buten un binnen Füllkrug zum Werder-Start: "Man sieht, wir spielen jetzt Bundesliga"

Stand: 14.08.2022 08:43 Uhr

Sein Tor zum 1:0 werden seinen Papa und seinen Opa stolz machen, ist Niclas Füllkrug sich sicher. Für den ersten Sieg müssen die Bremer sich aber defensiv noch steigern, glaubt er.

Von Karsten Lübben

Am Samstagabend saß Niclas Füllkrug piekfein und ausgeruht im "Sportstudio" des ZDF. Wenige Stunden zuvor war die Gemütslage des Werder-Stürmers in den Katakomben des Weser-Stadions noch ein wenig anders. "Das war der Wahnsinn. Ich bin völlig im Arsch", berichtete er nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart. Ein Spiel, das allen auf den Platz nicht nur aufgrund der heißen Temperaturen ordentlich zu schaffen gemacht hatte.

Füllkrug musste sich vor dem Gespräch mit den Medien erst einmal sammeln, weil er noch ein wenig Druck auf den Ohren spürte. "Das gibt es nach dem Spiel öfter, wenn man runterfährt", berichtete er. Hochgestiegen statt runtergefahren war er hingegen bei seinem Treffer zum 1:0 in der vierten Minute, als er eine Flanke von Anthony Jung perfekt verwertete und unhaltbar ins Tor köpfte. Ein Treffer, der, wie er mit einem Grinsen auf den Lippen erzählte, auch in seiner Familie gut ankommen sollte.

Niclas Füllkrug trifft per Kopf zum 1:0.

Per Kopf brachte Niclas Füllkrug Werder gegen den VfB Stuttgart in Führung.

"Das ist ein schönes Tor. Mein Papa und mein Opa werden stolz auf mich sein. Die hatten beide auch ein gutes Kopfballspiel. " (Niclas Füllkrug)

"Haben nicht mehr 60 Prozent Ballbesitz"

Ausgezahlt bei dem Treffer, so der Torschütze, habe sich, dass er und Vorlagengeber Jung schon eine Weile zusammenspielen. Wenn er sehe, erklärte Füllkrug, dass Jung aushole, habe er die Möglichkeit, "im letzten Schritt" noch vor seinen Gegenspieler zu kommen. Während der Stürmer weiß, wie er sich auf Jungs Flanken einstellen muss, muss das Team sich nach dem Aufstieg aber noch ein wenig umstellen. So dominant wie teils in der 2. Liga können die Bremer nun nicht mehr agieren.

"Man sieht, wir spielen jetzt Bundesliga. Wir haben nicht mehr 60 Prozent Ballbesitz, wie wir sie letztes Jahr vielleicht in manchen Spielen hatten. Wichtig ist, dass wir unsere Tore machen. Offensiv sind wir stark. In zwei Spielen haben wir vier Tore gemacht." (Niclas Füllkrug)

Gelingt in Dortmund der erste Werder-Sieg?

Nicht nur die eigene Ausbeute vor dem Tor stimmt Füllkrug positiv. "Man erkennt bei uns eine Idee", sagte er. In der Defensivarbeit sieht er allerdings noch Luft nach oben. Die "neu sortierte Abwehr" will er damit aber nicht explizit ansprechen. Stattdessen müssten sich alle in der Defensivarbeit noch ein wenig steigern. Sobald dies gelingt und Werder weniger Gegentore kassiert oder gar zu Null spielt, werde es dann auch mit einem Sieg klappen.

Das Runterkommen nach dem Spiel dürfte nach dem ersten Dreier in dieser Saison aber wohl noch etwas schwerer fallen. Vor allem, falls es tatsächlich am Samstag (15:30 Uhr) im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund gelingen sollte. Damit die Bremer beim BVB überraschen können, werden sie auch einen Sahntetag von Füllkrug und Marvin Ducksch benötigen.

Auch Ducksch fügt sich in der Bundesliga gut ein und hätte nach dem Spiel in Wolfsburg auch gegen Stuttgart beinahe ein Tor vorbereitet. Füllkrugs Schuss knallte nach seiner Vorlage jedoch nur gegen die Latte (9.). Am Abend im "Sportstudio", erzählte dieser, dass es für "die hässlichen Vögel", wie er sie getauft hat, nach dem Aufstieg schwieriger geworden ist. "Ohne despektierlich zu sein", leitete Füllkrug vorsichtig ein, "sind, glaube ich, die Innenverteidiger in der Bundesliga doch nochmal ein Stück weit dynamischer und haben eine höhere Endgeschwindigkeit."

Marvin Ducksch führt den Ball gegen Stuttgart.

Marvin Ducksch wartet in der Bundesliga noch auf sein erstes Saisontor.

Baumann und Fritz ist Füllkrug bei Werder dankbar

Obwohl die Qualität der Gegenspieler nun höher ist, läuft es für Füllkrug mit zwei Toren in den ersten zwei Spielen bisher blendend. Es hätte jedoch auch anders für ihn kommen können. Wie die Dokumentation "Ein Jahr zweite Liga" aufgezeigt hat, kokettierte Ex-Coach Markus Anfang in der vergangenen Saison zumindest damit, Füllkrug rauszuwerfen, nachdem dieser im Anschluss an das 0:3 bei Darmstadt 98 heftig mit dem Sportlichen Leiter Clemens Fritz aneinander geraten war.

"Ich war schon kurz überrascht," räumte der 29-Jährige ein, "weil es mir gegenüber schon ein bisschen anders kommuniziert wurde." Letztlich freue er sich aber vor allem darüber, dass Fritz und Baumann ihm damals Rückendeckung gegeben haben. Ebenjene zahlt er bisher auch in der Bundesliga mit guten Leistungen zurück.

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