Torsten Gütschow steht als Trainer von Budissa Bautzen gestikulierend an der Seitenlinie.

buten un binnen "Mit Leidenschaft und Herz": Gütschow neuer Trainer des Bremer SV

Stand: 14.06.2022 09:13 Uhr

Für das Abenteuer Regionalliga hat der BSV mit Torsten Gütschow eine Legende des DDR-Fußballs verpflichtet. Der 59-Jährige hat sich bewusst für die Bremer entschieden.

Für das Abenteuer Regionalliga hat der BSV mit Torsten Gütschow eine Legende des DDR-Fußballs verpflichtet. Der 59-Jährige hat sich bewusst für die Bremer entschieden.

Torsten Gütschow fand direkt die richtigen Worte, als er am Montagabend in der Vereinsgaststätte des Bremer SV als neuer Trainer vorgestellt wurde. "Von mir aus könnte es morgen losgehen."

Doch der 59-Jährige, der als Spieler mit Dynamo Dresden zwei Mal DDR-Meister und vier Mal Pokalsieger wurde, Nationalspieler und Torschützenkönig war, muss seinen Tatendrang noch ein bisschen zügeln. Erst am 22. Juni ist Trainingsauftakt am Panzenberg in Bremen-Walle. Doch dann will Gütschow richtig loslegen.

"Ich möchte Fußball mit Leidenschaft und Herz zeigen. Wenn die Zuschauer das Stadion verlassen, sollen sie sehen, dass die Mannschaft alles gegeben hat. Das will ich erreichen." (BSV-Trainer Torsten Gütschow am Montag)

"Habe von Meyer, Geyer und Schafstall gelernt"

Der DDR-Spieler des Jahres 1991 Torsten Gütschow steht neben dem BRD-Spieler des Jahres Stefan Kuntz.

1991 wurde Torsten Gütschow (rechts) zum DDR-Spieler des Jahres gekürt, Stefan Kuntz wurde BRD-Spieler des Jahres.

Das passt zu einem Verein, dessen Motto lautet: "Echter Fußball ohne Schickimicki." Der Bremer SV hat sich für das Abenteuer Regionalliga mit Gütschow eine echte Legende des DDR-Fußballs als Nachfolger von Benjamin Eta geangelt. Und der machte auch keinen Hehl daraus, welche Art Trainer seine Spieler erwarten dürfen. "Ich habe von Hans Meyer, Eduard Geyer und Rolf Schafstall gelernt, wie man gegen Mannschaften gewinnt, die qualitativ besser sind."

Kapitän Sebastian Kmiec, der bei der Vorstellung seines neuen Trainers dabei war, zog augenzwinkernd die richtigen Schlüsse: "Ich glaube, ich gehe gleich noch laufen." Ein guter Plan, denn Gütschow betonte mehrmals an diesem Abend, dass er seine Mannschaft "richtig fit" bekommen möchte. Bei den paar Malen, als er dem BSV bereits zugeschaut habe, konnte der neue Coach einige Spieler entdecken, denen ab der 70. Minute die Luft ausging. Das wird es unter Gütschow nicht mehr geben.

"Zu 100 Prozent vom Bremer SV überzeugt"

Ex-Dynamo-Trainer Torsten Gütschow schaut ein Spiel auf der Tribüne.

Torsten Gütschow war unter anderem DDR-Nationalspieler und -Torschützenkönig.

Gütschow ist überzeugt vom Bremer SV, das betonte er gleich, denn er wäre auch zum kleinen Bremer Klub gekommen, wenn dieser den Aufstieg nicht geschafft und in der Bremen-Liga geblieben wäre. Gütschow hatte in der Saison 2003/2004 den FC Oberneuland trainiert, er kennt Bremen gut. Er wohnt in Zeven auf halber Strecke nach Hamburg und scherzte trocken: "Ich musste dringend wieder etwas tun. Mit meiner Frau lief es auch nicht mehr so. Ich habe nur noch Hecken geschnitten."

Beim Bremer SV kann sich Gütschow nun sportlich wieder austoben, zuletzt trainierte er bis Anfang 2019 den Regionalligisten Budissa Bautzen. "Ich bin zu 100 Prozent vom Bremer SV überzeugt", sagte er. Ein paar Verstärkungen mit Regionalliga-Erfahrung will er in der Mannschaft noch integrieren, die Mannschaft steht im Großen und Ganzen. Denn das Ziel ist klar: "Wir wollen die Klasse halten."

Laufen, schwitzen, schuften

Und dafür müssen seine Spieler aber vor allem eines verinnerlichen: "Wir spielen jetzt nicht mehr in der Bremen-Liga. In der neuen Saison können wir viele Spiele über den Kampf gewinnen – aber dafür müssen wir kämpfen."

Sebastian Kmiec hatte wohl den richtigen Instinkt: Laufen, schwitzen, schuften dürfte in diesem Sommer angesagt sein. Und das nicht zu knapp. "Die nächsten Wochen werden richtig anstrengend. Das Wort Fitness fiel sehr oft." Eine echte Herausforderung für die Hobby-Kicker, die alle einem Beruf nachgehen. Doch sie sind bereit, sich zu schinden. Denn es winkt nicht nur die lang ersehnte Saison in der Regionalliga, sondern Anfang August erst einmal das Pokal-Highlight gegen Schalke 04. "Das ist doch für jeden Spieler ein Traum", freut sich auch Gütschow.

"Wir brauchen Blut, Schweiß und Tränen" – BSV-Kapitän Kmiec ist heiß