Unions Max Kruse im Zweikampf mit Willi Orban von RB Leipzig(Bild: imago images/motivio)

Union empfängt RB Leipzig

Mit mentaler Frische als Booster

Stand: 01.12.2021, 17:40 Uhr

Mit RB Leipzig kommt ein Gegner für Union, der für Stressmomente und schnelles Spiel in die Spitze bekannt ist. Berlins Trainer Urs Fischer will ein aktives Union sehen, das auch mit Ball mutig agiert. Ein Überblick vor dem Spiel gibt Stephanie Baczyk

Das Personal

Trainer Urs Fischer hat bis auf Laurenz Dehl alle Mann zur Verfügung, auch der zuletzt an Corona erkrankte Stürmer Kevin Behrens ist wieder eine Option für den Kader. "Dem geht es sehr gut", so der Schweizer. "Auch seine Werte nach dieser Quarantänezeit – außerordentlich."
 
Und: die Mannschaft hatte nach dem Duell gegen Frankfurt am vergangenen Sonntag Zeit zum Runterkommen. "Auch mal auszuatmen, durchzuatmen, mal einen Tag mit der Familie zu verbringen, auf andere Gedanken zu kommen, ist eben auch eine Abwechslung zu dem, was wir jetzt lange Zeit fast tagtäglich erlebt haben", so der Union-Trainer über den Punkt mentale Frische. Er selbst konnte die Zeit zwar nicht mit seiner Familie verbringen, aber "die Füße baumeln lassen", wie er sagt.

Die Form

Bei der 1:2-Niederlage in Frankfurt wirkte das Team phasenweise platt, war nur drei Tage zuvor am Donnerstagabend noch in der Europa Conference League in Haifa im Einsatz – und lief doch 121,6 Kilometer im Spiel bei den Hessen. "Wichtig ist, dass Du Dich nicht dahinter versteckst", ordnet Fischer das Thema Müdigkeit ein. "Das ist eine Situation, die ein bisschen ungewohnt ist für uns, aber wir haben es bis hierhin nicht schlecht gemacht."
 
Im Spiel nach vorne leisteten sich die Unioner gegen Frankfurt Ungenauigkeiten, schenkten Bälle her, sorgten so zu selten für Entlastung. Die SGE stresste die Eisernen, hatte mit 17 Torschüssen zehn mehr als die Berliner, die erst in der zweiten Hälfte besser in die Partie kamen und erzielte schließlich in der fünften Minute der Nachspielzeit durch Evan Ndicka den verdienten Siegtreffer.
 
Die Köpenicker kassierten im dritten Bundesliga-Auswärtsspiel in Folge ein spätes Gegentor, ließen gegen Stuttgart und Köln so jeweils zwei Punkte liegen – und gegen Frankfurt am vergangenen Wochenende schließlich einen, wenngleich der ein wenig glücklich gewesen wäre.
 
"Ich glaube, Du stehst immer da, wo Du stehst und das völlig zurecht", fasst Rani Khedira Unions bisherige Ausbeute mit Blick auf die späten Gegentore trocken zusammen. "Ist natürlich ärgerlich, aber da musst Du mit letzter Konsequenz versuchen, dran zu arbeiten. Den Strafraum so verteidigen, dass die Bälle nicht platziert aufs Tor geköpft oder geschossen werden können." Das Gute: Gegen Leipzig steht für den Tabellensechsten ein Heimspiel an. Im Stadion An der Alten Försterei holte Union in dieser Saison bereits starke 14 von 21 möglichen Punkten, darunter zuletzt den Stadtderby-Dreier gegen Hertha BSC.

Der Gegner

… hat neben den schwankenden sportlichen Leistungen aktuell noch größere Probleme. Trainer Jesse Marsch wurde positiv auf Corona getestet, verpasste bereits das Champions-League-Gruppenmatch in Brügge und die Bundesligapartie gegen Bayer Leverkusen und wird auch gegen Union nicht an der Seitenlinie stehen. Zudem gab RB diese Woche bekannt, dass weitere Personen aus dem Betreuerstab in Quarantäne müssen – darunter wohl auch Marsch-Vertreter und Co-Trainer Achim Beierlorzer. "Es wird jemand da sein, der die Verantwortung trägt", fasst Urs Fischer die Situation an der Seitenlinie bei den Sachsen zusammen. Dass die personelle Situation der Gäste Einfluss auf ein einzelnes Spiel wie das am Freitagabend haben könnte, glaubt der Schweizer nicht.
 
Leipzig muss nach wie vor auf Kapitän Peter Gulacsi, Yussuf Poulsen, Hugo Novoa, Mohamed Simakan und Willi Orban verzichten – auch sie wurden zuletzt positiv getestet. Am Mittwochvormittag gaben die Sachsen über ihre Kanäle in den sozialen Medien bekannt, dass die PCR-Tests vom Dienstag beim restlichen Team negativ waren, aber zusätzliche Schnelltests gemacht werden sollen. Sollten weitere Fälle dazu kommen, stände das Spiel beim 1. FC Union vor der Absage.
 
Sportlich gesehen hakt es in dieser Saison beim kommenden Gegner der Eisernen. RB setzt unter Marsch auf aggressive Pressing-Aktionen und schnelles Umschaltspiel, das oft im direkten Spiel in die Spitze mündet. Die Sachsen belegen Platz acht in der Tabelle, haben allerdings auswärts noch nicht gewonnen.

Unioner der Woche

… ist einer, der mit Union auf seinen Ex-Klub trifft. Mittelfeldmann Rani Khedira ist seit seinem Wechsel vom FC Augsburg zum 1. FC Union Stammspieler unter Trainer Fischer, überzeugt mit Über- und Weitsicht auf dem Platz. "Ich bin jetzt schon über vier Jahre weg", so der 27-Jährige mit Blick auf seine Zeit bei RB. "Vom dem her steckt hundert Prozent Union in mir, würde ich jetzt mal behaupten."
 
Khedira sieht die Leipziger erneut als Champions-League-Kandidat, aber auch ihm ist natürlich aufgefallen, dass sich die Spielweise unter dem neuen Coach Jesse Marsch im Vergleich zur Ära unter Ex-Trainer Julian Nagelsmann verändert hat. "Die haben letztes Jahr für mich eigentlich den schönsten Fußball gespielt in der Liga", so Khedira. "Jetzt sind sie wieder sehr gut organisiert, wollen eher den direkten Weg nach vorne - der klassische RB-Style. Sehr schnörkellos. Jesse Marsch ist dafür bekannt, dass er giftig gegen den Ball sein will."

Besonderheiten

Die Kapazität im Stadion An der Alten Försterei wird eingeschränkt, aber es sind Fans An der Alten Försterei erlaubt. "Die geltende Verordnungslage für Berlin sieht so aus, dass am Freitagabend 13.506 Zuschauer zugelassen sind und wir gehen nicht davon aus, dass sich das bis Freitagabend noch ändert", so Pressesprecher Christian Arbeit auf der Spieltags-Pressekonferenz am Mittwochmittag. RB Leipzig beispielsweise musste bei der 1:3-Niederlage zu Hause gegen Leverkusen am vergangenen Wochenende wegen steigender Coronazahlen gänzlich auf seine Anhänger verzichten.

Sendung: Inforadio, 03.12.2021, 10:16 Uhr

Quelle: rbb

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