buten un binnen Dieser Bremer Rollstuhlfahrer klettert immer wieder hoch hinaus

Stand: 16.01.2023 15:12 Uhr

Der gelernte Tischler Timo Smidt sitzt nach einem Arbeitsunfall im Rollstuhl. Beim ersten inklusiven Kletterkurs Bremens erklimmt er regelmäßig eine acht Meter hohe Steilwand.

Von Felix Ilemann, Helge Hommers

Acht Meter ragt die Wand in die Höhe. Acht senkrechte Meter, die Timo Smidt von der Hallendecke trennen. Seine Finger zittern, als sich der 33-Jährige nach einem der unzähligen Griffe streckt, die auf der Kletterwand angebracht sind. Trotzdem erhebt sich der Bremer mit einem Lächeln und reichlich Schwung aus seinem Rollstuhl, bevor es für ihn hoch hinaus geht. Schritt für Schritt, immer weiter nach oben. "Ich fordere meinen Körper einfach sehr, sehr gerne heraus", sagt der gelernte Tischler im Sportblitz.

Bremer Alpenverein will "grenzenloses Klettern ermöglichen"

Seit einem schweren Arbeitsunfall vor zehn Jahren kann Smidt seine Muskeln nicht mehr kontrollieren. Ob Treppensteigen oder Sprechen – alles bedeutet für ihn eine besondere Anstrengung. Trotzdem macht er sich alle zwei Wochen auf den Weg zum Kletterzentrum des Bremer Alpenverein (DAV), wo er seit Herbst den ersten inklusiven Kletterkurs Bremens besucht. Jeden Donnerstag nehmen rund 25 Teilnehmer das Angebot wahr. "Wir haben den Ansatz, dass jeder klettern kann, daher wollen wir bei uns grenzenloses Klettern ermöglichen", sagt DAV-Trainer Marcus Wehner.

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DAV-Klettertainer Marcus Wehner (links) hilft seinen Schützlingen in die Höhe.

Wenn man den Menschen ins Gesicht schaut, dann bekommt man ein so tolles Feedback, das man ganz beseelt mit nach Hause nehmen kann." (Klettertrainer Marcus Wehner im Sportblitz)

Auch dank seines Trainers, der ihn vom Boden aus absichert, hat Smidt keine Angst vor der Steilwand, die vor ihm aufragt. Auch weil die Griffe auf seiner Route extra für ihn ausgewählt worden. Denn Trainer Wehner hat genau im Blick, welche Schwierigkeit er seinen Schützlingen zutrauen kann. Er und sein Team besitzen eine besondere Trainerlizenz, ohne die sie kein Inklusionsklettern anbieten dürften. Nur so können sie den Kletterern rund um Smidt die nötige Hilfe und Absicherung geben, damit diese ihr Ziel erreichen. Und zumindest Smidt kann im Kletterzentrum nur die Decke stoppen.

Ich könnte natürlich einfach super stolz auf mich sein, aber ich war schon immer so, dass es für mich immer noch immer weiter, immer besser und immer höher geht." (Kletterer Timo Smidt im Sportblitz)

"Oft steht man unten und denkt: Da komme ich niemals hoch!"

Grit Stobäus gehört ebenfalls seit einigen Monaten dem Kletterkurs an. Sportlich sei sie schon immer gewesen, erzählt sie. Vor einem Jahr brachte sie ihre Ergotherapeutin auf die Idee, sich am Klettern zu versuchen. Seither misst auch sie sich regelmäßig an der Steilwand. "Die eigenen Grenzen zu überwinden und sich eigene Ziele zu setzen, immer ein Stück höher zu kommen – das macht es für mich aus", sagt Stobäus.

Die Bremerin Grit Stobäus lächelt in die Kamera.

Überwindet gerne ihre Grenzen: Die Bremer Kletterin Grit Stobäus.

Ähnlich sieht es Anke Hinrichs, die sich als Paraclimberin immer wieder mit Freude, aber auch mit Respekt in die Höhe begibt. "Ganz oft steht man unten und denkt sich: Da komme ich niemals hoch!", gesteht Hinrichs.

Doch dann ist man an der Wand und merkt: Hey, es geht doch noch was!" (Kletterin Anke Hinrichs im Sportblitz)