Hertha-Ultras fordern Spieler auf, ihre Trikots auszuziehen. / imago images/Camera 4+

Fußball | Bundesliga Hertha-Fans fordern Spieler auf, ihre Trikots auszuziehen

Stand: 10.04.2022 13:44 Uhr

Nach der 1:4-Derby-Pleite gegen den Union Berlin sind die Spieler des abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten Hertha BSC vor der eigenen Fankurve aufgefordert worden, ihre Trikots auszuziehen. Dem kamen einige Akteure am Samstagabend auch nach.

Nach der 1:4-Derby-Pleite von Hertha BSC gegen Union Berlin kam es vor der Ostkurve im Olympiastadion zu einer umstrittenen Aktion der Fans. Die Hertha-Spieler wurden von den eigenen Anhängern dazu aufgefordert, ihre Trikots auszuziehen und auf der Tartanbahn vor der Kurve niederzulegen. Ein Teil der Mannschaft gab dem Druck nach und folgte der Aufforderung. Die Aktion stößt bei vielen auf Unverständnis.

Bobic: "Ich hätte es nicht gemacht"

"Es ist schwer zu erklären, was mit den Fans besprochen wurde. Das sage ich jetzt lieber nicht. Es war einfach eine Geste, das Trikot auszuziehen", sagte Maximilian Mittelstädt beim TV-Sender Sky und ergänzte: "Ob es was mit einer Demütigung zu tun hat oder nicht? Ich möchte jetzt einen Konflikt vermeiden."
 
Herthas Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic wäre der Aufforderung der Fans nicht gefolgt: "Ich hätte es nicht gemacht. Ich ziehe das Trikot mit Stolz an. Ich verstehe natürlich den Unmut, dass man das dritte Derby in Folge verliert. Das macht uns allen keinen Spaß. Aber wir sind auch Sportler", sagte Bobic nach dem Spiel.
 
Einen Tag später ergänzte er im Sport1-Doppelpass: "Junge Spieler wie [Linus] Gechter oder [Torhüter Marcel] Lotka sind natürlich von so etwas beeindruckt und lassen das mit sich machen. Das ist auch verständlich und man kann sie dafür nicht verurteilen." Das Verhalten der Fans bezeichnete Bobic als kontraproduktiv. "Da wurde eine Linie überschritten. (...) Das macht was mit den Spielern - aber auf jeden Fall nichts Positives", erklärte der Geschäftsführer.

Niemand verliert gerne, aber das ist kein Grund, die Spieler so zu demütigen. Von Leuten, die seit zwei Jahren im Stadion abwesend waren, gesagt zu bekommen, man solle das Trikot ausziehen, das ist eine Frechheit. Das ist menschenverachtend und herabwürdigend.

Magath zeigt Verständnis, Fanclub entsetzt

Unterstützung bekam Bobic für seine Aussagen auch aus den Reihen des Stadtrivalen. Unions Sportchef Oliver Ruhnert sagte im Doppelpass: "Wie willst du für die letzten fünf entscheidenden Spiele den Fokus behalten, wenn du Angst spürst? Das ist sicher der denkbar schlechteste Ratgeber."
 
Hertha-Trainer Felix Magath brachte am Sonntag hingegen auch Verständnis für den Unmut der Fans auf. Beim Sender Bild-TV bezeichnete der 68-Jährige die Aktion zwar als bedauerlich - äußerte aber auch seine Begeisterung für die Unterstützung während des Spiels. "Das Problem ist, dass wir es nicht verstehen, durch Einsatz diese Unterstützung der Fans auf dem Platz umzusetzen", sagte der Trainer.
 
Beim ältesten Hertha-Fanclub zeigte man sich von den Szenen nach dem Derby entsetzt. Der Vizepräsident des "Hertha BSC-Fan-Club e.V." Jörg Hans sagte dem rbb: "Das, was die Ultras dort abgezogen haben, ist eine Unverschämtheit. Niemand verliert gerne, aber das ist kein Grund, die Spieler so zu demütigen. Von Leuten, die seit zwei Jahren im Stadion abwesend waren, gesagt zu bekommen, man solle das Trikot ausziehen, das ist eine Frechheit. Das ist menschenverachtend und herabwürdigend."

Duelle gegen direkte Abstiegskonkurrenten

Hertha BSC steht nach der Pleite auf dem vorletzten Tabellenplatz. In den nächsten Wochen geht es gegen die direkten Konkurrenten FC Augsburg, VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld. "Ich sehe das nicht so schwarz. Die nächsten Gegner sind nicht ganz auf dem Niveau von Union Berlin", sagte Hertha-Trainer Felix Magath am Samstag nach der Derby-Pleite.

Sendung: rbb24, 09.04.2022, 21:45 Uhr