Skateboarder Denny Pham träumt von Olympia in Tokio

Skateboarder Denny Pham

NDR-Sport

Skateboarder Denny Pham träumt von Olympia in Tokio

Denny Pham hat es von der "Platte" in Rostock in die Weltspitze der Street-Skater geschafft. Dank seines Talents und eines geschenkten Boards hat der 31-Jährige einen steinigen Weg gemeistert - und hofft nun auf einen Olympia-Startplatz.

Als Teenager hat Pham alles auf eine Karte gesetzt. Aufstehen, Kumpels treffen, skaten, schlafen - so sah sein Alltag lange aus. "Skateboarden war für mich wie ein neues Zuhause. Es ist mein Treibstoff und Antrieb. Es war mein Anker, den ich brauchte, ansonsten hatte ich ja nichts", blickt er zurück. In der fünften Klasse schenkte ihm ein Schulfreund sein erstes Skateboard - ein Wendepunkt in Phams Leben. Als Jugendlicher reiste er für Wettkämpfe erstmals nach Berlin: "Da habe ich gemerkt: Hier geht was, hier gibt's Contests, Skateparks - und die Mentalität ist eine andere."

Mit 19 Jahren wagte er den Sprung in die Hauptstadt und ergatterte dort "mit ein bisschen Glück" gleich mehrere gute Sponsorenverträge: "Das Skaten hat mir Selbstvertrauen und Halt im Leben gegeben." Im Sommer könnte Pham nun sogar an der olympischen Skate-Premiere in Tokio teilnehmen.

Harte Jahre in Rostock-Evershagen

Wenige Wochen vor dem Fall der Mauer erblickte der Profi-Skater als Sohn einer deutschen Mutter und eines vietnamesischen Vaters in Rostock-Evershagen das Licht der Welt. In den folgenden Wendejahren erfuhr die Familie aus nächster Nähe, wie sich die sozialen Spannungen der Bevölkerung im Hass auf Minderheiten entluden. Trauriger Höhepunkt waren die rechtsextremen Brandanschläge im August 1992 auf das Sonnenblumenhaus im benachbarten Stadtteil Lichtenhagen. "Ich war noch sehr jung und nicht in dem Haus, aber meine Eltern waren da, um Freunde zu besuchen. Erst über die Jahre sind immer mehr Informationen zu mir durchgesickert."

"Das waren Leute, die ihr Bier vom Asia-Imbiss beziehen, aber dann trotzdem Sprüche gegen Ausländer bringen."
— Denny Pham

Als Heranwachsender musste der 31-Jährige die Erfahrung machen, "dass die sogenannten Baseballschlägerjahre ein reales Ding sind". Bei seinen Skate-Touren durch Rostocks Straßen konnte Pham dem Stress zwar meist aus dem Weg gehen, doch "in der Platte" in Evershagen war er immer wieder verbalen Anfeindungen ausgesetzt: "Das waren Leute, die ihr Bier vom Asia-Imbiss beziehen, aber dann trotzdem Sprüche gegen Ausländer bringen. Das war absurd."

Kampf um einen von nur 20 Olympia-Startplätzen

Skateboarder Denny Pham

Den Winter verbringt Pham in Barcelona, wo er Tag für Tag nach neuen Hindernissen und Herausforderungen sucht. Als derzeit bester deutscher Street-Skater muss er im weltweiten Quali-Ranking allerdings noch Punkte gutmachen, um sich einen der begehrten 20 Olympia-Startplätze zu sichern.

"Es wird ein sehr schwieriges Unterfangen", gesteht der technisch versierte Fahrer. Auch wenn das Thema Olympia von Teilen der Skater-Szene kritisch beäugt wird, will sich Pham für seinen Traum von Tokio in Skateparks "speziell vorbereiten". Nach einer jahrelangen Odyssee im skateboardfremden Deutschland hofft er nun, dass "Olympia dem Otto Normalverbraucher das Skaten als Wettkampfsport noch mal verständlicher macht". Wie immer in seinem Leben soll sein Brett ihm dabei helfen.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 23.02.2021 | 12:25 Uhr

NDR | Stand: 24.02.2021, 10:00

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