Emma Hinze möchte wieder Spaß haben

Bahnradsportlerin Emma Hinze lehnt sich über Bande (Quelle: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow)

Vor Bahnrad-WM

Emma Hinze möchte wieder Spaß haben

Bahnradsportlerin Emma Hinze ist zurück. Die Dreifach-Weltmeisterin startet am Mittwoch nach einer kurzen Pause bei der WM in Frankreich. Von einer "Mission Titelverteidigung" will sie nicht reden, dafür aber über überzogene Erwartungen an ihre Person. Von Andreas Friebel

Drei Mal WM- Gold. Dieser fantastische Triumph gelang der Cottbusserin Emma Hinze vor knapp anderthalb Jahren in Berlin. Ab Mittwoch bekommt sie nun die Chance, diese drei Titel zu verteidigen. Im französischen Roubaix beginnt dann die diesjährige Weltmeisterschaft. Doch den dreifachen Triumph zu wiederholen, dürfte sehr schwer werden.
 
Mit drei WM-Titeln nach Tokio zu reisen, war ein gewaltiger Druck, der auf den Schultern von Emma Hinze lag. Druck, der ihr nicht gutgetan hat, wie sie verrät. Nach einer kleinen Auszeit und einem Urlaub in Italien, hat sich die 24-Jährige für die Weltmeisterschaft vorgenommen: "Zum Beispiel, dass ich einfach Spaß haben möchte. Und nicht fahre, um irgendwelche Erwartungen zu erfüllen. Denn das ist nicht der Sinn und Zweck, warum ich Sport mache."

Ein Taktiktrainer ist nicht unser Hauptproblem

In ihrem kurzen Urlaub hat die Weltmeisterin auch noch einmal die Olympischen Spiele aufgearbeitet. Silber holt sie dort zusammen mit Lea Sophie Friedrich im Teamsprint. In den Disziplinen Keirin und Sprint gelang Hinze nicht der Sprung auf das Treppchen. Ex-Weltmeisterin Kristina Vogel hatte deshalb noch während der Olympischen Spiele gefordert, dass künftig auch ein spezieller Taktiktrainer zum Stab des Nationalteams gehören sollte. "Ich denke nicht, dass das unser Problem war oder ist. Wir müssen taktisch etwas verbessern, aber das ist nicht unser Hauptproblem", so Hinze.
 
Wo das Hauptproblem liegt, will die Lausitzerin öffentlich nicht ansprechen. Wohl aber Kritik an der Öffentlichkeit und den Medien, für die ihrer Meinung nach geringe Wertschätzung für olympisches Silber. "Hätten die Männer Silber geholt, wäre es riesig gewesen. Und bei uns hieß es nur: Trotzdem herzlichen Glückwunsch. Das verstehe ich nicht."

Titel verteidigen? Das wird nicht einfach.

Doch die junge Cottbusserin will jetzt einen Haken an Tokio machen und sich voll auf die WM konzentrieren. Dafür hat sie sogar die kürzlich stattgefundene Europameisterschaft abgesagt. Seit Samstag ist Hinze nun mit dem Nationalteam in Frankreich. Von einer Mission Titelverteidigung will sie nicht sprechen: "Ich will das nicht so verbissen sehen. Nach dem Motto: Weil ich es ein Mal geschafft habe, muss es immer so laufen. Das ist nämlich nicht so einfach."
 
Denn schon die erste Disziplin, der Teamsprint, hat es in sich. Statt aus zwei, wie bei den Olympischen Spielen in Tokio, besteht ein Team bei der WM aus drei Fahrerinnen. So wie bei den Männern auch. "Ich kann überhaupt nicht einschätzen, wie wir da fahren. Ich habe es zwar bei der EM gesehen, aber da waren ja auch nicht alle am Start. Deswegen wird es spannend."
 
Neben dem Teamsprint geht Emma Hinze in Frankreich auch in den Disziplinen Keirin und Sprint an den Start. "Ich freue mich drauf", sagt die junge Cottbuserin, für die die Weltmeisterschaft eine Art Neustart wird.

Sendung: Inforadio, 19.10.2021, 13:15 Uhr

rbb | Stand: 19.10.2021, 10:18

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