Der spanische Tennis-Profi Carlos Alcaraz

NDR-Sport Tennis am Rothenbaum: Alcaraz kommt - Turnier-Zukunft offen

Stand: 23.06.2022 11:19 Uhr

Senkrechtstarter Carlos Alcaraz hat seine Zusage für das ATP-Tennissturnier am Rothenbaum gegeben. Der Spanier geht als Favorit in das traditionsreiche Sandplatzturnier, dessen Zukunft nach 2023 offen ist.

"Ich werde versuchen, meine Spuren in der Geschichte der Hamburg European Open zu hinterlassen - einem Turnier, bei dem spanische Spieler immer sehr erfolgreich waren", sagte der 19-Jährige. Alcaraz feierte in diesem Jahr Siege in Rio de Janeiro, Miami, Barcelona und Madrid. Bei den French Open war für den aus Murcia stammenden Tennisspieler zuletzt allerdings bereits im Viertelfinale Endstation. Er scheiterte in vier Sätzen am Hamburger Alexander Zverev.

In Hamburg will Alcaraz vom 16. bis 24. Juli seinen Landsleuten nacheifern. Allein seit der Jahrtausendwende ging der Rothenbaum-Titel durch Topstar Rafael Nadal (2008 und 2015), Albert Portas (2001), Tommy Robredo (2006) und Pablo Carreno Busta (2021) fünfmal nach Spanien.

Otte als einziger Deutscher direkt qualifiziert

Einer von Alcaraz' Konkurrenten bei der Sandplatzveranstaltung wird Oscar Otte sein. Der Kölner, der sich binnen eines Jahres in der Weltrangliste um mehr als 100 Plätze auf Rang 37 vorgearbeitet hat, gab ebenfalls seine Zusage für das Männer-Turnier der ATP Tour 500. "Der Rothenbaum ist das prestigeträchtigste deutsche Turnier und hat einen enorm hohen Stellenwert für mich", erklärte der 28-Jährige. Otte ist der einzige direkt für das Hauptfeld qualifizierte deutsche Tennis-Profi. In Hamburg war er bis dato nie über die die Qualifikation hinausgekommen.

Erstmals seit 1978: Frauen und Männer gemeinsam am Rothenbaum

Herren- und Frauenturnier wieder gleichzeitig

Bei den Frauen stehen in Turnierbotschafterin und Vorjahresfinalistin Andrea Petkovic aus Darmstadt sowie Jule Niemeier (Dortmund) zwei deutsche Spielerinnen im 32er-Hauptfeld, das von Australian-Open-Finalistin Danielle Collins (USA) angeführt wird. Erstmals seit 1978 kämpfen Frauen und Männer in Hamburg wieder in derselben Turnierwoche um den Titel.

Nächster Neustart am Rothenbaum?

Ob dieser Status über 2023 Bestand haben wird, ist allerdings ungewiss. Der Deutsche Tennis-Bund (DTB) hat die Lizenz für das Herrenturnier ab 2024 neu ausgeschrieben. Veranstalter Peter-Michael Reichel hatte sich darüber und auch über das Verhalten des Verbandes gewundert. "Wir hatten nur einen Anruf, dass wir kein Turnier mehr bekommen sollen. Wir warten noch auf eine schriftliche Stellungnahme, auch mit der Begründung", hatte der Österreicher dem NDR zuletzt gesagt.

Er wirft dem DTB eine Hinhaltetaktik vor: "Wir hatten eine klare Vereinbarung mit dem DTB, dass wir im zweiten Halbjahr 2020 die Zukunft des Turniers klären müssen. Bedauerlicherweise hat man uns seit Anfang 2021 hingehalten und immer wieder vertröstet", so Reichel. "Das verstehen wir überhaupt nicht. Man hätte ja auch ganz klar sagen können: Wir wollen nicht weitermachen."

"Einige Interessenten für das Herrenturnier"

Der größte Tennis-Verband der Welt will verständlicher Weise das wirtschaftlich beste Angebot finden. "Es gibt einige Interessenten, die das Herrenturnier in Hamburg gern ausrichten wollen. Unsere Aufgabe als DTB ist es, die beste Lösung für den Verband zu finden, deshalb haben wir eine neue Ausschreibung vorgenommen", sagte DTB-Präsident Dietloff von Arnim dem "Abendblatt". Mittlerweile sollen beide Seiten nur noch über Anwälte kommunizieren.

"Wir sind hundertprozentiger Eigentümer der Lizenz. Wir können in Hamburg ein Damenturnier veranstalten, sonst niemand."
— Peter-Michael Reichel

Die Lizenz für das WTA-Turnier hält wiederum Reichel. "Wir sind hundertprozentiger Eigentümer dieser Lizenz. Wir können in Hamburg ein Damenturnier veranstalten, sonst niemand", sagte der Österreicher. Möglich also, dass ab 2024 zwei verschiedene Veranstalter Herren- und Damenturnier in der Hansestadt ausrichten.

Innensenator Grote: "Entscheidet alleine der DTB"

Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote bezeichnete das traditionsreiche Turnier als eines "der ausstrahlungstärksten Sportevents in Deutschland" und betonte: "Wir haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass wir sehr gerne mit Sandra Reichel und ihrem Vater zusammenarbeiten." Der SPD-Politiker meinte jedoch: "Aber wir sind nicht Inhaber der Lizenz. Das ist der DTB. Und das entscheidet alleine der DTB."

Dass die Familie Reichel - Tochter Sandra ist Turnierdirektorin am Rothenbaum - nach 2023 noch im Boot ist, erscheint in der Gemengelage unwahrscheinlich. "Das Turnier war schon ein bisschen angeschlagen würde ich sagen und ist jetzt wieder auf einem Toplevel. Umso trauriger, dass wir es vielleicht nicht fortsetzen können", sagte Peter-Michael Reichel. "Wir werden wahrscheinlich mit einem riesen Defizit aus dem Ganzen rausgehen."

Dieses Thema im Programm:
NDR 90,3 Aktuell | 22.06.2022 | 19:00 Uhr