Junge Fußballer auf dem Bolzplatz

"Straßen Cup 2022" Berlins ehrlichstes Fußballturnier

Stand: 28.06.2022 19:21 Uhr

Zum zweiten Mal findet die Fußballturnier-Reihe "Berliner Straßen Cups" statt. Dabei treten junge Kicker auf Bolzplätzen gegeneinander an, wobei auch das Fairplay spielentscheidend ist.

Das Fußballspielen in Käfigen gehört quasi zur Hauptstadt-DNA. Eine Kulturleistung, auf die Berlin besonders stolz ist. Zocken hinter Gittern, auf Beton. Auch die Karriere von Hertha-Identifikationsfigur Kevin-Prince Boateng hat der Käfig in die Bahnen gelenkt, wie er sagt. Dazu später mehr.
 
André Ruschkowski kennt den Stellenwert des rustikalen Fußball-Biotops, veranstaltet deswegen gemeinsam mit dem Fußballklub Hertha BSC, der Fan-Initiative "1892hilft!" sowie der Axel-Kruse-Jugend Käfigturniere für Kinder und junge Teenies.

Wie Union-Fans in diesem Winter "Little Homes" für Obdachlose bauen

Mit mobilen Wohnboxen wollen Fans von Union Berlin in diesem Winter Obdachlosen in der Hauptstadt helfen. Am Sonntag trafen sich rund 50 Anhänger der Eisernen, um gemeinsam drei der sogenannten "Little Homes" zu errichten.mehr

"Die Power, die auf dem Bolzplatz herrscht"

Ruschkowski zufolge waren solche Turniere längst überfällig. Die Käfig-Kicker bildeten eine Subkultur, die von der Werbeindustrie zwar schon lange entdeckt worden sei, aber "nicht wirklich wahrgenommen wird seitens der Sozialarbeit und Politik", sagte er rbb|24.
 
Die Gründung eines organisierten Käfigturniers für Heranwachsende lag für den im Märkischen Viertel aufgewachsenen Sozialarbeiter auf der Hand: "Ich liebe diese Art von Fußball, den engen schnellen Fußball, den Zweikampf, die Power, die auf dem Bolzplatz für ein paar Minuten herrscht – bis direkt die nächsten dran sind."
 
In Neukölln und Moabit haben die Turniere in diesem Frühjahr bereits stattgefunden, mit neun beziehungsweise zehn teilnehmenden Teams aus den angrenzenden Stadtteilen. Für die Kiezkicker aus dem Berliner Westen findet das nächste Turnier am 2. Juli statt, auf dem Platz in der Jugendfreizeiteinrichtung Wichura, wo sich die Teams aus den Bezirken Steglitz-Zehlendorf, Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf miteinander messen können. Das vierte Turnier wird im August im Osten ausgetragen für Teams aus den Bezirken Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg. Der genaue Termin und Spielort steht noch nicht fest.

Kay Bernstein nach der Wahl zum Präsidenten (imago images/Matthias Koch)
Aus der Kurve in die Chefetage

Kay Bernstein ist neuer Präsident von Hertha BSC. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung setzte er sich gegen den CDU-Politiker Frank Steffel durch. Der ehemalige Ultra Bernstein fordert nichts Geringeres als einen Kulturwandel. Von Till Oppermannmehr

Gesten der Fairness geben Punkte

Die besondere Stoßrichtung der Wettkämpfe: das Fairplay. Voraussetzung für die Teilnahme ist der Besuch eines Workshops. Der wird im Vorfeld der Cups im Hertha-Presseraum abgehalten. "Wir sprechen dort über mögliche Gewaltstrudel, die anfangen mit Wortgefechten und teilweise in körperliche Übergriffe übergehen können", sagt Ruschkowski. Gemeinsam würden Strategien erarbeitet, wie man solche Dynamiken beenden kann.
 
Die Ergebnisse sollen bei den Straßen-Cups in die Tat umgesetzt werden, mittels einer Fairplay-Liste, die jedes Team ausgehändigt bekommt. Dort können Gesten der Fairness abgehakt werden, wie der Handshake mit dem Gegner vor und nach dem Spiel.
 
Tickets für das Finalturnier im Olympiapark sichern sich deshalb auch nicht nur die jeweils erfolgreichsten drei Teams pro Turnier – sondern auch die drei fairsten Mannschaften. "Wir arbeiten dabei ohne Schiedsrichter", betont Ruschkowski. "Die Mannschaften organisieren sich selbst – auf dem Bolzplatz gibt es ja auch keine Schiedsrichter." Dennoch stehen den Kindern im Turnierverlauf Erwachsene zur Seite, die bei Bedarf beraten oder eingreifen können, so Ruschkowski: "Erst wenn die Kinder das Recht des Stärkeren proklamieren, dann werden wir tätig als Sozialarbeiter."

Kevin-Prince Boateng
Kevin-Prince Boateng kündigt Karriereende an

mehr

Boateng: "Käfig war alles"

Den wohl berühmtesten Botschafter Berlins findet der Käfigfußball in Kevin-Prince Boateng. Im Hertha-Trainingslager in Kienbaum (Oder-Spree) auf den Straßen-Cup angesprochen sagt er: "Käfig war für mich alles. Alles, was ich heute kann, was ich heute darüber weiß, wie man sich durchsetzen muss, das habe ich da gelernt." Schon im Alter von etwa 13 Jahren habe sich der in Berlin-Wedding aufgewachsene Boateng gegen Erwachsene behaupten müssen - und wurde von diesen auch mal "gegen die Bande gedrückt", erzählt er.

 
Aktionen, die die jungen Teilnehmer beim Straßen-Cup nicht fürchten müssen, die Altersgrenze liegt bei eben 13 Jahren.

Für die anstehenden beide Turniere sind noch Anmeldeplätze verfügbar [herthabsc.com].

Sendung: rbb24 Inforadio, 28.06.2022, 17:15 Uhr