Wahl am 26. Juni Das sind die (bisherigen) Kandidaten fürs Amt des Hertha-Präsidenten

Stand: 14.06.2022 20:06 Uhr

Die Aufgaben des nächsten Hertha-Präsidenten sind nach den Krisenjahren besonders kompliziert. Für die Präsidiumswahl am 26. Juni haben sich trotzdem mehrere Anwärter in Stellung gebracht. Sie legen unterschiedliche Schwerpunkte.

Rund um die Neubesetzung des vakanten Präsidenten-Posten beim zuletzt kriselnden Fußball-Bundesligisten Hertha BSC war es lange ruhig geblieben. Das Amt des Präsidenten ist seit dem Rücktritt von Werner Gegenbauer am 24. Mai vakant.
 
Nun wagen sich die neuen Anwärter aus der Deckung: Fünf Bewerber haben mittlerweile verkündet, bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. Juni fürs Amt des neuen Präsidenten kandidieren zu wollen. Seit Montag prüft Herthas Aufsichtsrat die Kandidaten. Auf wen dürfen sich die Mitglieder einstellen?

Ingmar Pering grüßt vom Dampfer (Quelle: IMAGO / Matthias Koch)
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Steffel will mit Hertha international vertreten sein

Für Überraschung sorgte die Kandidatur von Frank Steffel. Der 56-Jährige ist seit 2005 Präsident des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, begleitete den Klub auf dessen Weg in die Handball-Elite. Herthas Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Brüggemann hatte ihn für das Amt des Präsidenten vorgeschlagen.
 
"Es ist eine fantastische Aufgabe", sagte Steffel dem rbb - und machte seine Ambitionen deutlich: Er wolle mit Hertha "internationalen Sport in die Hauptstadt holen", wie es anderen Berliner Klubs im Handball, Volleyball, Basketball und Eishockey bereits gelungen sei. "Das ist mein persönlicher Anspruch", sagte Steffel. Voraussetzung dafür sei, dass alle Beteiligten bereit sind, gemeinsam einen "Neuanfang zu wagen". Er warb für neue Einigkeit: "Ich glaube, wenn man das schafft, einen Team-Spirit gemeinsam mit den Mitgliedern hinzubekommen, dann hat Hertha BSC phantastisch Möglichkeiten".
 
Allerdings musste Steffel bereits im unmittelbaren Nachgang der Bekanntgabe seiner Kandidatur vielfach Kritik aus Hertha-Fankreisen einstecken. Der Grund: Im Netz kursieren Aufzeichnungen einer Rede des ehemaligen Bundestagsabgeordneten (2009-2021, CDU), in denen er den Ultras vorwarf, diese gefährdeten in den Stadien "friedliebende Fans und sportbegeisterte Familien".

Am Dienstag versuchte der gebürtige Berliner zu beschwichtigen: "Ich habe 2017 bei meiner Rede über Gewalt in den Fußballstadien wohl zu wenig differenziert", sagte Steffel der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin natürlich gerne bereit, dazuzulernen und biete den Ultras jedes Gespräch und meine Zusammenarbeit an."

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Pering weist Verantwortung für Misere zurück

Im Gegensatz zu Steffel, der als Kandidat von außen ins Rennen geht, ist Ingmar Pering seit rund 20 Jahren auf unterschiedlichen Posten ein Bestandteil der Klubspitze, seit 2007 als Mitglied des Präsidiums.
 
Die Frage stellt sich, inwieweit Pering deshalb mitverantwortlich ist an der sportlichen wie wirtschaftlichen Misere der vergangenen Jahre. Dem rbb entgegnete er: "Dass ich viel Mitverantwortung habe, würde ich bestreiten. Ich habe auch bei vielen der letzten kritischen Transfer-Entscheidungen nicht zugestimmt, weil ich diese Entscheidungen für wirkliche Fehler halte."
 
Man habe zu teure Transfers vorgenommen, insbesondere 2020, im letzten Jahr von Michael Preetz als Herthas Manager. Dessen Einkäufe "belasten uns ja noch heute", sagte Pering. Als Beispiel nannte er die Verpflichtung von Lucas Tousart, der 2020 für 25 Millionen Euro aus Lyon gekommen war, aber die meiste Zeit nicht gezeigt habe, "was er theoretisch könnte".

"Sparen, sparen, sparen"

Zu den wichtigsten Aufgaben gehöre beim Verein eine sinnvollere Finanzpolitik: "Da wird sparen, sparen, sparen ganz oben stehen", stellte Pering klar. Millionen-Investor Lars Windhorst, der zu Jahresbeginn immer wieder die Klubführung öffentlich kritisierte, wolle er die Hand reichen. Windhorst verdiene es, "ordentlich behandelt zu werden".

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Der Unternehmer und Ex-Ultra Kay Bernstein gab seine Kandidatur bereits im Frühjahr bekannt. Der einstige Vorsänger in der Kurve ist in der Fan-Szene gut vernetzt und beliebt. Bernstein steht für eine erneuerte Kommunikation mit den Mitgliedern, die sich zuletzt zunehmend entfremdet fühlten vom Profifußball-Klub, der zwar immer mehr Geld ausgab für seinen Kader, dessen Spieler aber oft schlaffe Auftritte präsentierten.
 
Veränderungsbedarf beim Verein sehe in vielerlei Hinsicht, wie Bernstein im Mai dem rbb sagte: "in der Kultur, im Umgang, im Auftreten, in der Kommunikation vor allen Dingen."
 
Lediglich als Außenseiter bei der Wahl am 26. Juni gelten Michael Baumgärtner und Marvin Brumme.

Sendung: rbb24 Inforadio, 14.06.2022, 15:15 Uhr