Werder im Kampf um die Klasse: Der Zweck heiligt die Mittel

Davie Selke (l.) und Joshua Sargent von Werder Bremen

NDR-Sport

Werder im Kampf um die Klasse: Der Zweck heiligt die Mittel

Von der Spielidee des schönen Fußballs ist an der Weser nicht mehr viel übrig. Für Trainer Florian Kohfeldt schlicht Realismus.

Trainer Florian Kohfeldt hat sich vom schönen Fußball verabschiedet. Bei Werder Bremen müssen im Kampf um die Klasse Punkte her - und das gehe realistisch betrachtet nicht anders.

Mit Blick auf den so wichtigen 2:0-Erfolg gegen Augsburg redet Kohfeldt nicht lange um den heißen Brei herum. "Es war in der ersten Halbzeit ein grauseliges Fußballspiel für die Zuschauer. Aber wir müssen die Möglichkeiten, die wir haben, realistisch einschätzen", erklärt der 38-Jährige.

Der Zweck heiligt bei Werder in dieser Saison die Mittel. Die Bremer haben mittlerweile eingesehen, dass mehr als der Klassenerhalt ohnehin nicht drin ist. Schon zum Abschluss der Hinrunde - Kohfeldts Mannen treten heute Abend (18.30 Uhr/im NDR Livecenter) bei Borussia Mönchengladbach an - könnte der Vorsprung auf den Relegationsrang wieder auf drei Punkte schmelzen.

Niederlage gegen Union als Zäsur

Eigentlich gilt Kohfeldt als glühender Verfechter dominanten Ballbesitzfußballs. Doch nach der 0:2-Niederlage gegen Union Berlin zum Start ins neue Jahr haben die Bremer ihre Schlüsse gezogen - Stand jetzt: erfolgreiche.

Schon beim folgenden Spiel in Leverkusen (1:1) verordnete Kohfeldt seinem Team eine unansehnliche Mauertaktik. Eine genutzte Standardsituation brachte schließlich den glücklichen Punkt. Auch wenn Augsburg eine ganz andere Kragenweite als die Werkself ist, beschränkten sich die Hanseaten auch im eigenen Stadion lange aufs Verteidigen. Eine Schlussoffensive führte dann zum Erfolg. Der Fußball-Lehrer freut sich diebisch: "Es war nicht schön, aber clever und hochverdient."

"Ziel bleibt, einen anderen Fußball zu spielen"

In Mönchengladbach ("Wir brauchen einen Top-Tag") ist Bremen wieder klarer Außenseiter - und dürfte an Bewährtem nichts ändern. "Ich weiß, dass wir so keinen Schönheitspreis gewinnen", meint Kohfeldt. Die Chance auf Punkte dürfte ein Auftritt wie in Leverkusen aber erneut steigern. Für den Rest der Saison hat Kohfeldt allerdings keineswegs Stagnation im Sinn: "Ich sage ganz deutlich, dass das Ziel bleibt, einen anderen Fußball zu spielen."

Füllkrug fehlt erneut eineinhalb Monate

Umso ärgerlicher ist es für Werder, dass in Niclas Füllkrug der beste Stürmer erneut länger fehlen wird. Die Verletzung, die sich der Angreifer im Abschlusstraining am Freitag zugezogen hatte, hat sich als Riss des Außenbandes und der Kapsel im rechten Sprunggelenk herausgestellt. Bis Ende Februar müssen die Bremer wohl ohne ihn planen. Gegen Gladbach ebenfalls noch nicht wieder dabei sein wird Ludwig Augustinsson. Dem schwedischen Linksverteidiger machen immer noch muskuläre Probleme zu schaffen.

Die Reise an den Niederrhein mit antreten konnten Davie Selke und Niklas Moisander. Laut Kohfeldt hatte es bei beiden "unklare Corona-Tests" gegeben. Die Nachtests seien allerdings negativ ausgefallen, sodass das Gesundheitsamt grünes Licht gab.

Gladbach streicht Emobolo aus Spieltagskader

Derweil hat Breel Embolo für Aufregung bei der Borussia gesorgt. Der Angreifer wurde vorsorglich aus dem Kader für das Spiel gegen Werder gestrichen, weil er "möglicherweise gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen hat", wie der Tabellenachte mitteilte. Der 23-Jährige werde erst wieder am Mannschaftstraining teilnehmen, wenn negative Coronatests von ihm vorlägen.

Die "Bild" hatte zuvor berichtet, der Schweizer Nationalspieler sei nach ihren Informationen eine von 23 Personen gewesen, die in der Nacht zu Sonntag bei einer illegalen Party in Essen von der Polizei erwischt wurden.

So könnten sie spielen

Gladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini - Kramer - Zakaria, Neuhaus - Herrmann, Stindl, Hofmann
Werder: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Toprak, Friedl, Agu - Eggestein, Möhwald, Mbom - Osako, Sargent

Dieses Thema im Programm:
Die NDR 2 Bundesligashow | 19.01.2021 | 18:30 Uhr

NDR | Stand: 19.01.2021, 08:22

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