich von jenen in der Sommerpause unterscheiden. Denn angesichts der kurzen Vorbereitungszeit im Winter müsste diese Neuzugänge in der Lage sein, sofort zu helfen. Ganz besonders in diesem Jahr, in dem wegen Corona nicht einmal klar ist, mit welchen bisherigen Stammkräften überhaupt zu rechnen ist.

Weitere Neuzugänge nicht ausgeschlossen

So sagt Sportdirektor Rocco Teichmann (35) gegenüber dem rbb, man habe bereits feststellen können, dass auch solche Spieler, die nur sogenannte milde Verläufe einer Corona-Infektion gehabt hätten, hinterher nicht zwangsläufig ebenso belastbar und leistungsstark zu sein wie zuvor. Umso wichtiger also, dass die Neuzugänge sitzen. Und auch deshalb sind die Transferbemühungen bei Viktoria wohl noch nicht abgeschlossen. Zwar sie noch nichts perfekt, aber im "Zentrum, Richtung offensiven Bereich", könne durchaus noch etwas passieren, so Teichmann.

Sie können eben jeden Mann gebrauchen bei Viktoria, angesichts von insgesamt drei Nachholspielen, die in den ohnehin schon vollen Terminplan der dritten Liga zu integrieren sind. Die Absagen seien trotzdem die richtige Entscheidung gewesen, so Teichmann, auch wenn man nun mit den Konsequenzen leben müsse, "dass die Belastung nun nicht weniger wird."
 
Aber auch der Sportdirektor ist anscheinend vom Viktoria-Virus befallen, der sich in grundsätzlichem Optimismus niederschlägt. Die Situation sei sehr herausfordernd, so Teichmann, aber er habe keine "Angst vor den nächsten Wochen", man werde die Aufgaben schon erfolgreich meistern. Der Charakter von Viktoria Berlin ist eben ein offensiver. Auf dem Feld und abseits davon. Und selbst in der Krise.

Sendung: rbb24, 28.01.2021, 18 Uhr

Quelle: rbb

Darstellung: