Ende einer Hängepartie

Schach-Bundesliga

Ende einer Hängepartie

In der Schach-Bundesliga geht an diesem Wochenende eine Saison mit Überlänge zu Ende. Nach eineinhalb Jahren Pause werden in Berlin die letzten sieben Runden im Kampf um die Meisterschaft ausgetragen. Von Lynn Kraemer

Der FC Bayern München gegen den SV Werder Bremen: Niclas Huschenbeth, der Mann im roten Trikot mit der Nummer Eins auf dem Rücken fokussiert sein Gegenüber. Alexander Areshchenko, im grünen Shirt zeigt keine Regung. Es herrscht absolute Stille. Die Figuren bewegen sich geräuschlos. Nicht im Fußball, sondern im Schach gibt es diese Begegnung noch immer in der 1. Bundesliga.

Das Ende einer langen Saison

Seit Donnerstag spielen in Berlin 15 Mannschaften um die Meisterschaft in der offenen Schach-Bundesliga. Das Ende einer Saison, die im Herbst 2019 begann. Sieben Runden konnten gespielt werden, bevor der Ligabetrieb durch den Lockdown im März 2020 eingestellt wurde. "Es gab eine lange Pause und jetzt sind wir alle, glaube ich, wieder froh Schach spielen zu können", sagt Niclas Huschenbeth. Die verbleibenden sieben Runden finden nun an vier Tagen gebündelt statt.
 
Die Schachfreunde Berlin sind schon zum vierten Mal Ausrichter der Finalrunde. Sonst waren es allerdings immer weniger Runden. "Es ist immer eine Herausforderung, vor allem finanzieller Art. Wir sind ein Verein mit 140 Mitgliedern", sagt Jörg Schulz, Vorsitzender der Schachfreunde. Doch man habe Erfahrung und die anderen Mannschaften kämen gerne nach Berlin.

Starke Konkurrenz

Das Spiel zwischen Niclas Huschenbeth und Alexander Areshchenko dauert 4:55 Stunden. "Gerade nach fünf Stunden raucht der Kopf", sagt Huschenbeth. Es sei anstrengend, weil man die ganze Zeit über fokussiert sein müsse. Im Kopf planen die Spieler bis zu 15 Spielzüge voraus: "Wenn ich mir einen Fehler erlaube, kann ich vielleicht nicht zurückkommen." Am Ende gewinnt Niclas Huschenbeth und trägt seinen Teil zum 5:3-Sieg gegen Bremen bei.
 
Huschenbeth spielt zwar für den FC Bayern, doch er wohnt in Berlin. "In der Bundesliga ist das nicht wirklich an den Ort gebunden, wo man spielt", erklärt der 29-jährige Schach-Großmeister. Zu jeder Mannschaft gehören acht Spieler. Die Regeln würden auch Frauen erlauben, doch momentan spielen nur Männer in der offenen Schach-Bundesliga. Viele von ihnen kommen aus dem Ausland. Die Verbandsregeln erlauben es den Spielern in mehreren Ligen anzutreten. Die deutsche Liga wirbt damit, die stärkste der Welt zu sein.

Nur ein Absteiger

Als Favorit gilt die Ooser Schachgesellschaft (OSG) Baden-Baden. Für den Schach-Rekordmeister wäre es der 15. Titel. Die größte Konkurrenz ist die Schachvereinigung Hockenheim, die in den ersten sieben Spielen 14 Punkte holen konnte. Weil sich eine der Mannschaften während der Saison aus der Liga zurückzog, wird es auch nur einen Absteiger geben. Niclas Huschenbeth und der FC Bayern haben den Klassenerhalt schon geschafft: "Wir werden jetzt einfach die Zeit hier genießen und hoffentlich gutes Schach spielen.", sagt er.

Sendung: rbb UM6, 14.10.2021, 18 Uhr

rbb | Stand: 15.10.2021, 18:35

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