Werder-Trainer Werner: "Die eigenen Stärken auf den Platz bringen"

Verfügbar bis 23.01.2023

NDR-Sport

Werder-Trainer Ole Werner: Ein Glücksgriff im Aufstiegsrennen

Stand: 24.01.2022, 09:22 Uhr

Werder Bremens Trainer Ole Werner hat die Aufstiegshoffnungen der Grün-Weißen nach fünf Startsiegen neu entfacht. Im NDR Sportclub erklärt er, warum der Glaube Berge versetzen kann und wie ein junger Coach Autorität erlangt.

Von Andreas Bellinger

Das passt - auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer so aussieht. Denn Ole Werner vom Fußball-Zweitligisten Werder Bremen gehört nicht gerade zu der Spezies Trainer, der man ihre Gemütsfassung unmittelbar im Gesicht ablesen kann. Meistens jedenfalls.

Nach dem verrückten 4:3-Erfolg beim SC Paderborn konnte sich allerdings auch der 33-Jährige einer sichtbaren Freude nicht erwehren. Strahlend klatschte er jeden ab, der ihm nach dem berauschenden, wenn auch hart erarbeiteten, fünften Sieg im fünften Saisonspiel unter seiner erst zwei Monate andauernden Regie über den Weg lief.

Werder hat gut lachen

"Am Ende gab es ein Happy End - so gesehen konnten wir über die ein oder andere Szene auch lachen", sagte der zugeschaltete Werner im NDR Sportclub. Auch wenn für den wie gewohnt stoisch wirkenden Schleswig-Holsteiner andere Erkenntnisse aus der Partie auf dem Acker in Ostwestfalen ("Da brauchen wir nicht über Fußball oder taktische Feinheiten zu sprechen") Priorität hatten.

"Dass wir nach einem 1:3 in einem absoluten Kampfspiel gegen einen bärenstarken Gegner zurückgekommen sind, zeigt die Moral der Mannschaft, die an sich glaubt und bei den Dingen bleibt, die besprochen sind." Chapeau! Mit einer "Hut ab"-Geste hatte Werner seinem Team schon kurz nach dem Abpfiff im Kreis Respekt gezollt.

Werner: "Glaube an die eigene Stärke"

Nach einer "Achterbahnfahrt mit haufenweisen Rückschlägen", in der Werner einen im engen Aufstiegsrennen vielleicht noch ausschlaggebenden Aspekt entdeckt hat. "Ich hoffe, dass wir das im Kopf behalten, wenn es wieder eine ähnliche Situation gibt, dass man zurückliegt und gegen Widerstände angehen muss. Und den Glauben an die eigene Stärke noch ein bisschen größer werden lässt."

Dass er Ende November nach der Impfpass-Affäre um Markus Anfang weitestgehend eine Mannschaft mit klarer Hierarchie übernommen hat, in der die Rollen deutlich sind und von den Führungsspielern ausgefüllt werden, habe ihm den Einstieg erleichtert.

Erfolg macht manches leichter

Zwischen Trainer, Mannschaft und besonders auch den Routiniers stimmt die Chemie ganz augenscheinlich. Die Erfolgsserie sorgt sicherlich dafür, aber auch die erfahrenen Haudegen wie Ömer Toprak, Niclas Füllkrug, Marvin Ducksch oder auch Leonardo Bittencourt gehen voran und sind dabei, die Jungen (und Wilden) mit auf den Weg Richtung Wiederaufstieg zu nehmen. "Das ist wichtig - auf dem Platz, aber auch unter der Woche in der Kabine oder im Training", so Werner. Vor allem aber sind fast alle fit und gesund, was zu Zeiten der Corona-Pandemie nicht selbstverständlich ist: "Ein großer Teil unserer momentanen Stärke."

Wir sind Werder - offensiv und mutig

Sein Anteil daran sei eher gering, meinte der Cheftrainer. "Da habe ich nicht allzu viel beigetragen. Das haben die Mannschaft und die Führungsspieler in der Hand gehabt." Es ist sympathisch, dass sich "Teamarbeiter" Werner nicht mit fremden Federn schmücken will. Durchaus ein Unterschied zu manchem Vorgänger, so wie auch der selbstbewusste Umgang mit der eigenen Stärke. Offensiv und mutig: "Wir sind Werder und müssen uns nicht kleiner machen, als wir sind."

Kaputte Hüfte als Karriere-Killer

Ein starkes Credo, das an Zeiten der Werder-Ikonen Otto Rehhagel und Thomas Schaaf erinnert, mit denen Werner bisweilen schon verglichen wird. Mit fünf Siegen in fünf Spielen zum Auftakt in Aue, Regensburg, Hannover, Düsseldorf und eben Paderborn hat er Double-Sieger Schaaf übertrumpft - und Rehhagels Acht-Siege-Serie zumindest im Visier. "Ich versuche, so zu sein, wie ich bin und mit Werder meinen eigenen Weg zu gehen."

Bartels: Werner und Werder - das passt

Als Spieler musste er das gezwungenermaßen. Seine Laufbahn endete wegen einer Hüftarthrose schon im Alter von 21 Jahren. "Seit vier Jahren habe ich ein künstliches Hüftgelenk und überhaupt keine Probleme mehr", erzählte Werner der "Deichstube". Dass ihm die große Karriere versagt blieb und er mit 33 Jahren kaum älter ist als mancher seiner Spieler, tut der Akzeptanz bei den Profis keinen Abbruch. "Ich arbeite mit den Spielern und gebe ihnen gewisse Dinge an die Hand, mit denen wir als Mannschaft erfolgreich sein können. Das führt am Ende zu Autorität."

Fin Bartels, der nach seiner Zeit bei Werder in Kiel unter Werners Regie erfolgreich war, stimmt zu: "Auch sein Alter spielt keine Rolle, sondern die Art und Weise seiner Arbeit." Überhaupt passe die Kombination Werner-Werder perfekt. "Sein unaufgeregtes Wesen, authentisch, bodenständig und gepaart mit trockenem Humor", so Bartels.

Aufstieg (noch) auf dem Index

"Man muss Fußball so spielen, dass die eigenen Stärken zur Geltung kommen." Ein zentraler Punkt in Werners Philosophie. Und sich nicht "in erster Linie anschauen, was der Gegner gut macht und versuchen, das irgendwie zu neutralisieren". Den Spaß, "mit offenem Visier auf den Platz zu gehen, seinen Stärken und dem Nebenmann zu vertrauen, das versuche ich zu verkörpern." Die Spieler folgen ihm.

Deshalb aber die direkte Rückkehr ins Oberhaus als Ziel auszugeben, scheut sich Werner beharrlich. "Die Aufgabe ist, uns durch gute, kontinuierliche und harte Arbeit so weiterzuentwickeln, dass wir ein Wort mitsprechen können, wenn es in die letzten vier, fünf Spieltage geht." So lange sei man gut beraten, von Woche zu Woche zu denken. "Ende April kann man seriöser beantworten, was möglich ist", sagt Werner. Paderborn war nur ein Etappenziel - wenngleich ein aufsehenerregendes.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 23.01.2022 | 22:50 Uhr

Quelle: NDR

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