"Bowling muss olympisch werden"

Die Bowling-Weltmeisterin Janin Ribguth aus Brandenburg an der Havel(Bild:privat)

Interview | Brandenburger Weltmeisterin Janin Ribguth

"Bowling muss olympisch werden"

Bei der Bowling-WM in Dubai holte die Brandenburgerin Janin Ribguth sensationell Gold im Damen-Doppel. Doch in Deutschland wird Bowling nur mit Bier und Freunde treffen assoziiert und selten als Leistungssport gesehen.

Janin Ribguth aus Brandenburg an der Havel kann ihren Erfolg bei der Bowling-Weltmeisterschaft in Dubai auch fast zwei Wochen danach kaum fassen. Mit ihrer Partnerin Martina Schütz aus Ingelheim (Rheinland-Pfalz) hatte die langjährige Profisportlerin die Goldmedaille im Damen-Doppel gewonnen.
 
Mit welcher Taktik der Brandenburgerin das gelang, wie wichtig der Bundesstützpunkt in Premnitz an der Havel ist und was die Faszination Bowling ausmacht, erzählt die 33-Jährige im rbb|24-Interview.
 
rbb|24: Frau Ribguth, herzlichen Glückwunsch zum Titel. Was bedeutet der Gewinn der Weltmeisterschaft im Damen-Doppel für Sie?
 
Janin Ribguth: Ich fange jetzt erst an zu realisieren, was da passiert ist. Wir waren selber völlig überrascht davon, für Deutschland die erste Goldmedaille seit 16 Jahren in dieser Altersklasse zu gewinnen.

Inwiefern ist Ihr WM-Titel auch eine Anerkennung für die deutsche Randsportart Bowling?
 
Eine große, denn ich finde es sehr schade, dass wir in Deutschland nur eine Randsportart sind. In den USA oder Asien gilt Bowling als Profisport, dort leben die Leute vom Bowling. Die fahren von Turnier zu Turnier und können sich ihr Leben von den gewonnenen Preisgeldern finanzieren. Und gegen solche Profis sind wir angetreten.
 
Was war Ihre Taktik, mit der Sie bis zum Titel kamen?
 
Wir hatten einfach nichts zu verlieren, die Profinationen standen unter Druck. Im Viertelfinale haben wir sensationell die USA geschlagen und unsere Taktik war, immer einen Wurf schneller zu sein, als unsere Gegnerinnen. Wir haben uns einfach immer beeilt, sodass der Druck auf der anderen Seite immer weiter angestiegen ist. Die Duelle werden ja alle zeitgleich ausgetragen. Das hat dann ganz gut funktioniert(lacht).

Glückliche WM-Gewinnerinnen im Bowling Damen-Doppel: Die Brandenburgerin Janin Ribguth und Martina Schütz(Bild: privat)

Wie trainieren Sie genau diese Stresssituationen, um dann trotzdem präzise und konstant die Pins mit den Bällen abzuräumen?
 
Da hilft viel Erfahrung. Wir spielen privat viele Turniere oder suchen uns Trainingspartner und spielen um etwas: eine Cola oder ein anderes Getränk. Man braucht diese 1:1-Situation.
 
Was fasziniert Sie so am Bowlingsport? Sie spielen schon seit 24 Jahren aktiv im Verein und trainieren zwei bis dreimal die Woche...
 
Bowling vereint viele Dinge miteinander: Kondition, Präzision und Taktik. Und es gibt keine Altersbegrenzung. Man kann sehr früh als Kind anfangen und bis ins hohe Alter aktiv bleiben.

Eine halbe Autostunde von Brandenburg an der Havel entfernt, befindet sich der Bundesstützpunkt in Premnitz - ein Vorteil für Brandenburger Profi-Bowlerinnen?
 
Auf jeden Fall. Angefangen habe ich in Brandenburg an der Havel mit vielen Talenten in der Jugend. Montags sind wir immer nach Premnitz zusammen mit dem Bundestrainer Peter Lorenz gefahren. Vor elf Jahren wechselte ich zum VfL Wolfsburg, um Bundesliga spielen zu können. Ich fahre aber trotzdem alle zwei Wochen nach Premnitz, um dort die Hausliga abends zu spielen.
 
Was fehlt, dass Bowling in Deutschland mehr Anerkennung findet?
 
Wir müssen olympisch werden. Bowling gehört hierzulande nicht mit zur Deutschen Sporthilfe. Wir bekommen daher also keine Förderung. Wären wir olympisch, dann würden wir ganz andere Förderungen bekommen.

Was müsste passieren, dass Bowling olympisch werden kann?
 
Wir müssen das Kneipen-Image loswerden. Wenn die Leute Bowling als anspruchsvollen Sport begreifen, zu dem man nicht geht, um Bier zu trinken und Freunde zu treffen, sondern damit etwas erreicht, dann sind wir einen ganzen Schritt weiter.
 
Vielen Dank für das Gespräch.
 
Das Gespräch führte Friedrich Rößler aus der Sport-Redaktion.

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rbb | Stand: 01.12.2021, 22:10

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