Manfred Wolke und Schützling Henry Maske

Interview | Henry Maske zum 80. Geburtstags seines Trainers "Ich habe durch Manfred Wolke viel über mich und mein Leben gelernt"

Stand: 14.01.2023 14:48 Uhr

Manfred Wolke wird 80. Als aktiver Boxer gewann er die Olympia-Goldmedaille, als Trainer führte er zahlreiche Kämpfer zu Erfolgen. Einer von ihnen: Henry Maske. Im Interview spricht er über die Zusammenarbeit, die Person Wolke und dessen Stil.

Einer der bekanntesten Berliner und Brandenburger Boxtrainer feiert am Samstag seinen 80. Geburtstag: Manfred Wolke. Henry Maske hat mehrere Jahrzehnte mit dem Potsdamer trainiert und große Erfolge gefeiert.

rbb|24: Herr Maske, wie haben Sie und Manfred Wolke sich kennen gelernt?
 
Henry Maske: Bevor Manfred Wolke mich wahrnahm, habe ich ihn wahrgenommen. Auf der Frankfurter Sportschule bin ich ihm als Achtklässler begegnet, ich war einer von vielen, wir waren 15 Boxer. Als ich 17 Jahre alt war, hat er mich dann in seine Trainingsgruppe aufgenommen. Es war eine große Freude für mich, andererseits habe ich das ganze mit großem Respekt betrachtet. Ich kam mit 17 in eine Gruppe, in der ansonsten der jüngste 22 Jahre alt war und bereits Olympiasieger, der älteste war 27 Jahre alt. Also erwachsene Männer mit großen Erfolgen.

Ulli Wegner
Seine Sprüche trafen härter als mancher Schlag

Ulli Wegners Stimme am Ring war unverkennbar - seine Anfeuerungen setzten auch seinen Schützlingen zu. Hoch geschätzt ist der markige Boxtrainer bis heute. Seinen 80. Geburtstag verbringt er auf Usedom. Von Shea Westhoffmehr

Wie hat sich Ihnen die Persönlichkeit Manfred Wolke dargestellt?
 
Er war eine ausgesproche Respektsperson, klar und deutlich in der Ansprache. In der Trainingsgruppe mit all den erwachsenen Boxern fühlte man sich als Küken. Und das zeigte sich auch relativ schnell in der Art und Weise, wie ich boxte: unfertig, mit großem Bedarf. Da waren große Unterschiede. Auch wenn man sich im Ring gegenüberstand, da war ich tatsächlich ein gering Fortgeschrittener gegen wirklich qualifizierte Boxer. Und Manfred Wolke forderte enorm. Er war ja nicht nur Olympiasieger als Aktiver, sondern auch als Trainer. Und das spürte man. Er war sehr hart im Umgang des Forderns und des Folgen-Sollens der Sportler. Das war eine deutlich höhere Qualität als das, was ich vorher kennen gelernt hatte.

Ihre Zusammenarbeit war dann extrem erfolgreich. Sie sind 1988 Olympiasieger geworden. Ein Jahr später in Moskau Weltmeister bei den Amateuren. Später in der Profikarriere waren Sie dann ebenfalls extrem erfolgreich. Wie würden Sie in dieser Zeit die Chemie zwischen Ihnen und Manfred Wolke beschreiben: eher ein professionelles Verhältnis, ein väterliches oder ein freundschaftliches?
 
Ich habe immer gesagt, ich habe von, mit und durch und Manfred Wolke sehr viel gelernt über vieles, aber auch über mich und mein Leben. Als 17-Jähriger hat man das Interesse, sich an jemanden orientieren zu können. Und klar hat man sich an Manfred Wolke orientiert. Und im Zuge der Zeit hat man auch verstanden: Auch Wolke ist kein permanenter Hero, auch er hat seine Schwächen. Auch er hat Dinge, an denen man sich nicht unbedingt orientieren muss. Aber er ist vor allem eines: mein Trainer. Und er ist dafür da, mich für die entsprechenden Aufgaben zu qualifizieren. Und das ist immer mehr von mir verstanden und angenommen worden. Das war auch nicht immer leicht. Da gab es unterschiedliche Vorgänge, wie auch ich die Dinge annehmen konnte. Vom Start 1982 bis zum Olympiasieg 1988, das klingt heute wie eine kurze Zeitspanne. Aber da ist viel Zeit dazwischen. Tatsächlich hat da unfassbar viel Energie drin gesteckt. Und auch einige Momente, die sehr herausfordernd waren. Nicht nur für mich, sondern auch für ihn.

