Teamcheck HSV: Die Ansprüche werden kleiner

HSV-Coach Daniel Thioune gibt seinen Spielern Anweisungen.

NDR-Sport

Teamcheck HSV: Die Ansprüche werden kleiner

Von Sebastian Ragoß, NDR.de

Der Hamburger SV startet in seine dritte Zweitliga-Saison. Doch anders als in den vergangenen beiden Spielzeiten ist er kein klarer Aufstiegskandidat. Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

Der HSV startete stark in die Spielzeit, schlug unter anderem den VfB Stuttgart mit 6:2 und setzte sich früh auf den Aufstiegsrängen fest. Doch wie ein Jahr zuvor ging den Hamburgern in der Rückrunde die Luft aus. Nach der Corona-Pause gelangen nur noch zwei Siege, regelmäßig kassierte das Team in der Schlussphase entscheidende Gegentore.

So auch am vorletzten Spieltag beim direkten Konkurrenten 1. FC Heidenheim (1:2). Ein Remis zum Saisonabschluss gegen Sandhausen hätte trotzdem zum Erreichen der Relegation gereicht, doch es setzte eine deprimierende 1:5-Pleite. So beendete der HSV die Spielzeit wieder auf Platz vier.

Wer kommt, wer geht?

Nach dem erneut verpassten Aufstieg holte der HSV drei Routiniers jenseits der 30: Stürmer Simon Terodde, Mittelfeldmann Klaus Gjasula und Abwehrspieler Toni Leistner. "Säulenspieler" nannte Sportvorstand Jonas Boldt das Trio. Bei der Pokal-Niederlage in Dresden (1:4) waren die Säulen Gjasula und Leistner jedoch arg wackelig. Letzterer sorgte zudem mit einem tätlichen Angriff auf einen Dynamo-Fan für Negativschlagzeilen.

Die finanzielle Lage setzt den Hamburger in Sachen Personalplanung sehr enge Grenzen. Deshalb gelang es auch nicht, zumindest einen oder zwei der ausgeliehenen Profis zu halten. Obwohl vor allem in der Defensive noch dringend Handlungsbedarf besteht, wird es für die Hamburger schwierig werden, weitere Verstärkungen zu holen.

Der Trainer: Daniel Thiounes große Herausforderung

Aus dem familiären Osnabrück auf den Schleudersitz beim HSV: Daniel Thioune geht ein Abenteuer ein. "Ich brauche da niemandem etwas vorzumachen, die Herausforderung Hamburger SV ist groß", sagte er nach seinem Wechsel und betonte vor Kurzem: "Wir werden auch noch mal stolpern." Dass der Stolperer in Dresden derart heftig ausfiel, hatte er aber wohl nicht erwartet.

Doch Thioune kann mit Rückschlägen umgehen. Beim VfL Osnabrück erlebte er zu Beginn seiner Amtszeit eine lange Durststrecke, krempelte dann das Team um und stieg mit den Lila-Weißen 2019 überraschend in die Zweite Bundesliga auf. Widerstandsfähigkeit wird der Coach beim HSV mehr denn je beweisen müssen. Und sich an den Erwartungen messen lassen, dass er eine Mannschaft entwickeln und junge Spieler besser machen kann.

Ausblick auf die Saison

Anders als in den vergangenen zwei Jahren geht der HSV nicht als klarer Aufstiegskandidat in die Saison, trotz eines immer noch verhältnismäßig hohen Etats. Auch die Club-Verantwortlichen wollen keine offensive Zielsetzung formulieren.

Im Kader gibt es noch einige Schwachstellen, zudem stellt sich die Frage: Ist das Team mental und vor allem physisch in der Lage, in der sehr eng getakteten Saison regelmäßig sein Potenzial voll auszuschöpfen? Wenn ja, gehört der HSV sicherlich zur Spitzengruppe. Wenn nicht - wofür derzeit mehr spricht - wird es wohl nur für einen Mittelfeldplatz reichen.

Dieses Thema im Programm:
NDR Info | 15.09.2020 | 14:00 Uhr

NDR | Stand: 16.09.2020, 16:28

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