Die Spielerinnen von Turbine Potsdam beim DFB-Pokalhalbfinale gegen Leverkusen im April 2022 (imago images/Fotografie73)

Fußball | DFB-Pokal der Frauen Mit Mut und Herz gegen den großen Favoriten

Stand: 27.05.2022 19:47 Uhr

Für Turbine Potsdam steht mit dem DFB-Pokalfinale der Höhepunkt des Jahres an. Gegen den großen Favoriten VfL Wolfsburg wollen die Brandenburgerinnen mutig auftreten und das bittere Saison-Ende mit einem Titel vergessen machen.

Es ist mittlerweile ganze 16 Jahre her, dass die Fußball-Bundesligistinnen von Turbine Potsdam zuletzt den DFB-Pokal gewinnen konnten. 2006 schlugen sie im Berliner Olympiastadion den 1. FFC Frankfurt mit 2:0. Seitdem standen sie noch viermal im Finale, doch ein Titelgewinn gelang ihnen nicht mehr. "Es wird also mal wieder Zeit", sagt Turbine-Verteidigerin Isabel Kerschowski.

Als Außenseiterinnen ins Finale

Am Samstag gibt es im Müngersdorfer Stadion in Köln für Turbine die nächste Chance, den Pokal in die Höhe zu stemmen. Zum Endspiel ins Rheinland reisen sie allerdings als klare Außenseiterinnen, denn im Finale treffen sie auf den deutschen Meister VfL Wolfsburg.

Die Wolfsburgerinnen sind nicht nur auf der Jagd nach dem Double, sondern wollen auch ihren siebten Pokalsieg in Serie feiern. "Ich hoffe, dass wir ihnen da ein Bein stellen können. (...) Die Tagesform wird entscheidend sein, und wie das Wetter wird, und wie einem der Platz liegt. Also da kommen sehr viele Aspekte zusammen", sagt Kerschowski.

Wettbewerbsübergreifend konnte Turbine seit zwölf Spielen nicht mehr gegen den VfL Wolfsburg gewonnen. Den bislang letzten Sieg feierten die Potsdamerinnen im November 2016. Turbine-Trainer Sofian Chahed ist sich der Qualität der Gegnerinnen durchaus bewusst, wie er sagt. Er lobt vor allem ihre individuelle Klasse.

Verstecken wolle er sich aber trotzdem nicht, sagt der Coach. "Wir wollen mutig spielen und uns nicht hinten reinstellen." Er wolle sich ganz auf die eigene Leistung konzentrieren. Ein bisschen Hilfe von den Gegnerinnen sei aber dennoch von Nöten, um gegen den Favoriten zu bestehen: "Bei uns muss alles passen und bei denen nicht ganz alles. Dann haben wir eine Chance."

Enttäuschender Saison-Abschluss

Zum Saison-Ende passte es bei den Potsdamerinnen allerdings nicht so ganz. Sie wollten unbedingt unter die besten drei Teams kommen und so die Qualifikation für die Champions League perfekt machen.
 
Doch mit Niederlagen gegen die direkten Konkurrentinnen von Eintracht Frankfurt und Bayern München verpassten sie die Königsklasse an den letzten zwei Spieltagen knapp. "Trotzdem haben wir eine sehr erfolgreiche Saison gespielt. Wir haben vier Punkte mehr geholt und sieben Tore mehr geschossen als in der Vorsaison. Das darf man auch nicht klein reden", sagt Trainer Chahed.
 
Auch seine Spielerinnen wollen sich von der Enttäuschung zum Saison-Ende nicht runterziehen lassen. Für die Mannschaft von Turbine steht mit dem Endspiel im DFB-Pokal das große Highlight der Saison und endlich mal wieder die Chance auf einen Titel an. "Wir freuen uns alle, dass wir zeigen können, wie gut wir sind und dass wir uns das verdient haben. Das wird ein enges Spiel werden", erzählt Kapitänin Sara Agrez.
 
Auch Routinierin Isabel Kerschowski zeigt sich davon überzeugt, dass es in diesem Jahr funktionieren könnte. Auch wenn die Gegnerinnen vermeintlich unschlagbar scheinen. "Man kann jedes Spiel gewinnen. Man muss mit dem Herzen dabei sein und als Team auftreten. Dann ist jede Mannschaft schlagbar", sagt sie.

Pokalsieg zum Karriereende?

Kerschowski weiß, wovon sie redet. Bei Turbines letztem Pokalsieg 2006 schoss sie als damals 18-Jährige eines der beiden Tore zum Sieg. Seitdem spielte sie auch für Wolfsburg und Leverkusen und es folgten vier weitere Pokale, sieben Meistertitel, der Gewinn der Champions League und die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio 2016.
 
Seit verganenem Jahr spielt die 34-Jährige wieder in Potsdam und wird am Samstag im DFB-Pokalfinale die letzte Partie ihrer Karriere bestreiten. Zum Abschied, sagt sie, wolle sie sich und ihren Heimatverein unbedingt mit einem weiteren Titel belohnen. "Ich will auf jeden Fall Präsenz zeigen, mit der Mannschaft reden und sie coachen. Ich glaube schon, dass man da einen großen Einfluss haben kann", sagt sie.
 
Darauf will auch Trainer Sofian Chahed vertrauen. "Sie hat Erfahrung, hat Finalspiele gespielt und weiß, worauf es dabei ankommt. Und das kann sie weitergeben", sagt er. "Insofern hoffen wir, dass sie entweder von Anfang an oder dann eben von der Bank dem Team hilft, das Bestmögliche rauszuholen."

Umbruch im Sommer

Neben Kerschowski werden auch weitere Leistungsträgerinnen Turbine im Sommer verlassen. Sara Agrez, Melissa Kössler, Gina Chmielinski, Dina Orschman und Luca Graf zieht es zur kommenden Saison weg aus Brandenburg. Es wird einen Umbruch geben in einer Phase, in der es für den Potsdamer Verein ohnehin schwierig ist, an den Erfolg aus vergangenen Tagen anzuknüpfen und sich gegen die immer stärker werdende Konkurrenz im deutschen Frauenfußball zu beweisen.
 
"Uns haben Wolfsburg, Bayern, Hoffenheim und Frankfurt überholt", sagt Trainer Chahed. "Wir müssen aufpassen, dass wir da weiterhin im oberen Drittel mitspielen. Aber das wird die nächsten Jahre schwer genug werden."
 
Vorher betreten sie am Samstag in Köln aber noch einmal alle als Einheit den Platz, bevor es dann mit neuem Personal in die nächste Spielzeit geht. "Ich denke, es ist an der Zeit. Im Team sind alle hungrig und die meisten haben noch keinen Titel gewonnen", zeigt sich Isabel Kerschowski kämpferisch.