Manfred Wolke gilt als Erfinder der Frankfurter Schule - es geht dabei nicht um Philosophie, sondern um einen bestimmten Boxstil, der in Frankfurt an der Oder kultiviert wurde. Können Sie uns diesen ein wenig näherbringen?
 
Manfred Wolke war ein sehr vorsichtiger Boxer, mit großer Zurückhaltung. Auf der anderen Seite immer bereit, aktiv zu sein und den Gegner zu kontrollieren. Diese Art zu boxen hat bei ihm irgendwann, ich glaube aufgrund seines Alters, ein Ende gefunden. Ich glaube, er war auf der Suche nach Boxern, die eine gewisse Ähnlichkeit zu diesem Stil aufwiesen. Bei mir hatte er glaube ich jemanden gefunden, der den Schritt weitergegangen ist, den er selber gerne gegangen wäre. Über mich sagte man ja immer, ich sei ein Verteidigungskünstler. Wenn man sich aber meine letzten aktiven jahre anschaut, sieht man, dass ich immer unfassbar nah am Gegner bin. Also permanent in der Gefahrenzone, aber ich wiche sofort aus, sobald der Gegner aktiv werden könnte. Dann bin ich allerdings wieder sofort da, sobald er sich eine Pause sucht. Dadurch ist der Gegner ständig unter Druck gesetzt. Ich gönne ihm während seiner gesamten Kampfzeit keine Ruhe.
 
Ich hoffe man kann mir folgen (lacht). Dieser Stil erfordert auf jeden Fall hohe Konzentrationsfähigkeit. Das heißt, es gibt während des Kampfes keine Sekunde, in der ich vom Verhalten des Gegners abschalten kann. Das hat Manfred Wolke bei mir fortgesetzt, was bei ihm ursprünglich eine Stärke war.

Junge Boxerinnen bereiten sich in Frankfurt (Oder) auf Europa-Meisterschaft vor

Der Boxsport ist in Frankfurt (Oder) sehr beliebt. In der Oderstadt trainieren junge Menschen für die Europameisterschaft in Kroatien. Darunter die Wahl-Frankfurterin Maxi Klötzer und die deutsche Meisterin Felicitas Gangbauer.mehr

Sie waren als Amateur sehr erfolgreich, und als Sie Anfang der 90er in den Profibereich gewechselt sind, waren Sie weiterhin sehr erfolgreich. Während der ganzen Zeit sind Sie bei Manfred Wolke geblieben. Warum?
 
Ich habe natürlich während meiner aktiven Zeit andere Trainer kennen gelernt, wunderbare und erfolgreiche Trainer. Trotzdem glaube ich, dass wir beide hervorragend zueinander passten. Mein Typus zu boxen war nicht für jeden Trainer sofort verständlich. Die Art, wie Manfred Wolke über Boxen dachte, und die Art wie ich boxte, waren sehr viel kompatibler.
 
Haben Sie noch Kontakt zu ihm? Er lebt an der Ostsee, Sie im Kölner Raum.
 
Natürlich haben wir noch Kontakt zueinander. Nicht mehr den intensiven, die Entfernung ist doch zu groß. Aber wir telefonieren miteinander. Es ist eine schöne Sache, dass man einen langen Weg miteinander gegangen ist, der am Ende für beide Seiten sehr erfolgreich war. Der Trainer ist sehr, sehr abhängig von seinen Sportlern. Und wenn das auch noch gelingt, dass der Sportler und gleichzeitig eingeständig ist, dann macht es für beide Spaß. Wenn man durch erfolgreiche wie schwere Zeiten marschiert, kann man mit großer Freude zurückblicken.

Das Gespräch führte Nikolaus Hilmann, rbb Sport. Der vorliegende Text ist eine redigierte Fassung des Radio-Interviews.
 
Sendung: rbb24 Inforadio, 13.01.2022, 14:15 Uhr