Teamcheck: Der VfL Wolfsburg muss sich neu erfinden

Wolfsburgs Trainer Florian Kohfeldt (r.) diskutiert mit VfL-Profi Maximilian Arnold.

Fußball | Bundesliga

Teamcheck: Der VfL Wolfsburg muss sich neu erfinden

Von Johannes Freytag

Als Champions-League-Starter in die Saison gegangen, liegt der VfL Wolfsburg derzeit in der Fußball-Bundesliga nur knapp vor den Abstiegsrängen. Trainer Florian Kohfeldt verspricht für die Rückrunde ein anderes Gesicht seiner Mannschaft.

So lief die Hinrunde

Die Wolfsburger gingen nach dem Abschied von Oliver Glasner mit einem neuen Chefcoach in die Saison. Mark van Bommel musste zwar das Erstrunden-Aus im DFB-Pokal wegen eines Wechselfehlers verantworten, dafür lief es in der Liga zunächst umso besser. Das 2:0 in Fürth war der vierte VfL-Sieg im vierten Spiel - die "Wölfe" grüßten nach dem besten Start ihrer Bundesligageschichte von der Tabellenspitze. Erst am sechsten Spieltag gab es bei der TSG Hoffenheim (1:3) die erste Niederlage. Sie läutete allerdings das Ende für van Bommel ein, der Mitte Oktober nach acht sieglosen Pflichtspielen in Folge gehen musste.

Florian Kohfeldt übernahm und feierte mit drei Pflichtspielsiegen in Serie einen gelungenen Einstand. Doch der Effekt des Trainerwechsels verpuffte schnell. Lediglich in Bielefeld (2:2) gab es anschließend noch einen Punkt, ansonsten hagelte es Niederlagen. Das 0:4 beim FC Bayern zum Hinrundenabschluss war die fünfte hintereinander. Zudem scheiterte der VfL nach einem 1:3 gegen Lille auch in der Gruppenphase der Champions League.

Wer kommt, wer geht?

Spekulationen um einen Abgang von Wout Weghorst oder Maxence Lacroix erteilte VfL-Sportchef Marcel Schäfer im NDR Interview eine Absage. Es sei nicht zu befürchten, dass ein Stammspieler den Club verlasse: "Das Thema wird auch immer nur von außen hereingetragen. Wir mussten uns bislang damit nicht auseinandersetzen."

"Wir sind nicht dafür bekannt, in falschen Aktionismus zu verfallen, nur weil wir mal in einer schwierigen Phase sind."
— VfL-Sportchef Marcel Schäfer über mögliche Transfers

Angesichts der verletzungsbedingten Ausfälle von Paulo Otavio und Lukas Nmecha könnte der VfL noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen, die GSN-Datenanalyse offenbarte zudem den Schwachpunkt linke Außenbahn. Schäfer gibts sich allerdings zurückhaltend: "Die Jungs haben schon bewiesen, dass sie das deutlich besser können." Auch Trainer Kohfeldt glaubt an den vorhandenen Kader: "Nein, uns fehlt nicht Qualität, wir brauchen eine andere Haltung und eine andere Art, Fußball zu spielen. Und dann werden wir unsere Qualität, die wir zweifellos haben, auch auf den Platz bringen."

Der Trainer

Kohfeldt ist optimistisch, dass ihm der Turnaround gelingen wird: "Wir werden einen anderen VfL Wolfsburg sehen." Der 39-Jährige setzt darauf, dass er nach den vielen englischen Wochen im Herbst nun erstmals die Gelegenheit hat, im Training Abläufe und Automatismen einzustudieren. Seine Forderung an die Mannschaft: "Wir müssen mit deutlich mehr Aggressivität, Dynamik und auch Freude Fußball spielen." Vor allem in der Offensive müsse der VfL schneller agieren.

VfL-Trainer Kohfeldt: "Uns fehlt es nicht an Qualität" Verfügbar bis 23.02.2022

Erwartungen an die Saison

Acht Punkte Rückstand haben die Wolfsburger auf Platz vier, der zur erneuten Teilnahme an der Champions League berechtigen würde. Allerdings liegen sie auch nur drei Zähler vor dem Abstiegs-Relegationsrang. Deshalb mahnte Manager Jörg Schmadtke: "Ich schaue schon sehr kritisch auf die Situation, die wir uns selbst eingebrockt haben. In erster Linie schaue ich schon nach unten - das muss abgesichert werden."

Mit dem reinen Klassenerhalt kann und will sich der 57-Jährige aber nicht zufriedengeben: "Aber dennoch ist die Saison damit für uns ja nicht beendet. Ich muss immer nach dem Maximalen streben." Ob das ursprüngliche Saisonziel Europa tatsächlich noch erreicht werden kann, ist höchst fraglich. Nimmt man die Tabelle der Vorsaison, müssten sich die "Wölfe" deutlich steigern und aus den verbleibenden 17 Spielen noch 30 Punkte für die Europa League holen, für die Champions League gar 41 - ganz zu schweigen davon, dass andere Teams entsprechend einbrechen müssten.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 02.01.2022 | 11:25 Uhr

NDR | Stand: 02.01.2022, 10:08

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