Zwei Oldenburger und ein BFC-Spieler kämpfen im Relegationsspiel um den Ball. (Quelle: imago/Nordphoto)

Fußball | Aufstiegsspiele 3. Liga Herber Dämpfer für Drittliga-Aufstiegsträume des BFC Dynamo

Stand: 28.05.2022 16:42 Uhr

Für den BFC Dynamo ist der erstmalige Sprung in den Profi-Fußball seit der Wende in weite Ferne gerückt. Die Berliner verloren das Hinspiel um den Drittliga-Aufstieg gegen Oldenburg mit 0:2. Nach schwacher erster Hälfte kam nach der Pause Pech dazu.

Es war ein bitterer Nachmittag für den BFC Dynamo vor 5.000 Zuschauern im ausverkauften Sportforum Hohenschönhausen: Die Berliner mussten sich im Hinspiel um den Drittliga-Aufstieg gegen den VfB Oldenburg mit 0:2 (0:1) geschlagen geben. Gerade in der ersten Hälfte enttäuschte der Meister der Regionalliga Nordost. Der zehnfache DDR-Titelträger braucht im Rückspiel in sieben Tagen im Oldenburger Marschweg-Stadion (4.6., 14 Uhr) nun eine Fußball-Überraschung, um doch erstmals seit der Wende in den Profifußball zurückzukehren.

Oldenburg spielerisch überlegen

In Oldenburg hatten die Verantwortlichen die Favoritenrolle vor dem Spiel klar in Richtung BFC Dynamo geschoben - so auch VfB-Coach Dario Fossi: "Das ist eine ganz abgezockte und erfahrene Regionalliga-Mannschaft." Einschüchtern ließ sich sein Team davon aber keinesfalls. Ganz im Gegenteil: Der Meister der Regionalliga Nord kontrollierte von Beginn an die Partie. Die Oldenburger griffen früh an, provozierten Fehler - und setzten auch die ersten vorsichtigen Offensiv-Akzente im Sportforum, zunächst noch ohne die BFC-Defensive in ernsthafte Bedrängnis zu bringen.
 
Die Gastgeber taten sich schwer. Druck und Nervosität war der Mannschaft von Trainer Christian Benbennek deutlich anzumerken. Viele Aktionen des BFC waren deutlich zu ungenau - die Folge: Hinten wackelte das Team und war vorne gänzlich ungefährlich. Der 23-Tore-Topstürmer Christan Beck kam - wie der Rest des Sturms der Hausherren - über weite Strecken überhaupt nicht ins Spiel. Selbst die Paradedisziplin des BFC wollte so gar nicht gelingen: Die wenigen Flanken und Standards erzeugten keine Gefahr. Die Mannschaft wirkte ratlos.

BFC erst nach der Pause wacher

Diese Unterlegenheit zeigte sich nach 27 Minuten dann auch auf der Spielstandsanzeige: Nach einer Ecke von Dennis Engel von der rechten Seite - ebenfalls verursacht durch einen der vielen technischen Fauxpas der Gastgeber - köpfte Robert Zietarski aufs Tor und der Ball klatschte vom Innenpfosten zur 1:0-Führung für Oldenburg ins Tor. Auch nach diesem Rückschlag schaffte es der BFC nicht, sich zu berappeln. Stattdessen war es Oldenburg-Kapitän Max Wegner, der kurz darauf fast nachgelegt hätte: Seinen Schuss aus knapp 20 Metern konnte BFC-Keeper Dimitri Stajila jedoch mit einer starken Parade gerade noch zur Ecke klären (30.).

Benbennek reagierte in der Halbzeitpause mit zwei Wechseln. Darryl Geurts und Philipp Schulz ersetzten Andor Bolyki und Kapitän Andreas Pollasch. Und es hatte sich in der Kabine nicht nur das Personal, sondern auch die Einstellung geändert: Der - in den ersten 45 Minuten so gehemmte - BFC agierte deutlich griffiger und mit mehr Drang nach vorne. Nach einer Ecke musste VfB-Keeper Pelle Boevink in höchster Not gegen Niklas Brandt retten (49.). Und auch sonst war Dynamo nun regelmäßiger Gast im Oldenburger Strafraum.

Beck vergibt Top-Chance

Der VfB - so wie der BFC in der ersten Hälfte nun mit starkem Gegenwind konfrontiert - kam kaum noch in die gegnerische Hälfte. Nach 67 Minuten hätte Dynamo sich Dynamo dann eigentlich zwingend für seine Überlegenheit belohnen müssen: Beck kam nach einer Flanke von der linken Seite wenige Meter vor Oldenburg-Keeper Boevink fast unbedrängt an den Ball. Eine hundertprozentige Chance, doch der 34-Jährige köpfte rechts am Tor vorbei.
 
Und das rächte sich. Der BFC konnte den Druck nicht mehr ganz so hochhalten - und Oldenburg nutzte seine erste Chance in der zweiten Hälfte gleich zum 2:0: Erneut war es ein Kopfballtor und erneut war es Zietarski, der es erzielte (79.). Stajila im Tor der Hausherren sah dabei mehr als unglücklich aus. Der BFC versuchte noch einmal alles, blieb aber glücklos. Die Aufstiegs-Träume der Berliner drohen somit zu platzen.

"Ich fand uns von Beginn an zu verkrampft. Wir waren nicht die Mannschaft, die wir über die 38 Spiele (in der regulären Saison der Regionalliga Nordost, Anm. d. Red.) waren", sagte Trainer Christian Benbennek nach dem Spiel im rbb|24-Interview. Er habe von außen den Eindruck gehabt, als sei "jeder ein bisschen zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Wir haben gar nicht richtig gespielt. Wir haben erst die Pause gebraucht, um uns neu zu ordnen." Die Voraussetzungen für das Rückspiel seien nun zwar nicht gut, "aber wir haben nicht 38 Spiele Vollgas gegeben, um jetzt zu sagen: Das war's. Wir müssen und einmal schütteln und nach Oldenburg fahren und alles probieren. Es wird ein kleines Fußball-Wunder brauchen."

Sendung: rbb UM6, 28.05.2022, 18 Uhr