Hertha-Trainer Sandro Schwarz (imago images/Metodi Popow)

Hertha vor dem Spiel in Bochum Der Winter ist das Tor zum Frühling

Stand: 19.01.2023 18:29 Uhr

Am Samstag geht es wieder los: Hertha BSC startet die Aufholjagd 2023 beim Auswärtsspiel in Bochum. Das erste von 19 Spielen, um endlich aus der Abstiegsregion rauszukommen. Von Astrid Kretschmer

Das Thema der Woche

Nach der extrem langen Winterpause aufgrund der WM in Katar steht für Hertha bei einem direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt gleich eine Menge auf dem Spiel. Am Samstag in Bochum wird sich zeigen, wie viel die Vorbereitung, die anders als im Sommer besser verlief, wert ist. Speziell die Arbeit seiner Profis im Trainingslager in den USA sieht Hertha-Trainer Sandro Schwarz sehr positiv. Man darf gespannt sein, ob es Hertha gelingt, diese guten Eindrücke der letzten Wochen zu bestätigen.

Herthas Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt (imago images/Metodi Popow)
Maximilian Mittelstädt verlängert bis 2027 bei Hertha BSC

mehr

Hertha steht mit 14 Zählern auf Rang 15 der Tabelle, die Bochumer sind mit nur einem Punkt weniger Vorletzter. Die Gefahr, gleich nach Wiederbeginn des Ligabetriebs auf einen Abstiegsplatz zu rutschen, ist bei einer Niederlage groß. Man sei sich der Tabellensituation bewusst, sagt Trainer Sandro Schwarz auf der Spieltags-Pressekonferenz, aber: "Es ist erst der 16. Spieltag. Es ist ein wichtiges Spiel, aber kein Entscheidungsspiel", so der 44-Jährige.
 
Dabei muss Hertha im Ruhrstadion nicht nur auf den verletzten Chidera Ejuke und Neuzugang Florian Niederlechner verzichten, sondern auch ohne Topscorer Dodi Lukebakio (7 Tore/2 Assists) auskommen. "Dann müssen andere einspringen", sagt Fredi Bobic, Herthas Geschäftsführer Sport. Ein Schwerpunkt in der Vorbereitung war die Offensive – mehr Klarheit, mehr Torgefährlichkeit, auf mehr Schultern verteilt. Die Offensivabteilung sei im vergangenen halben Jahr zusammengewachsen, glaubt Bobic. Auch hier ist die ansteigende Form in der Liga zu beweisen. In einem Spiel, in dem nichts entschieden wird, die Weichen für den Rest der Saison aber sportlich und atmosphärisch gestellt werden sollen.

Der Gegner

Der VfL Bochum hatte nach acht Spieltagen erst einen Punkt und startete mit Thomas Letsch eine Aufholjagd. Unter dem neuen Coach holte Bochum dann in sieben Spielen stattliche zwölf Zähler. Mit einem Sieg gegen Hertha würde der VfL die Berliner überholen. Das dürfte für die Bochumer eine riesige Motivation sein. "Hertha hat mehr zu verlieren, weil sie auf dem Papier die bessere Mannschaft haben", betont VfL-Angreifer Philipp Hofmann. Auch Fredi Bobic lobt den Gegner: "Der VfL hat zu seiner Stärke zurückgefunden. Er arbeitet sehr geschlossen, sehr hart und punktet mit einfachen Mitteln. Er lebt von seiner mannschaftlichen Geschlossenheit und vom Kampf."

Hertha-Spieler jubeln nach Tor im Olympiastadion (Quelle: IMAGO / Nordphoto)
Diese Dinge werden für Hertha BSC in der zweiten Saisonhälfte wichtig

Hertha BSC startet am Samstag mit dem Spiel gegen den VfL Bochum wieder in die Bundesliga-Saison. Fünf Bereiche, in den sich die Berliner verbessern müssen, um aus der Abstiegszone herauszukommen. Von Marc Schwitzkymehr

Zudem sind sie wieder zu Hause stark. Der VfL gewann unter Thomas Letsch alle drei Heimspiele: gegen den formstarken Champions-League-Achtelfinalisten Frankfurt (3:0), gegen den damaligen Tabellenführer Union Berlin sowie zuletzt gegen die ambitionierten Mönchengladbacher (jeweils 2:1). Auch Fredi Bobic weiß, dass es extrem unangenehm ist, in Bochum zu spielen. Das Stadion sei "ein kleiner Kessel mit einer Superatmosphäre: schön klein, kompakt, auch ein bisschen giftig."

Nur ein VfL-Sieg in 20 Jahren

Eine Statistik zum an die Wand nageln. Hertha BSC verlor in den vergangen 20 Jahren nur ein einziges von 19 Pflichtspielen gegen den VfL (10 Siege, 8 Remis): im August 2009 in der Bundesliga in Bochum mit 0:1. Vergangene Saison gewannen die Berliner im Ruhrstadion mit 3:1; es war (am 4. Spieltag) ihr erster Saisonsieg. In Berlin holte der VfL ein wichtiges 1:1 (Tore: Befoldil - Polter).

Die erwartete Aufstellung

Auf vielen Positionen stellt sich die Mannschaft von Hertha BSC fast von allein auf. Auf den anderen offenen Positionen haben sich die Dinge inzwischen weitgehend geklärt: Hinten links wird wohl Maximilian Mittelstädt anfangen – und das nicht nur, weil er in dieser Woche seinen auslaufenden Vertrag bis 2027 verlängert hat. "Maxi hat grundsätzlich eine sehr gute Vorbereitung absolviert", sagt Trainer Sandro Schwarz. An der bisherigen Nummer eins als Linksverteidiger, an Marvin Plattenhardt, ist Mittelstädt erst einmal vorbeigezogen.

Vor Mittelstädt dürfte der junge Derry Sherhant den verletzten Chidera Ejuke ersetzen. Marco Richter, der dort vor der Winterpause gespielt hat, wird durch die Gelbsperre von Dodi Lukebakio auf dem rechten Flügel benötigt.
 
In der Offensive steht der unter der Woche verpflichtete Florian Niederlechner wegen muskulärer Probleme noch nicht zur Verfügung. Schwarz hat im Trainingslager angedeutet, dass er künftig häufiger im 4-2-3-1-System spielen könnte. Für die Rolle als Zehner oder hängende Spitze hinter Mittelstürmer Wilfried Kanga käme neben Niederlechner vor allem Stevan Jovetic in Frage. Neben Lucas Tousart dürfte Jean-Paul Boetius im defensiven Mittelfeld auflaufen.
 
So könnte Hertha beginnen: Christensen - Kenny, Rogel, Kempf, Mittelstädt - Tousart, Boetius - Richter, Jovetic, Scherhant - Kanga

Die Prognose

Die Mannschaften liegen mit einem Abstand von nur einem Punkt auf Schlagdistanz zueinander. Die Vorzeichen sprechen für ein ausgeglichenes Spiel.
 
Der rbb|24-Tipp: 2:2

Sendung: rbb24, 19.01.2023, 18 Uhr