Bremer Fußball-Verband Ulrike Geithe - die erste Frau im Präsidium

Stand: 28.06.2022 18:51 Uhr

Ulrike Geithe will frischen Wind in das Präsidium des Bremer Fußball-Verbandes bringen – und sich für den Frauenfußball einsetzen. Vergleiche mit den Männern stören sie allerdings.

Von Karsten Lübben

Ohne Fußball geht es bei Ulrike Geithe nicht. Schon in ihrer Kindheit hat sie mit dem Kicken begonnen, doch die Zeiten waren in den 1970er-Jahren noch problematisch. "Dass Mädchen Fußballspielen, ging gar nicht", erinnert sich die 59-Jährige. Sie tat es trotzdem und ging ihren Weg. Heute sitzt sie als erste Frau im Präsidium des Bremer Fußball-Verbandes (BFV).

Die Anfänge waren dabei schwierig. Früher, erzählt Geithe, habe sie Straßenmannschaften gegründet, um kicken zu können. Die Erwartung in der Familie sei eher gewesen, dass Mädchen mit Barbies spielen und zum Ballett gehen. Ballett betreibt sie heute tatsächlich, ihr Herz gehört aber weiterhin dem Fußball. Gekickt habe sie früher immer nur mit Jungs. Weil ihre Schuhe als Teenager davon immer kaputt gegangen seien, ließ ihre Mutter sie im November 1978 doch zum Hallentraining des TSV Wunsdorf gehen. "Da war ich der glücklichste Mensch der Welt", blickt Geithe zurück. Dafür, dass junge Menschen im Verein Sport treiben, will sie nun auch im BFV-Präsidium sorgen.

Geithe wiegelte zunächst ab

Dass sie die erste Frau im Gremium ist, war Geithe vorab gar nicht so recht bewusst. Michael Grell, der nun aus dem Präsidium ausgeschieden ist, hatte sie gefragt, ob sie sich die Aufgabe vorstellen könne. Geithe wiegelte zunächst jedoch ab. "Ich habe sofort 'Nein' gesagt", erzählt sie. Weil sie zu wenig von der Basis wisse, habe sie sich den Schritt ins Präsidium nicht zugetraut. Zudem sehe sie sich eher in der zweiten Reihe. Ein Mann, denkt sie, hätte wohl nicht so sehr gezögert. Grell ließ jedoch nicht locker und sprach ihr Mut zu. Am Ende mit Erfolg.

"Dann bin ich nochmal in mich gegangen und habe gesagt: 'Warum eigentlich nicht?' Die kennen mich ja als Typ. Warum muss immer jemand vorpreschen? Ich weiß schon, an welcher Stelle ich dann da bin. Es ist ja nicht so, dass ich eine Ja-Sagerin bin." (Ulrike Geithe im Gespräch mit dem Sportblitz)

Geithe will den Mädchen- und Frauenfußball fördern

BFV-Präsident Björn Fecker freut sich, dass Geithe nun mit an Bord ist. "Ich glaube, dass es insgesamt dem Fußball gut tut, wenn sich auch in seinen Gremien die Vielfalt, die auf unseren Plätzen herrscht, widerspiegelt", sagt er. Vor allem engagieren will die Sozialpädagogin sich im Mädchen- und Frauenfußball. Sie weiß schließlich, wie schwierig es dort sein kann. Selbst hat sie Juniorinnen-Auswahlteams trainiert. Auch als Schiedsrichterin stand sie schon auf dem Platz. Früher wurden Fußball spielende Frauen auch mal als "Mannsweiber" bezeichnet. Dass Zuschauer höhnisch nach einem Trikottausch fragen, kennt Geithe auch.

Sorgen will die 59-Jährige dafür, dass der Mädchen- und Frauenfußball stärker gefördert wird. Noch sei es so, dass manche Klubs keine Trainer hierfür haben oder meinen, sie hätten keinen Platz dafür. Einige Klubs, erzählt Geithe, stünden auch einfach nicht hinter dem Thema. Kümmern will sie sich auch darum, dass nach der Corona-Zeit wieder mehr Kinder und Jugendliche in die Sportvereine kommen. "Wahnsinnig" mache sie auch die Gewalt, die es mittlerweile manchmal auf den Sportplätzen gebe. Diese sei aber eher ein gesellschaftliches Problem.

"Männer erwirtschaften nunmal das Geld"

Wenngleich sich Geithe für den Frauenfußball einsetzen will, stören sie die steten Vergleiche mit den Männern. Immer häufiger wird moniert, dass die Männer im Profifußball eine Menge Geld verdienen, während die Summen bei den Frauen erheblich geringer ausfallen. Gefordert wird vereinzelt auch, dass die Männer- und Frauen-Teams bei Turnieren wie der Weltmeisterschaft und der Europameisterschaft die gleiche Summe an Prämien erhalten.

"Die Männer füllen die Stadien und erwirtschaften nunmal das Geld. Bis die Frauen so weit sind und auch die Stadien füllen, braucht es noch Zeit. Das entwickelt sich noch und darf nicht aufhören." (Ulrike Geithe im Gespräch mit dem Sportblitz)

Wenngleich die Gehälter weiterhin unterschiedlich sein werden, wünscht Geithe sich, dass sich auch hier bei den Frauen etwas tut. Im Leistungsbereich müssten die Spielerinnen zumindest in der Bundesliga so gut verdienen, dass sie nicht nebenher noch arbeiten müssen. Dafür kann sie sich in ihrer neuen Funktion nun noch prominenter einsetzen.