Blindenfußballerin Thoya Küster vom Bundesligisten FC St. Pauli

Blindenfußball St.-Pauli-Spielerin Küster schießt Blindenfußballerinnen zum EM-Titel

Stand: 07.06.2022 14:59 Uhr

Deutschland hat die erste Europameisterschaft für Blindenfußballerinnen gewonnen. Beim Turnier im italienischen Pescara überragte dabei Thoya Küster vom FC St. Pauli.  

In den beiden Finalspielen gegen England war die 16-Jährige nicht zu stoppen. Küster, die seit ihrem neunten Lebensjahr Blindenfußball spielt und mit 13 in der Bundesliga debütierte, erzielte bei den beiden 4:0-Erfolgen der deutschen Auswahl alle Tore. Sie wurde anschließend zur Spielerin des Turniers gewählt und zeigte sich im Interview mit dem EM-Ausrichter, der International Blind Sports Federation (IBSA), überglücklich.

"Ich habe mich so frei gefühlt auf dem Platz. Torschützenkönigin geworden zu sein, ist ein unbeschreibliches Gefühl", sagte Küster.

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Sieben St.-Pauli-Spielerinnen im deutschen Aufgebot

Die 16-Jährige war eine von sieben St.-Pauli-Spielerinnen im insgesamt zehn Akteurinnen umfassenden deutschen Aufgebot. Neben Küster gehörten noch Jana Marquart, Johanna Weymann, Jenny Dabelstein, Pia Rink, Svenja Bartels (wurde zur besten EM-Keeperin gewählt) und Alisa Rudi vom Hamburger Stadtteilclub zum Kader von Bundestrainer Wolf Schmidt. Der Coach ist ebenfalls St. Paulianer. So wie auch Sven Gronau, Antje Küster, Julius Kolbeck und Michael Hain, die zum Betreuerstab gehörten.

"Die Engländerinnen sind schon länger beim Blindenfußball der Frauen dabei und sind sehr professionell. Deshalb ist es für uns ein sensationeller, ein Wahnsinns-Erfolg. Und ich bin sehr stolz, dass wir als erstes Team der Frauen überhaupt bei diesem internationalen Erfolg mit teilhaben durften", erklärte Schmidt.

Crowdfunding-Aktion ermöglichte EM-Teilnahme

Deutschlands Start bei der EM in Italien war bis wenige Wochen vor Turnierbeginn fraglich gewesen. Da Blindenfußball bisher nur bei den Männern eine paralympische Sportart ist, sieht das deutsche Sportfördersystem keine Förderung eines Frauen-Nationalteams vor. Um die Meldegebühren für die Europameisterschaft (pro Person 1.260 Euro) bezahlen zu können, starteten die Spielerinnen eine Crowdfunding-Aktion, die zu einem vollen Erfolg wurde. Zudem konnten weitere Fördermittel generiert werden, sodass die Kosten für den Start in Pescara gedeckt werden konnten und die Reise an die Adria für das Team zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.

"Es ist eine phantastische Erfahrung. Ich habe keine Worte für die Gefühle, die wir gerade haben", sagte Jana Marquart und sprach damit wohl allen ihrer Teamkameradinnen aus der Seele.

Dieses Thema im Programm:
Hamburg Journal | 07.06.2022 | 19:30 Uhr