Weltumsegler Herrmann: Erst Ocean Race, dann wieder Vendée Globe

Vendée Globe: Boris Herrmann und seine härteste Regatta Verfügbar bis 20.06.2021

NDR-Sport

Weltumsegler Herrmann: Erst Ocean Race, dann wieder Vendée Globe

Boris Herrmann hat Großes vor. Der Weltumsegler will nicht nur nach seiner Vendée-Globe-Premiere 2024/25 erneut an dem Rennen teilnehmen, sondern segelt 2022/23 auch bei "The Ocean Race". Bislang hat noch kein Deutscher an beiden Rennen teilgenommen.

Etwas mehr als drei Monate nach der Zieldurchfahrt in Frankreich kündigte der Hamburger am Mittwoch die neuen Projekte an. Mit seinem Team Malizia will er in den kommenden fünf Jahren an zwei der vier wichtigsten Hochsee-Regatten des internationalen Segelsports teilnehmen - ein spektakulärer Doppelschlag, für den er schon viele Unterstützer gefunden hat.

"The Ocean Race und die Vendée Globe sind eine Traum-Kombination", sagte Herrmann. "Auch weil sie komplementär sind: ein Teamrennen mit Zwischenstopps und ein Nonstop-Solorennen. Wir haben im Team viel Erfahrung und sehen uns damit in guter Pole Position."

Neues Boot soll im Juni 2022 fertig werden

Das neue Boot für die Großeinsätze ist bereits in Frankreich in Arbeit und soll im Juni 2022 fertig werden. Für das Bootsdesign zeichnet das renommierte Büro VPLP zusammen mit Herrmanns Team verantwortlich. Gebaut wird die rund 18 Meter lange Imoca-Yacht, die mehr Volumen im Bugbereich erhalten wird (Herrmann: "Bananen-Form"), auf der Werft Multiplast in Vannes. Team Malizias Organisationszentrale bleibt Hamburg, die technische Teambasis Lorient in der Bretagne und der Heimatverein der Yacht Club de Monaco.

"Gut finanzierte" Fünf-Jahres-Kampagne

Sieben Unternehmen haben sich zur neuen Partner-Familie formiert. Sie tragen Deutschlands bekanntesten Seesegler und das Team Malizia bei der laut Herrmanns Aussage "gut finanzierten" Fünf-Jahres-Kampagne unter deutscher Flagge. Neben dem Yacht Club de Monaco, der EFG Bank, Kühne + Nagel, MSC und Hapag Lloyd unterstützen künftig auch die Zürich Gruppe Deutschland und Schütz Composites Herrmann. "Wir sind sehr glücklich, dass wir solide aufgestellt in die Zukunft segeln und über Jahre planen können", so der Hamburger.

Auch neue Yacht heißt "Seaexplorer"

Das neue Boot wird wie das alte "Seaexplorer" heißen. Mit der alten Yacht hatte Herrmann im Februar einen starken fünften Platz bei der Solo-Weltumseglung Vendée Globe belegt. Eine noch bessere Platzierung verhinderte die Kollision mit einem spanischen Fischtrawler kurz vor dem Ziel. Das Boot ist inzwischen repariert und wurde verkauft; nach NDR-Informationen an den Franzosen Romain Anastasio, der an der Vendée Globe 2020/21 teilgenommen hatte.

Die erste große Herausforderung für das neue Boot wird The Ocean Race sein. Erstmals seit zwei Jahrzehnten wird wieder ein deutsches Team am führenden Mannschaftsrennen um die Welt teilnehmen. 2001/2002 hatte die "illbruck Challenge" das noch unter dem Namen Volvo Ocean Race ausgetragene Rennen als erstes und bislang einziges deutsches Team gewonnen.

Als die "Illbruck" 2002 das Volvo Ocean Race gewann Verfügbar bis 11.07.2021

Ocean Race eine "perfekte Vorbereitung"

Der Startschuss zur 14. Auflage des Meeres-Marathons, der 1973/74 als Whitbread Round the World Race seine Premiere erlebt hatte, fällt im Oktober 2022 in Alicante/Spanien. Traditionell führt die Route durch den Atlantik, danach wird Afrika am Kap der Guten Hoffnung umrundet, dann geht es durch den Indischen Ozean über den Südpazifik und rund um Kap Hoorn nach Süd- und Nordamerika und wieder zurück nach Europa. Die Regatta endet im Sommer 2023 in Genua/Italien.

Gesegelt wird The Ocean Race in zwei Klassen. Eine bilden erstmals die Imocas, die im Ocean Race von vier Personen umfassenden Crews mit mindestens einer Frau gesegelt werden. Zusätzlich ist jeweils ein Anbord-Reporter integriert. Anschließend werden die Imocas bei der zehnten Auflage der Vendée Globe 2024/25 wieder von Solisten im Nonstop-Rennen um die Welt gesegelt - Herrmann wird einer von ihnen sein. Das Ocean Race sei eine "perfekte Vorbereitung" auf die Vendée Globe, sagte er.

"Sehr glücklich und auch ein bisschen stolz"

Der in der Hamburger Hafencity lebende Familienvater hat nach seinem vielbeachteten Vendée-Globe-Finale nur gut 100 Tage benötigt, um das bislang größte Regatta-Paket in der Geschichte des deutschen Seesegelsports zu schnüren. "Darüber sind wir sehr glücklich und auch ein bisschen stolz. Es war eine phänomenale Teamleistung", sagte der 39-Jährige. Der Fünf-Jahres-Plan beinhaltet zusätzlich zu den beiden großen, prestigeträchtigen Starts insgesamt 18 Ein- und Zweihand-Regatten sowie Team-Rennen in 15 Ländern. Auch bei der Kieler Woche wird er sich zeigen.

"A Race we must win - ein Rennen, das wir gewinnen müssen": Dieser Slogan wird auf dem Boot zu lesen sein. Damit sind sowohl Herrmanns Bemühungen im Kampf um die Gesundheit der Meere und das gemeinsam mit seiner Ehefrau Birte entwickelte Bildungsprogramm "My Ocean Challenge" als auch die sportlichen Ziele für beide Herausforderungen gemeint. "Wir werden alles tun, um in beiden Rennen um den Sieg kämpfen zu können", sagte Herrmann.

Dieses Thema im Programm:
Hamburg Journal | 12.05.2021 | 19:30 Uhr

NDR | Stand: 12.05.2021, 21:44

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