Zweikampf vor dem Eisbären Tor beim Spiel des deutschen Meisters gegen das NHL-Team San Jose Sharks (imago images/osnapix)

Eisbären unterliegen San Jose Sharks Ein Hauch NHL in Berlin

Stand: 04.10.2022 23:04 Uhr

Für Spieler und Fans der Eisbären war das Spiel gegen die San Jose Sharks ein besonderes Erlebnis. Der Eishockey-Abend fühlte sich ein wenig nach NHL an - und der deutsche Meister konnte zeitweise durchaus auch sportlich mithalten.

Die amerikanische Hymne erklang, die US-Flagge strahlte über die Anzeigetafeln und der englischsprachige Hallensprecher heizte dem Publikum ordentlich ein. Es war ein Hauch der großen NHL-Show, der am Dienstagabend durch die Arena am Ostbahnhof wehte. Im Rahmen der Global Series Challenge hatte die US-Eishockey-Liga die San Jose Sharks für ein Freundschaftsspiel zu den Eisbären in die Hauptstadt geschickt. Für das NHL-Team eine wichtige Vorbereitung auf den Saisonstart, für viele Berliner eine einmalige Erfahrung.

Kai Wissmann im Trikot der Boston Bruins. (Quelle: picture alliance/ASSOCIATED PRESS | Michael Dwyer)
Der deutsche Braunbär mit dem berühmten Vorgänger

Zehn Jahre lang war Kai Wissmann in Berlin ein Eisbär. Nun hat der Verteidiger den Schritt nach Nordamerika gewagt und will in Boston ein Braunbär werden. Bei den Bruins kämpft der 25-Jährige um einen Platz im NHL-Kader. Von Heiko Oldörpmehr

Ein deutscher Star fehlte

Der amerikanische Eishockey-Abend begann allerdings mit einem kleinen Wermutstropfen für die knapp über 12.000 Zuschauer. Denn die hatten sich vor allem auf Nico Sturm gefreut. Der gebürtige Augsburger ist einer der erfolgreichsten deutschen NHL-Spieler und gewann in der letzten Saison mit Colorado Avalanche den Stanley-Cup, bevor er nach San Jose wechselte. Kurz vor dem Spiel kam dann die bittere Nachricht, dass er sich verletzt hatte und nicht mit dabei sein konnte.
 
Genug Qualität aus der stärksten Liga der Welt gab es aber trotzdem auf dem Eis zu bewundern. Das Budget der Sharks ist ungefähr zehnmal so hoch wie das der Berliner und die US-Stars machten das Spiel von Beginn an schnell, setzten den deutschen Meister stark unter Druck. Am Freitag starten sie in die NHL-Hauptrunde und nahmen deshalb die letzte Chance zur Vorbereitung gegen die Eisbären durchaus ernst.
 
Die Berliner befinden sich hingegen schon mitten in der Saison. Nach schwachem Start holten sie am vergangenen Sonntag gegen Düsseldorf endlich mal wieder einen Sieg. Bereits am Mittwochabend steht für sie das nächste Pflichtspiel in der Champions League Hockey (CHL) auf dem Programm. Für Trainer Serge Aubin und sein Team ging es gegen San Jose also vor allem um den Spaß, weshalb er auch den Kader mit vielen jungen Spielern auffüllte, um ihnen die Chance auf eine einmalige Erfahrung zu geben.

Furchtlos gegen den mächtigen Gegner

Und die jungen Spieler verkauften sich ziemlich gut. Im ersten Drittel zeigten sich die Eisbären vor allem in der Defensive furchtlos und hielten dem starken Druck der Sharks stand. Im Angriff kamen sie durch Kevin Clark gegen Ende des Durchgangs sogar zu einer der besten Chancen. Selbst als sie im zweiten Abschnitt nach fünf Minuten kurzzeitig durch Zeitstrafen in doppelter Unterzahl waren, hielten sie ihr Tor sauber - auch dank einer überragenden Leistung des 21-jährigen Goalies Tobias Ancicka.

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Die Gäste aus den USA hatten zwar Chance um Chance, scheiterten aber immer wieder im letzten Moment. 7:50 Minuten vor Ende des zweiten Drittels sorgte der deutsche Meister dann für die große Überraschung. Am Ende eines Konters zimmerte der Berliner Giovanni Fiore den Puck zur 1:0-Führung in den Kasten von San Jose und ließ die Arena am Ostbahnhof jubeln.

Sharks drehen das Spiel

Noch vor Beginn des Schlussdurchgangs belohnte sich San Jose dann aber doch noch für den Aufwand und zeigte die ganze individuelle Klasse. Erst erzielte der Tscheche Tomas Hertl nach traumhafter Kombination mit dem Schweizer Timo Meyer den Ausgleich, nur etwa 40 Sekunden später fälschte Eisbär Marcel Noebels einen Schuss von Sharks-Verteidiger Erik Karlsson unglücklich ins eigene Tor zur Führung der Amerikaner ab.
 
In einem unspektakulären letzten Drittel versuchte die junge Mannschaft der Eisbären zwar mit aller Kraft noch einmal den Ausgleich zu erzielen, musste sich aber letztlich den US-Stars geschlagen geben. Die bauten ihre Führung in Unterzahl durch den Amerikaner Luke Kunin acht Minuten vor Ende noch auf 3:1 aus. Der Schlusspunkt eines NHL-Abends in Berlin, bei dem der deutsche Meister sich gut verkaufte und das Publikum zeitweise zauberhafte Spielzüge der Sharks zu sehen bekam. Die Show drumherum war dann aber doch etwas größer als die auf dem Eis.

Sendung: rbb24, 04.10.2022, 21.45 Uhr