Interview | Union-Verteidiger Robin Knoche "Man bleibt nicht im Vorbeigehen in der Liga"

Stand: 07.08.2022 19:05 Uhr

Innenverteidiger Robin Knoche ist großer Teil der Ergolgsgeschichte des 1. FC Union Berlin und in jedem Spiel gesetzt. Im Interview spricht er über das Saisonziel, die Stärken der Köpenicker und seine persönliche Zukunft.

rbb: Herr Knoche, Sie sind in Braunschweig geboren, waren 15 Jahre beim VfL Wolfsburg und sind jetzt seit zwei Jahren in Berlin. Wie gefällt es Ihnen in der Hauptstadt?
 
Robin Knoche: Sehr gut. Ich kann gerade sportlich nur Positives erzählen. Das ist eine tolle Entwicklung, die wir als Verein genommen haben. Und auch persönlich fühle ich mich sehr wohl.

Was hat Sie beim Derby mehr erstaunt: Wie gut Ihre Mannschaft bereits in Schwung ist oder wie schwach Hertha BSC gespielt hat?
 
Man muss das immer ein bisschen relativieren. Gerade zu Saisonbeginn weiß man ja nie so wirklich, wo man steht. Wir wollten einfach ein gutes Spiel zeigen, gerade nach der nicht so guten Leistung im Pokal gegen Chemnitz. Ich denke, das ist uns gelungen.
 
Und es sind ja Punkte im Kampf gegen den Abstieg, wie wir wieder gelernt haben. Es ist verständlich, dass Ihr Trainer Urs Fischer das immer wieder sagt. Aber verstehen Sie auch, wenn man darüber doch irgendwann mal schmunzelt?
 
Wenn man die letzten zwei Jahre sieht, dann kann man das natürlich in Frage stellen. Aber bisher sind wir mit diesem Modell ganz gut gefahren und ich denke, es sollte jedem bewusst sein, dass man in der Bundesliga nicht einfach so im Vorbeigehen in der Liga bleibt. Das ist das, was uns auszeichnet. Das wir wirklich von Spiel zu Spiel schauen. Auch wenn das jetzt so eine Phrase ist. Alles darüber hinaus nehmen wir dann gerne mit.

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Ihr Teamkollege Sven Michel hat gesagt, er habe noch nie so eine harte Vorbereitung wie unter Urs Fischer absolvieren müssen. Was ist daran so hart?
 
Einfach die Intensität, die wir an den Tag gelegt haben. Wir haben wirklich sehr gut und mit vielen intensiven Läufen gearbeitet. Ich kann ihm da aber leider nicht ganz beipflichten. Denn ich hab in jüngeren Jahren doch die eine oder andere Vorbereitung mitgemacht, die sehr hart war. Aber ich kann ihm beipflichten, dass sie schon hart war.
 
Unter wem war es noch schlimmer?
 
Als junger Spieler habe ich unter Felix Magath trainieren dürfen. Und das waren natürlich auch noch andere Zeiten. Aber es hat einen stärker gemacht.
 
Wahrscheinlich gehen Sie seitdem Medizinbällen aus dem Weg?
 
Die sind seltener geworden. Das kann man schon so sagen.

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Sommer für Sommer stellt ihr Manager Oliver Ruhnert eine neue Mannschaft zusammen, ohne dass es bislang negative Auswirkungen auf das Spiel des 1. FC Union hatte. Warum funktioniert bei Ihnen, was anderen Vereinen so schwerfällt?
 
Ich denke schon, dass auch der Trainerstab da einen großen Anteil hat. Und, weil bei uns die Kabine einfach funktioniert. Wir haben eine super Stimmung in der Mannschaft. Egal, wer spielt. Bei uns steht einfach die Mannschaft im Vordergrund. Jeder einzelne ist wichtig für uns. Das ist nicht nur daher gesagt, das leben wir auch. Und ich glaube, dass wir daraus auch eine große Stärke ziehen.
 
Der Niederländer Luis van Gaal hat als Trainer des FC Bayern München einmal gesagt: "Müller spielt immer!" Damit meinte er den deutschen Nationalspieler Thomas Müller. Bei Union gilt: Knoche spielt immer. Es sei denn, er ist gesperrt. Was haben Sie gegen Ihren Trainer in der Hand?
 
Ich hoffe, dass ich seinen Anforderungen gerecht werden kann und der Mannschaft aus meiner Position heraus helfe. Ich glaube auch, wenn man jetzt die Resultate und die Leistung sieht war es die letzten zwei Jahre so, dass ich einiges richtig gemacht habe. Ich freue mich natürlich darüber, dass ich die großen Spielanteile dann auch bekomme.

Die Spieleröffnung läuft bei Union häufig über die Außenspieler. Das dürfte Ihnen ein wenig entgegenkommen. Aber Innenverteidiger werden ja eh daran gemessen, ob sie möglichst wenige Torchancen zulassen. Freuen Sie sich immer, wenn Sie dem Gegner die Nerven massieren?
 
Das gehört auf jeden Fall zum Anforderungsprofil dazu. Dass man, wie wir so schön sagen, "eklig" ist; dass man die Zweikämpfe gewinnt; dass man darüber hinaus auch viel Erfahrung mitgeben kann und viel organisieren kann von hinten heraus. Weil man einfach das ganze Spielfeld vor sich hat. Und das mit dem Spielaufbau würde ich jetzt gar nicht so benennen, dass das nur über die Außen läuft. Da sind wir schon variabel.
 
15 Jahre VfL Wolfsburg – offensichtlich sind Sie kein Wandervogel. Jetzt sind Sie aber 30 Jahre alt geworden. Werden Sie Ihre Karriere bei Union beenden?
 
Das ist immer schwer zu sagen. Gerade heutzutage ist es im Fußballgeschäft schwer, in die Zukunft zu schauen. Von daher will ich da keine festen Aussagen treffen. Was ich natürlich sagen kann, ist, dass ich mich aktuell sehr wohl fühle, wir sportlich erfolgreich sind und ich ja meinen Vertrag auch verlängert habe, um diese Entwicklung fortzuführen. Ich hoffe, dass wir das machen und auf einem guten Weg sind.

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Wir haben das deshalb gefragt, weil Innenverteidiger Ihres Schlags prädestiniert sind für den englischen Fußball und so viele Profis drängt es auf die Insel. Haben Sie keine Sehnsucht nach der Premier League?
 
Also ich schaue sie mir gerne an. Das ist definitiv richtig. So sehr danach sehnen wie andere tue ich mich, glaube ich, nicht. Ich hatte ein paar Anfragen, aber ich fühle mich, wie gesagt, wohl und will die Entwicklung weiter mitgehen und sehe dem Sportlichen auch sehr positiv ins Auge.
 
Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas Kroh für den Sport im rbb24 Inforadio. Das Gespräch können Sie sich anhören, indem Sie im Titelbild auf Play klicken.

Sendung: rbb24 Inforadio, 07.08.2022, 16:23 Uhr