Bremens Spieler bilden vor dem Anpfiff einen Kreis, um sich auf das Spiel einzuschwören.

Fußball | 2. Bundesliga Werder vor der Ziellinie: Erst Aufstieg, dann Rathaus-Balkon?

Stand: 15.05.2022 08:26 Uhr

Ein Punkt gegen Jahn Regensburg fehlt Werder Bremen noch zur Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Trainer Ole Werner will vor dem spannenden Saisonfinale aber keine Rechenspiele. Kapitän Ömer Toprak kann wohl auflaufen.

Von Ines Bellinger

Für alle Fälle ist sogar eine Kopie der Meisterschale in Bremen deponiert - aber die ist in der Zweiten Liga nun wirklich Nebensache. Zwar könnte Werder mit einem Heimsieg Bundesliga-Aufsteiger Schalke 04 bei einer gleichzeitigen Niederlage der Gelsenkirchener in Nürnberg tatsächlich noch überflügeln, in der Hauptsache geht es für die Grün-Weißen aber um den direkten Aufstieg. Dafür reicht heute im Saisonfinale im ausverkauften Weserstadion gegen Jahn Regensburg (15.30 Uhr, live hören) bereits ein Remis.

Da Werder vor dem letzten Spieltag drei Punkte Vorsprung auf den HSV (in Rostock) und Darmstadt 96 (gegen Paderborn) hat, könnten sich die Bremer, abhängig von den Ergebnissen der Verfolger, eventuell sogar eine Heimniederlage leisten.

Werner: "Du kannst nicht 90 Minuten auf 0:0 spielen"

Von derlei Rechenspielen will Ole Werner aber rein gar nichts wissen - schließlich kann das Saisonfinale auch noch auf Platz vier enden, wenn Werder verlieren und der HSV und Darmstadt gewinnen sollten. "Du kannst nicht 90 Minuten auf 0:0 spielen, weil im Fußball immer einzelne Aktionen entscheiden können", sagte der Werder-Trainer. "Wir bleiben bei unserer Spielweise und wollen unser letztes Heimspiel natürlich gewinnen."

Mantra-artig wiederholt Werner seit Wochen, "dass wir bei uns bleiben". Und das geht bei ihm so: In der Spielvorbereitung lief bis auf nicht-öffentliche Trainings alles so wie immer, nicht einmal an den potenziellen Motivationsschub einer Busanreise vor versammelter Fan-Schar glaubt der 34-Jährige. Die Spieler fahren individuell zum Stadion, um dort gemeinsam zu essen. "Etwas Besonderes zu machen, führt, glaube ich, nicht dazu, dass man die Dinge in eine andere Richtung lenkt. Es wirft eher Fragen auf: Warum machen wir das jetzt?"

Vorfreude und Anspannung vor diesem 34. Spieltag spüre er, ansonsten gehe es vor allem darum, auf die aggressive Spielweise der Regensburger und ihre gefährlichen Standards vorbereitet zu sein. "Du musst genau wissen, was du machen willst und das mit Vertrauen, mit Überzeugung ausführen", sagte Werner. Ein Einblenden von Zwischenständen auf den anderen Plätzen hält er für wenig sinnvoll, Parallelen zum (am Ende enttäuschenden) Saisonfinale mit den Kielern vor einem Jahr erkennt er nicht - jedenfalls keine, "die uns irgendwie weiterbringen".

Bei Aufstieg auf den Rathaus-Balkon?

Wie Werner übt sich ganz Bremen trotz der guten Ausgangslage noch in hanseatischer Zurückhaltung. Aber es wird bereits gemunkelt, dass die Rückkehr in die Bundesliga mit höheren Weihen verbunden wäre, die Werder-Fans eigentlich nur von Titel-Feiern aus längst vergangenen Zeiten kennen. Demnach will Bürgermeister Andreas Bovenschulte das Team im Aufstiegsfall am Montag im Rathaus empfangen. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn Toprak & Co. sich dann auch auf dem Balkon blicken ließen - zumal sich die Fans, wenn es etwas zu feiern gäbe, wohl zahlreich dort versammeln würden.

Der Bürgermeister selbst hatte schon nach dem 4:1 auf Schalke via Twitter die Rathaus-Option ins Spiel gebracht. Er habe sich da "als Fan einfach emotional mitreißen lassen", ruderte der SPD-Politiker im "Deichstube"-Interview inzwischen zurück.

Geht Werner das Risiko mit Toprak ein?

Apropos Toprak. Der Abwehrchef ist zwar seit einigen Tagen wieder im Training, doch nachdem seine hartnäckige Wadenverletzung Werner in Aue zu einer frühen Auswechslung gezwungen hatte, wäre es ein gewisses Risiko, den Kapitän erneut in der Startelf aufzubieten.

Für den Trainer scheint die Wirkung des Führungsspielers auf seine Kollegen allerdings eine größere Rolle zu spielen. "Ömer ist ein Kandidat für Sonntag, auch von Beginn an", sagte Werner. Toprak habe die Trainingswoche ohne Probleme durchgezogen. "Wir werden die auf den Platz stellen, die uns die größtmögliche Wahrscheinlichkeit geben, das Spiel auch gewinnen zu können." Sollte das schiefgehen, stünde als Organisator der Abwehrreihe Christian Groß bereit.

Regensburg-Trainer Selimbegovic spricht von "heißem Tanz"

Gäste-Trainer Mersad Selimbegovic verspricht den Bremern einen "heißen Tanz". Die Oberpfälzer haben den Klassenerhalt sicher und in der Rückrunde erst zwei Spiele gewonnen, aber: "Ich sehe mich und die Spieler in der Pflicht, Gas zu geben. Ich will, dass die Jungs alles geben, was geht", sagte der Jahn-Coach.

Fan-Marsch startet am Marktplatz

Schon Stunden vor dem Spiel könnte Bremen indes im Ausnahmezustand sein. Die Ultras von "Infamous Youth" haben zu einem Fan-Marsch aufgerufen, der um 12 Uhr am Marktplatz Richtung Osterdeich starten soll. "Bringt eure Fahnen mit, seid laut und gebt alles für Grün-Weiß. Für Werder, für den Aufstieg!", heißt es im Aufruf der Ultras.

Während vor dem Stadion und auf den Rängen ordentlich "Bambule" erwünscht ist, soll ein Platzsturm nach dem Abpfiff vermieden werden. Mit Blick auf die 18 Verletzten im Schalker Stadion am vergangenen Wochenende richtete Werder den dringenden Appell an seine Fans, den Innenraum nicht zu betreten - wo auch immer die Bremer in der Endabrechnung landen.

Mögliche Aufstellungen

Werder: Pavlenka - Veljkovic, Toprak, Friedl - Weiser, Groß, Jung - Bittencourt, Schmid - Füllkrug, Ducksch
Regensburg: Kirschbaum - Saller, Breitkreuz, Kennedy, Wekesser - Gimber, Besuschkow - Beste, Boukhalfa, Shipnoski - Albers

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 15.05.2022 | 22:30 Uhr