Maximilian Levy vor einem Rennen. Quelle: imago images/Sebastian Frej

Berliner Sixdays Maximilian Levy geht auf Ehrenrunde im Velodrom und macht sich für den Nachwuchs stark

Stand: 23.01.2023 14:08 Uhr

Er war der "Mr. Boombastic" beim Berliner Sechstagerennen. Neun Mal siegte Maximilian Levy im Berliner Velodrom. In diesem Jahr bekommt der Publikumsliebling mit Verspätung seine Abschieds-Ehrenrunde - und macht sich für den Nachwuchs stark. Von Thomas Juschus

Maximilian Levy sieht schmal aus, erinnert äußerlich stark an die Anfänge seiner überaus erfolgreichen Laufbahn als Bahnradsprinter, als er 2004 und 2005 fünfmal Junioren-Weltmeister wurde und den Grundstein für seine lange Karriere legte. Damals war er gerade 18 Jahre jung und ziemlich schmal. Es folgten 16 Jahre auf allerhöchstem Niveau, mit drei Medaillen bei Olympischen Spielen (Silber 2012, Bronze 2008 und 2012) und zehn WM-Medaillen bei der Elite - darunter vier Titel. "Ja, es stimmt, ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst. Ich habe sechs, sieben Kilo Muskelmasse verloren", sagt Levy mit einem breiten Grinsen beim Interview auf seiner Heimbahn in Cottbus.
 
Als die Einladung zum 110. Berliner Sechstagerennen (27. bis 29. Januar) kam, zögerte der 35-Jährige dennoch nicht lange mit einer Zusage - obwohl das Ende seiner sportlichen Karriere nun doch schon mehr als ein Jahr zurückliegt. Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio erreichte er nochmals drei Top-6-Plätze, fuhr danach die neue UCI Track Champions League und wechselte schließlich Ende 2021 in den Trainerstab beim Bund Deutscher Radfahrer - als verantwortlichen Coach für den Sprint im Juniorenbereich. Und das ist auch der eigentliche Grund, den der gebürtige Berliner erneut ins Velodrom führt.

Levy und Hinze kreieren neue Nachwuchs-Rennserie

Als Junioren-Bundestrainer kämpft Levy seit Amtsantritt darum, dass seine Sportlerinnen und Sportler mehr Möglichkeiten bekommen, hochklassige Wettbewerbe zu fahren. Bei den Sixdays sind die Nachwuchs-Asse wie Junioren-Weltmeisterin Bente Lürmann aus Cottbus erstmals im Rahmen des "Berlin Cup Futures" dabei. Die Ausdauer-Fahrer durften schon immer im Velodrom ihre Runden drehen, und manch später erfolgreiche Profi wie Robert Bartko oder der Belgier Iljo Keisse erntete an der Landsberger Allee seine ersten Meriten. Diesmal dürfen auf Initiative von Levy auch die schnellen jungen Frauen und Männer an zwei Tagen ran - und bekommen gleich ein Bonbon. "Die Siegerin und der Sieger von 2023 erhalten im nächsten Jahr einen Platz im Profi-Feld des Berliner Sechstagerennens - das ist echt eine coole Sache", freut sich Levy.
 
Neben der Bühne Sechstagerennen hat Levy zusammen mit seiner Lebensgefährtin Emma Hinze, der Olympia-Zweiten von Tokio im Teamsprint und sechsfachen Weltmeisterin, eine neue Serie für den Sprinter-Nachwuchs kreiert. "Sprinte wie Emma Hinze", heißt die Reihe, die in den nächsten Tagen offiziell präsentiert werden soll. Mitte April geht es auf der Radrennbahn in Frankfurt (Oder) los, nach neun Veranstaltungen endet die Serie im September in Chemnitz. "Die Attraktivität und mediale Wahrnehmung des Bahnradsports hinkt anderen Sportarten weiter hinterher. Außerdem haben wir wie fast alle olympischen Sportarten Probleme beim Nachwuchs. Hier möchten wir etwas tun", sagt Levy.

