Trainer Steffen Baumgart: Offensiv und begehrt

Coach Steffen Baumgart vom SC Paderborn

NDR-Sport

Trainer Steffen Baumgart: Offensiv und begehrt

Von Johannes Freytag

Seit Steffen Baumgart seinen Abschied beim Fußball-Zweitligisten SC Paderborn verkündet hat, wird der gebürtige Rostocker beinahe täglich bei einem Club als neuer Trainer gehandelt. Auch bei Hannover 96 und beim Hamburger SV.

"Für mich ist es gerade schwierig, weil ich ein komisches Gefühl habe. Ich werde da wie eine Kuh durchs Dorf getrieben", sagte der 49-Jährige, "aber ich bin mir sicher, dass es mit denen, die in den Medien am lautesten gehandelt werden, am Ende am wenigsten etwas wird."

So sei beispielsweise Bundesliga-Absteiger Schalke 04 nie ein Thema gewesen und auch nicht der 1. FC Köln. Anders sieht es mit Hannover 96 aus. Dessen Geschäftsführer Martin Kind bezeichnete Baumgart als "priorisierten Kandidaten" und der 49-Jährige bestätigte der "Bild", dass er sich mit Kind bereits getroffen habe: "Aus meiner Sicht war es ein gutes Gespräch. Es ging darum, sich kennen zu lernen: Ich bin ich, das sind Sie."

Konkrete Verhandlungen seien aber nicht geführt worden. "Es war nur der Anfang, es gibt keine Entscheidung", sagte Baumgart, der aber hoffe, dass "es in die nächste Runde geht". Doch der Trainer machte auch klar: "Ich habe nicht nur 96 als Ansprechpartner." Mit dem Hamburger SV, der sich am Montag von Daniel Thioune trennte, gab es aber noch keinen Kontakt, versicherte Baumgart, übrigens bekennender HSV-Fan: "Aber ich kann nicht sagen, ob das auch in zwei Tagen noch so ist."

Philosophie: "Der kürzeste Weg zum Tor ist der beste"

Was macht Baumgart so begehrt? Vermutlich der bedingungslose offensive Tempofußball, den der einstige Mittelstürmer (64 Tore in 367 Erst- und Zweitligaspielen für Hansa Rostock, Energie Cottbus, Union Berlin und den VfL Wolfsburg) spielen lässt. Als er mit Paderborn in die Zweite Liga aufstieg, schossen die Ostwestfalen 90 Tore - noch immer Drittliga-Rekord. "Der kürzeste Weg zum Tor ist der beste", beschrieb Baumgart in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) seine Marschroute: "Die Jungs wissen: Es geht immer geradeaus! Genauso denken wir aber auch beim Ballanlaufen. Es geht immer um den Ball. Wir arbeiten so lange am Ball, bis wir ihn haben."

"Ich habe von meinen Eltern gelernt, dass man klar und ehrlich sein muss. Das war ich immer im Leben, und das war nicht immer zu meinem Vorteil."
— Steffen Baumgart

Der 49-Jährige lässt sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen. Als er sich um den Fußballlehrer-Lehrgang beim DFB bewarb, wurde er zunächst abgelehnt: "Da gilt es, nicht aufgeben, weitermachen! Ich hätte mich auch ein drittes, viertes Mal beworben, so lange, bis sie mich genommen hätten." Beharrlich arbeitete sich Baumgart als Trainer nach Anfängen in der Bezirksliga nach oben. Den Durchbruch feierte er in Paderborn - den sportlich abgestiegenen Drittligisten (nur die Lizenzverweigerung für 1860 München rettete die Ostwestfalen) führte er mit zwei Durchmärschen direkt in die Bundesliga.

Überzeugung wichtiger als Ergebnisse

Baumgart ist es wichtig, "Mut zu haben und eine klare Idee, wie man Fußball spielen will - aus Überzeugung und unabhängig von Ergebnissen. Wenn ich zur Halbzeit 3:0 hinten liege und deswegen aufhöre, dann wird das nichts. Wenn ich das Ergebnis aber ausblende und sage: Dieses und jenes müssen wir in der zweiten Halbzeit besser machen, dann könnte es noch was werden."

Exemplarisch verwies der 49-Jährige in der "SZ" dabei auf das Pokalspiel der Paderborner 2019 in Rödinghausen, das der SCP erst im Elfmeterschießen gewann: "Da haben wir zur Halbzeit 2:0 geführt und die zweite Halbzeit 3:1 verloren. Wenn Sie mich fragen, welches die bessere Halbzeit war: die zweite. Weil wir da trotz der Gegentore vieles besser umgesetzt haben von dem, wie wir grundsätzlich Fußball spielen wollen."

Keine Scheu und konstruktiv

Baumgart ist ein Freund klarer und offener Worte - und eckt damit auch an. Nicht von ungefähr war er im vergangenen Jahr der erste Vereinsoffizielle in der Bundesliga, der nach der Einführung der Regelung eine Gelbe Karte sah. Aber der 49-Jährige sucht bei aller Kritik stets das Konstruktive, das Positive: "Mir wird immer viel zu viel darüber gesprochen, was alles nicht geht. Wir erzählen den Spielern lieber, was geht. Geht dann wirklich mal was nicht, suchen wir eine Lösung. Die haben wir bisher noch immer gefunden."

Dieser Ansatz würde auch in Hannover und Hamburg helfen, wo die Sehnsucht nach der Rückkehr in die Bundesliga groß ist.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 04.05.2021 | 16:25 Uhr

NDR | Stand: 04.05.2021, 22:45

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