buten un binnen Kommt der Werder-Weckruf zur rechten Zeit?

Stand: 22.01.2023 22:22 Uhr

Das 1:7 in Köln hat die Bremer geschockt. Fühlten sie sich mit 21 Punkten schon zu sicher? Trainer Ole Werner hofft, dass nun alle den Ernst der Lage kapiert haben.

Von Petra Philippsen

Davon, dass FC-Trainer Steffen Baumgart irgendwann doch wieder in kurzen Ärmeln am Spielfeldrand gestikulierte, durfte man sich nicht beirren lassen. Es war am Samstagabend frostig im Kölner Stadion und Werder Bremen wurde dort eiskalt erwischt.

Der Schock des blamablen und indiskutablen Auftritts der Grün-Weißen kam wie ein gewaltiger Knall daher und traf die Beteiligten bis tief ins Mark. Technischer K.o. nach nur 30 Minuten, da war die Partie mit 0:4 schon für die Bremer gelaufen. Am Ende wurde es ein 1:7 – ein Spiel wie eine Bankrotterklärung.

Ich hoffe, dass das zwar ein brutaler, aber ein rechtzeitiger Warnschuss war. Und dass wir es gegen Union und Wolfsburg besser machen können." (Werders Geschäftsführer Sport Frank Baumann im "Kicker")

"Haben uns ein Stück weit zu sicher gefühlt"

Einen Warnschuss nannte es Sportchef Frank Baumann, Marco Friedl einen Weckruf. Denn der Bremer Kapitän hatte den Eindruck, einige hätten im Spiel mental wohl noch im Trainingslager geweilt. Unter der spanischen Sonne war noch alles gut gewesen, zu gut wohlmöglich.

"Vielleicht haben wir uns auch aus der Vorbereitung heraus ein Stück weit zu sicher gefühlt", vermutete Werders Sportlicher Leiter Clemens Fritz im Sportblitz-Interview. Zu sicher nach 21 Punkten aus den ersten 15 Spielen. Zu sicher nach teils furiosen Auftritten.

"Müssen immer an unsere Leistungsgrenze gehen"

"Spiele wie gegen Gladbach und Dortmund sind aber nicht die Norm", betonte Fritz weiter: "Wir sind Aufsteiger und müssen in jedem Spiel an und über unsere Leistungsgrenze hinaus gehen." Das taten die Bremer gegen Köln jedoch nicht einmal annähernd.

Und genau das war es auch, was Trainer Ole Werner so besonders an diesem denkwürdigen Abend ärgerte. "Heute waren wir maximal bei acht, neun Prozent. Das reicht nicht, um konkurrenzfähig zu sein." Wieder und wieder hatte Werner das in den vergangenen Monaten gepredigt: demütig bleiben, stets an die Grenze gehen.

Wir müssen immer 100 Prozent aus unseren Möglichkeiten herausholen, sonst bekommen wir als Aufsteiger Probleme. Das muss jeder verstehen – auf dem Platz, in der Stadt, drumherum, überall." (Werder-Trainer Ole Werner)

Doch noch Abstiegsängste?

Viele in Bremen hatten sich vom Rausch des Wiederaufstiegs und Werders herrlichem Offensivtrubel mitreißen und schon zu Träumereien von internationalen Wettbewerben hinreißen lassen. Den Spielern selbst fiel es angesichts von Rang neun schwer, stets nur das Ziel Klassenerhalt herunter zu beten.

Auch die Mehrheit unserer Radio Bremen Meinungsmelder war sich vor dem Spiel in Köln sicher, die Saison werde ein gutes Ende frei von Abstiegsängsten nehmen. Nun kam der Weckruf mit lautem Knall und Trainer Werner hofft, dass ihn auch der Letzte aufgerüttelt hat. "Jeder muss es verstehen, so etwas wie heute darf uns nicht noch einmal passieren."

Abstiegsränge nur noch 6 Punkte entfernt

Denn Tabellenrang 16 ist für Werder nur noch sechs Punkte entfernt und der Abstand könnte in dieser Woche noch weiter zusammenschrumpfen, wenn die Bremer die Heimspiele am Mittwoch und Samstag gegen Union Berlin und Wolfsburg auch verlieren sollten.

Verstärkungen wird es in diesem Winter nicht mehr geben, das sagten Baumann und Fritz am Sonntag unisono. Werner muss mit dem auskommen, was er hat. Und er muss hoffen, dass die intensive Aufarbeitung des 1:7-Debakels bei seinen Spielern angekommen ist und sie bereits am Mittwoch eine Reaktion zeigen. Falls nicht, wäre der katastrophale Start ins neue Jahr nicht nur ein Ausrutscher, sondern würde doch noch mit Abstiegsängsten nachhallen.

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