Levy bleibt sich als Bundestrainer treu

Partnerin Emma Hinze war von der Idee sofort angetan. "Ich möchte nicht nur über Nachwuchsförderung reden, sondern aktiv etwas tun. Mit unserer neuen Rennserie 'Sprinte wie Emma Hinze' wollen wir die vorhandene Struktur stärken und neue Anreize für die Kinder und Jugendlichen schaffen, im Bahnradsport zu bleiben", sagt die 25-Jährige, die nach einer kleinen Pause in Berlin auf das Oval zurückkehrt und sich auf die EM Mitte Februar in der Schweiz einstimmen will. 5.000 Euro Preisgeld und zahlreiche Sachpreise haben Hinze und Levy organisiert - ein Novum für Jugend- und Junioren-Rennen.
 
Levy war schon als Aktiver dafür bekannt, seinen Sport überaus akribisch und professionell zu betreiben und dabei auch neue Wege nicht zu scheuen. Damit bleibt er sich auch in seiner neuen Rolle als Junioren-Bundestrainer treu. "Die Arbeit mit den Sportlerinnen und Sportlern macht schon sehr viel Spaß. Klar, hier und da musste ich auch schon Lehrgeld zahlen. Mein Vorteil ist aber, dass ich die Perspektive des Athleten sehr gut kenne. Ich versuche, Dinge auch mal anders zu machen und aufzurütteln - das habe ich schon als Fahrer gemacht. Ich möchte einfach den Sportlerinnen und Sportlern helfen, ihre Potenziale abzurufen", sagt Levy.

Archivbild: Bahnradsport in der Oderlandhalle (Quelle: www.imago-images.de/Winfried Mausolf)
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Letztes Ziel im Velodrom: Schneller als die Frauen

Wer den ehrgeizigen Levy kennt, weiß, dass er auch bei seiner finalen Sixday-Runde im Velodrom am Samstagabend nochmals seine eigenen Potenziale abrufen will. Eine spezielle Vorbereitung gibt es aber nicht. "Aktuell versuche ich, dreimal die Woche Sport zu treiben. Gerade weil meine Arbeit doch bürolastiger ist als früher, habe ich schon öfter das Bedürfnis rauszugehen", sagt der A-Lizenz-Inhaber. Gefahren wird im Velodrom eine Fliegende Runde (250 Meter). "Natürlich geht es nicht nur um sportliche Leistungen im klassischen Sinne. Wichtig ist, schneller zu sein als die deutschen Sprint-Frauen – und die sind bekanntlich sehr, sehr schnell. Ideal wäre es, nochmal unter 13 Sekunden zu fahren. Das ist aber gar nicht so einfach", sagt Levy. Ein paar Muskeln sich eben schon kleiner geworden.
 
Vor allem freut sich der neunfache Sixday-Sieger von Berlin aber über die Möglichkeit, doch noch Abschied zu nehmen von seinem "Wohnzimmer". "Für mich gab es aufgrund Corona 2021/22 keine Abschiedssaison. Und was Abschiede angeht, haben sich nicht wirklich viele Veranstalter Mühe gemacht. Deshalb finde ich es toll, dass ich in Berlin die Möglichkeit bekomme, dieses Gefühl aufzusaugen", sagt Levy, der in Berlin 2017 nach einer längeren Durststrecke auch Keirin-Europameister wurde. Die 'Fliegende Runde' hat ihm immer am meisten Spaß gemacht - zum Song "Mr. Boombastic" von Shaggy. "Wenn die Lieblingsmusik läuft und das Publikum einen anfeuert - das war immer außergewöhnlich. Das möchte ich nochmals genießen", sagt Maximilian Levy. Und danach wird sich weiter um die nächste Generation der Top-Sprinterinnen und -Sprinter gekümmert.