Zwei Spieler der Potsdam Royals in der Offense (Bild: IMAGO/Beautiful Sports)

Sieben Siege aus sieben Spielen Die Potsdam Royals und ihr Weg zum Titelaspiranten in der German Football League

Stand: 12.08.2022 18:33 Uhr

Mit einer makellosen Bilanz haben die Potsdam Royals die Playoff-Teilnahme in der German Football League bereits sicher. Trotz struktureller Nachteile sowie einem Spielermangel in Berlin und Brandenburg sind sie zum Titelfavoriten gereift. Von Jakob Lobach

Für einen Moment herrscht Uneinigkeit zwischen Michael Vogt und Jens-Torsten Müller von den Potsdam Royals. Auslöser war die Frage, ob das Derby der Potsdamer Footballer gegen die Berlin Adler am kommenden Samstag (16 Uhr, Stadion Luftschiffhafen) denn ein besonderes für das Duo sei. Kaum, dass Präsident Müller prompt mit Kopfnicken und einem "Ja" geantwortet hat, widerspricht Trainer Vogt. Natürlich seien Derbys für die Fans der Mannschaft etwas Schönes, für ihn aber zähle allein der Blick auf das Sportliche.

Spielszene aus dem GFL-Spiel Potsdam Royals gegen Berlin Rebels aus dem Jahr 2018. (Bild: IMAGO / Matthias Koch)
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In der Favoritenrolle

Wirft man einmal einen solchen Blick auf die sportliche Gemengelange der Potsdam Royals in der German Football League (GFL), fällt schnell auf: Die Mannschaft ist nicht nur am Samstag gegen die Berlin Adler der Favorit, sondern auch einer der aussichtsreichsten Anwärter auf den German Bowl, den Titel in der GFL. Sieben Siege haben die Potsdamer aus bis dato sieben Saisonspielen geholt. Sie trotzen dabei nicht nur den strukturellen Vorteilen der Konkurrenz, sondern auch einem Mangel an einheimischen Footballspielern in der Region Berlin-Brandenburg.
 
Um zu verstehen, wieso die aktuelle Bilanz der Potsdam Royals vielleicht noch etwas außergewöhnlicher ist als sie es bei anderen Klubs der GFL wäre, braucht es ein Verständnis von der Geschichte des Vereins. "Wir leben Football, aber wir sind immer noch sehr jung", sagt Präsident Müller. Nachdem der einstige Trägerverein der Royals die Footballsparte wenige Jahre zuvor aufgelöste hatte, starteten die Royals erst im Jahr 2012 einen Neuanfang in der Landesliga Ost. Es folgten Aufstiege in die Regionalliga, die GFL2 und 2017 schließlich in die erste Liga.
 
Fünf Jahre später ist man nun unbestreitbar eines der Top-Teams in der GFL. Fragt man nach den Gründen für diese Entwicklung, sind sich auch Michael Vogt und Jens-Torsten Müller wieder einig. "Wir haben hier von Anfang an ein gutes Wir-Gefühl entwickeln können", erklärt Trainer Vogt und Präsident Müller ergänzt: "Hier herrscht ein riesiger Enthusiasmus. Wir haben sehr gute Trainer und ein kompetentes Team hinter dem Team." Es ist also eine Mischung aus verschiedenen Faktoren, die in Summe den aktuellen Erfolg der Royals ergeben.

Investitionen in die Struktur

Investiert haben die Potsdam Royals dabei zuletzt nicht nur in fähige Spieler, sondern allen voran auch in strukturellen Fortschritt. Neue helfende Hände, eine besser ausgestattete Geschäftsstelle – die Royals haben aufgerüstet. Wobei laut Präsident Müller "nachgerüstet" vielleicht das bessere Wort wäre: "Andere Mannschaften, die seit 30 Jahren in der GFL spielen, haben immer noch ganz andere Strukturen als wir." Mit anderen Worten: mehr Trainer, mehr Mitarbeiter, mehr Erfahrung und vor allem mehr Geld.

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So hat man in Potsdam zwar auch finanziell nachgelegt, ist in Sachen Budget und Gehältern von Sportarten wie Fußball, Basketball oder auch Volleyball allerdings nach wie vor weit entfernt. Diejenigen, die sich rund um die Royals engagieren, tun dies in der Regel aus Leidenschaft nebenbei. Selbst aus dem Ausland verpflichtete Profis bekommen zwar eine Wohnung gestellt, aber zum Monatsende nur wenig Geld aufs Konto überwiesen. "Das ist etwas mehr als eine Aufwandsentschädigung", erklärt ihr Trainer, "aber kein Vergleich zu einer normalen Bezahlung oder der in anderen Sportarten." Präsident Müller ergänzt nicht ohne Stolz: "Bislang gab es immer ein bis drei Teams, die mit großen Budgets die Liga auch spielerisch dominiert haben. Bei uns geht das jetzt auch mit einem kleinen Budget – und viel Arbeit."
 
Acht bis elf Trainingseinheiten absolvieren die Royals pro Woche – eine Mischung aus Teamtraining, Einheiten im Kraftraum und Taktikanalysen. Für einige Potsdamer sei Football ein intensives Hobby, sagt Müller, "aber es gibt auch einen wachsenden harten Kern, der das sehr, sehr professionell angeht." Dass ein Spieler am Freitagabend vor einer Partie noch ein paar Bierchen trinken geht, komme definitiv nicht vor, sagt Müller. Vielleicht verzichten die Footballer in Berlin und Brandenburg auch deshalb gerne auf Ausflüge in Bars und Clubs, weil sie wissen, dass sie gebraucht werden.

Konkurrenzkampf auf dem Spielermarkt

Spätestens, seitdem 2021 zusätzlich zur GFL die European League of Football (ELF) an den Start ging, herrscht ein noch regerer Konkurrenzkampf auf dem regionalen Spielermarkt. Die Royals, Adler und Berlin Rebels in der GFL, dazu die Berlin Thunder in der ELF: Sie alle brauchen gute Spieler, um ihre jeweils dutzende Spieler umfassenden Kader zu füllen. "Wir haben in unserer Region vielleicht 80 lokale Footballspieler, die auf hohem Niveau Bundesliga spielen können. Wenn jetzt aus drei Mannschaften vier werden, dann bringt das natürlich Druck mit sich", sagt Müller und Vogt fasst zusammen: "Es stehen weniger Spieler für viel zu viele Mannschaften zur Verfügung."

Es stehen weniger Spieler für viel zu viele Mannschaften zur Verfügung.

Die bis dato makellose Bilanz der Potsdam Royals ist ein deutliches Zeugnis dafür, dass diese dennoch einen Weg gefunden haben, erfolgreich zu sein. Ein Faktor auf diesem Weg: Rund 15 Spieler, die den Sprung aus der eigenen Jugend in die Bundesliga geschafft haben. Am Wochenende sollen auch sie ihren Teil dazu beitragen, dass sich die Royals mit einem Sieg den Heimvorteil für die Playoffs sichern. Zufrieden geben würde man sich in Potsdam mit diesem allerdings keinesfalls: "Wenn man aus sieben Spielen sieben Siege holt, dann muss man nicht rumeiern", sagt Trainer Vogt. "Das Ziel ist klar: Wir wollen dieses Jahr den German Bowl gewinnen."