NDR-Sport

Zuschauer in Stadien und Hallen: Einheitliche Regelung soll kommen

Stand: 25.01.2022, 11:13 Uhr

Bei der Rückkehr von Zuschauern in Stadien und Hallen muss sich der Sport weiter in Geduld üben. Bund und Länder haben sich beim Corona-Gipfel jedoch darauf verständigt, dass es einheitliche Regelungen bei Höchstgrenzen geben soll. Aus den Ligen hagelt es Kritik.

Eine verstärkte Rückkehr von Fans zu Spielen der Fußball-Bundesliga und anderen deutschen Profiligen wird es wegen der steigenden Zahl an Corona-Infektionen vorerst nicht geben. Bei ihren Beratungen mit dem Bund beschlossen die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder am Montagabend, dass die Chefs der Staats- und Senatskanzleien bis zum 9. Februar zumindest einheitliche Limits für überregionale Großveranstaltungen vereinbaren sollen. Das geht aus dem nach der Videoschaltkonferenz veröffentlichten Papier hervor.

Zuschauerfrage: Flickenteppich in den Ländern

Für die Zulassung von Zuschauern gibt es bislang unterschiedliche Höchstgrenzen in den Ländern: In Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen dürfen derzeit überhaupt keine Fans in die Arenen. Dagegen spielte beispielsweise der Fußball-Drittliga-Tabellenführer 1. FC Magdeburg am vergangenen Sonntag gegen den TSV Havelse vor 13.385 Zuschauern. Beim Zweitliga-Derby in Hamburg waren zuletzt 2.000 Fans zugelassen. Hannover 96 spielte vor 500 Zuschauern gegen Dresden. In Schleswig-Holstein sind derzeit ebenfalls 500 Besucher erlaubt.

Schwesig kündigt Öffnungen für Kultur an, nicht für den Sport

Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien hatte Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung Ende der vergangenen Woche dazu aufgefordert, umgehend wieder Fans im Ostseestadion zuzulassen und mit juristischen Schritten gedroht. Nun kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) vor der Kabinettssitzung zwar Lockerungen für die Kulturbranche an, nicht aber für den Sport.

Grundsätzlich bleiben Bund und die Länder wegen der ansteckenderen Virusvariante Omikron vorerst bei den derzeit geltenden Corona-Maßnahmen. "Kurs halten", gab Kanzler Scholz als Gebot der Stunde aus.

Was bedeutet neue Teststrategie für Hygienekonzepte im Profisport?

Beschlossen wurde zudem eine Abkehr von der bisherigen Teststrategie. So sollen die verlässlichen PCR-Tests zum Nachweis einer Coronavirus-Infektion nur noch für besonders gefährdete Gruppen sowie das Personal in Kliniken und Pflegeheimen verwendet werden. Alle anderen Personen sollen künftig auch nach einem positiven Schnelltest nur mit einem zweiten Schnelltests überprüfen, ob sie infiziert sind und in Isolation müssen.

Welche Auswirkungen dieser Beschluss auf die Hygienekonzepte im Sport haben könnte, blieb zunächst offen. Vor allem in den Teamsportarten hat sich die Omikron-Welle schon massiv auf die Zusammensetzung von Kadern und auf Spielpläne ausgewirkt. Die deutsche Nationalmannschaft bei der Handball-EM ist davon ebenso betroffen wie zahlreiche Mannschaften in den vier großen deutschen Profiligen.

Ligen fordern Ende von Pauschalverboten

Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die Deutsche Eishockey Liga (DEL), die Handball-Bundesliga (HBL) und die Basketball Bundesliga (BBL) hatten vor dem Corona-Gipfel mit einem gemeinsamen Brief an das Kanzleramt und an die Ministerpräsidenten in der Zuschauerfrage ein Ende von Pauschalverboten gefordert. Ab Anfang Dezember hatte es eine Höchstgrenze von 15.000 Fans gegeben, ehe am 21. Dezember quasi der Fan-Ausschluss beschlossen wurde.

HSV-Trainer Walter: "Mal die Augen aufmachen"

Trainer Tim Walter vom Zweitligisten Hamburger SV plädiert für mehr Zuschauer in den deutschen Fußballstadien. "Ich bin kein Virologe, wir halten uns an alles. Trotzdem könnte man mal die Augen aufmachen", sagte Walter in einem Gespräch mit Hamburger Medien und riet: "Gucken wir mal über den Tellerrand hinaus, schauen wir mal nach England oder Amerika. In der NFL sind 100.000 Zuschauer."

Hopfen: Profisport schlechter gestellt als andere Bereiche

Die neue DFL-Chefin Donata Hopfen kritisierte den Verzicht auf eine weitere Öffnung der Fußballstadien ebenfalls. "Die Eindämmung der Pandemie und der Schutz des Gesundheitssystems genießen selbstredend Priorität, erst recht angesichts der Omikron-Welle", wurde die DFL-Geschäftsführerin am Montagabend in einem DFL-Statement zitiert. "Im Sinne des gesamten Profisports wäre es dennoch wichtig gewesen, schon jetzt mit Blick auf die Zulassung von Fans Einigkeit über differenzierte Szenarien zu erzielen, die sich an der jeweiligen Pandemie-Lage orientieren." Der Profisport sei "aktuell an vielen Stellen objektiv schlechter gestellt" als andere Lebensbereiche. Das sei nicht nachvollziehbar.

Handball: Bohmann beklagt Ungleichbehandlung

Ähnlich reagierte die Handball-Bundesliga: "Wir sehen eine große und den Sport insgesamt gefährdende Situation, die zudem eine Ungleichbehandlung gegenüber vielen anderen Bereichen darstellt", sagte Geschäftsführer Frank Bohmann.

Auch neue Verschärfungen sind möglich

In welche Richtung sich die Zuschauerkapazität entwickeln wird, hängt maßgeblich von der Infektionslage in den kommenden Wochen ab. Auch neue Verschärfungen sind möglich. Wenn eine Überlastung des Gesundheitssystems oder der kritischen Infrastruktur drohe, müssten weitergehende Maßnahmen vereinbart werden, sagte Nordrhein-Westfalens Regierungschef Hendrik Wüst (CDU), der zugleich Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist. Es solle auch weiter strenge Kontaktbeschränkungen geben, "überall dort, wo viele Menschen zusammenkommen", sagte Scholz.

Die nächsten Bund-Länder-Beratungen sollen spätestens am 16. Februar stattfinden. Etwa für diesen Zeitpunkt erwarten Experten auch den Höhepunkt der Omikron-Welle in Deutschland.

Dieses Thema im Programm:
NDR 2 Sport | 24.01.2022 | 23:03 Uhr