Corona-Gipfel: Geisterspiele? "Im Fußball muss etwas passieren"

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Corona-Gipfel: Geisterspiele? "Im Fußball muss etwas passieren"

Die Bund-Länder-Beratungen am Dienstag sind noch ohne konkretes Ergebnis geblieben - auch in Bezug auf den Sport. Beschlüsse sollen bei einem weiteren Treffen am Donnerstag gefasst werden. Gibt es Geisterspiele? Einige Länder sind (noch) für Teilausschlüsse.

"Es gibt unterschiedliche Ansätze", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach dem digitalen Treffen am Dienstagnachmittag und empfahl, "bis zum Jahresende in den Profiligen ohne Zuschauer auszukommen". Alle seien sich zumindest einig gewesen, "dass im Fußball etwas passieren muss". Sollten sich die Regierungschef in den Gesprächen mit Angela Merkel und Olaf Scholz nicht auf eine bundeseinheitliche Regelung verständigen, würde man "in Bayern einen Alleingang" machen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte kurz darauf, dass das Meinungsbild beim Fußball noch "von null bis 30 Prozent der Stadion-Kapazitäten" reiche.

Einen Alleingang Bayerns wird es aber so oder so nicht geben - zumal in Sachsen bereits am vergangenen Sonntag die Begegnung zwischen RB Leipzig und Bayer Leverkusen (1:3) ohne Zuschauer stattgefunden hat. "Man kann davon ausgehen, dass die Bundesliga ohne Zuschauer weiterspielen soll. Das ist eine richtige Entscheidung", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Auch Baden-Württemberg ist für Geisterspiele.

Ob es eine einheitliche Regelung geben wird, soll bei einem weiteren Treffen am Donnerstag entschieden werden. Für diesen Tag sind auch Beschlüsse angekündigt worden. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte im Vorfeld der Beratungen zwar Geisterspiele explizit nicht ausgeschlossen, allerdings auch die Möglichkeit erwähnt, "auf eine Kapazitätsgrenze von 25 Prozent herunterzugehen". Hamburg werde sich einer "bundeseinheitlichen Regelung anschließen", erklärte der Erste Bürgermeister Hamburgs Peter Tschentscher (SPD).

Fakt ist, dass die Inzidenzwerte im Norden deutlich unter denen im Süden und Südosten liegen. Allerdings sind auch in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen weitere Verschärfungen und Beschränkungen besprochen worden - unabhängig von dem Gipfel-Treffen.

Habeck: "Volle Stadien waren ein Fehler"

Klar ist, dass die vollen Stadien erst einmal wieder Geschichte sein werden. "Dass es am letzten Wochenende noch große Bundesligaspiele mit Zigtausenden von Besuchern gab, ist angesichts der dramatischen Lage im Land nicht mehr zu verantworten", hatte der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) im ZDF-Morgenmagazin gesagt. Grünen-Chef Robert Habeck hatte zudem erklärt: "Es war ein Fehler, dass die Bundesliga am Wochenende in vollen Stadien gespielt hat. Das ist völlig klar, das hätte man unterbinden sollen." Die Möglichkeit dazu habe auch schon bestanden.

Vor allem das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach (4:1) am Sonnabend vor 50.000 Zuschauern hatte die Debatte um die Geisterspiele befeuert. Zahlreiche Spitzenpolitiker und Experten äußerten ihr Unverständnis. Es sei "in diesen Zeiten kaum zu vermitteln", kritisierte auch Pistorius, dass Fußballspiele trotz einer sich verschärfenden Corona-Lage immer noch vor großen Zuschauerzahlen stattfinden. "Ich habe da so meine Probleme mit - und Sie alle wissen, dass ich leidenschaftlicher Fußball-Anhänger bin", sagte der 61-Jährige.

Regelungen nicht nur für den Fußball

"Aus meiner persönlichen Sicht passen volle Fußballstadien und eine Überlastung des Krankenhaussystems nicht zusammen, das entbehrt jeglicher Logik", erklärte der Bremer Virologe Andreas Dotzauer im "Weser-Kurier". "Die Zuschauer reisen an, reisen zurück, sitzen nach dem Spiel noch in Kneipen oder Restaurants, das sind alles Situationen, die sehr ansteckungsbehaftet sind."

Der geschäftsführende Kanzleramtsminister Braun hatte noch hinzugefügt: "Wir müssen Freizeitveranstaltungen deutlich zurückfahren." Deshalb dürften neben dem Fußball auch die anderen Sportarten betroffen sein.

Werder will mehr als 30.000 Zuschauer - außer Sachsen, Thüringer und Bayern

Werder Bremen will unterdessen zum Zweitliga-Heimspiel gegen Erzgebirge Aue am Freitag 31.600 Zuschauer ins Weserstadion lassen - allerdings keine Menschen aus "Regionen mit hohen Inzidenzen", hieß es in einer Club-Mitteilung. Gemeint seien damit vor allem die Bundesländer Sachsen, Thüringen und Bayern. "Auf Grundlage der zu erwartenden polizeilichen Verfügung müssen wir die Reisebewegungen von Werder-Fans, aber auch Anhängerinnen und Anhängern von Erzgebirge Aue aus den stark betroffenen Regionen vermeiden", sagte Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) kündigte für Mittwoch Gespräche mit dem Verein an. Er verfolge eher einen restriktiven Kurs, um Risiken zu vermeiden und könne sich die 2G-Regelung, also Einlass nur für Geimpfte und Genesene, auch mit Maskenpflicht vorstellen. Bei einer 2G-plus- Regelung, also Geimpfte, Genesene plus Negativtest-Nachweis, stelle sich die Frage, wie so viele Menschen getestet werden könnten.

Söder: Hohe Mobilität nicht verantwortbar

Es ist eine Sorge, die die Politik schon in dieser Woche abräumen könnte. So begründete Söder seine strikte Haltung auf Twitter mit genau diesem Punkt: "Die hohe Mobilität bei der An- und Abreise ist aktuell nicht verantwortbar. Der Fußball hat eine große Vorbildfunktion. Wir müssen jetzt überall Kontakte reduzieren."

Seit vergangenem Mittwoch gelten in bayerischen Fußballstadien eine Obergrenze von maximal 25 Prozent Auslastung und die 2G-Plus-Regel. Das heißt, geimpfte oder genesene Besucher müssen zusätzlich negativ getestet sein.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 30.11.2021 | 18:25 Uhr

NDR | Stand: 30.11.2021, 19:15

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