NDR-Sport Matchwinner Reis lässt HSV vom Aufstieg träumen

Stand: 21.05.2022 15:11 Uhr

Sie sind nah dran. Schon mit einem Remis im Relegations-Rückspiel gegen Hertha BSC am Montagabend kehrt der HSV in die Fußball-Bundesliga zurück. Ludovit Reis hat diese gute Ausgangslage geschaffen - mit einem Tor der besonderen Art.

Von Christian Görtzen

Als es darum ging, den entscheidenden Moment genauer zu beschreiben, stieß selbst der Mann des Abends an seine Grenzen. "Ich habe den Ball geschossen und der ging rein - glücklich", sagte Reis im NDR Interview lächelnd. Und überhaupt, befand der Matchwinner des HSV im Relegations-Hinspiel bei Hertha BSC (1:0), sei es doch egal, wie das Tor in der 57. Minute zustande gekommen war.

Aus Sicht der Hertha-Anhänger war es in der Beurteilung wohl mindestens ein krummes Ding. Der eine oder andere HSV-Fan könnte dagegen darin sogar besondere Fußballkunst gesehen haben. In jedem Fall beförderte Reis den Ball von der linken Außenbahn aus spitzem Winkel mit links in Richtung Hertha-Tor. Die Kugel flog in einem Bogen über den Berliner Keeper Oliver Christensen hinweg, klatschte an den hinteren Pfosten und sprang ins Netz. "Eigentlich hätte es 0:0 ausgehen sollen. Aber einem Spieler ist der Ball abgerutscht", bilanzierte Hertha-Trainer Felix Magath. "Das war der Unterschied".

HSV will am Montagabend die Krönung

Die Entstehung des Siegtores war sicher glücklich. Doch die Wahrheit ist: Der Zweitliga-Dritte setzte sich im ersten Duell mit dem Drittletzten der Bundesliga verdient durch. Hamburg war das engagiertere, entschlossenere und damit bessere Team.

Im Rückspiel am Montag (20.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) im Volksparkstadion kann die Mannschaft von Trainer Tim Walter nun tatsächlich ihre Aufholjagd der vergangenen Wochen (sechs Siege in Folge) krönen und in die Bundesliga zurückkehren. Nach dann vier Jahren Abwesenheit.

Reis trotz jungen Alters mit spannender Vita

Für Reis persönlich wäre es ein glanzvolles Kapitel in einer Vita, die trotz seiner erst 21 Jahre schon einige besondere Einträge vorweist. So hat der Sohn slowakischer Eltern es nicht nur in die niederländische U19 und U21 geschafft, sondern auch zum ruhmreichen FC Barcelona.

Zur Saison 2019/2020 wechselte der in Haarlem geborene Mittelfeldspieler vom FC Groningen zum 26-maligen spanischen Meister. Reis unterschrieb einen Dreijahresvertrag mit Option auf zwei weitere Spielzeiten, Medienberichten zufolge war darin eine Ausstiegsklausel in Höhe von 100 Millionen Euro enthalten.

Vom FC Barcelona zum VfL Osnabrück

In Barcelona kam er allerdings nicht über Einsätze in der zweiten Mannschaft hinaus und wechselte so im Oktober 2020 auf Leihbasis zum damaligen Zweitligisten VfL Osnabrück. Dort wurde er zügig zur Stammkraft, avancierte gar zu einem der besten Mittelfeldspieler der Zweiten Liga - und stieg dennoch am Ende mit den Lila-Weißen in die Dritte Liga ab.

Reis kehrte nicht zum FC Barcelona zurück, sondern ging zum HSV. Und das könnte sich spätestens am Montag als goldrichtige Entscheidung herausstellen - wenn die Hanseaten das Relegations-Duell mit Hertha für sich entscheiden. Nach einer Karriere mit Höhen und Tiefen wäre Reis dann in der Bundesliga angekommen. Der Auftritt in Berlin macht auf jeden Fall Mut für die zweite Begegnung mit der "alten Dame".

"Wir hatten in Berlin das Gefühl, das Spiel zu kontrollieren, und das war ein gutes Gefühl."
— HSV-Matchwinner Ludovit Reis

Nach dem Schlusspfiff in Berlin ließen sich Reis und seine Teamkollegen von den 20.000 mitgereisten HSV-Fans kräftig feiern. Doch entschieden, das betonten sie unisono, sei noch nichts. Als warnendes Beispiel dient Holstein Kiel: Der Zweitligist hatte im Vorjahr das Relegations-Hinspiel ebenfalls mit 1:0 gewonnen, kam dann aber zu Hause gegen den 1. FC Köln mit 1:5 unter die Räder.

Optimismus und Entschlossenheit im HSV-Team

Walter versprühte nach dem Schlusspfiff im Teamkreis Optimismus. "Ich habe ihnen gesagt, dass wir uns auf das zweite Spiel freuen. Wir wollen das genießen, und wir wollen gewinnen", verriet er strahlend. Reis äußerte sich nicht ganz so forsch wie sein Coach und sagte in seinem auf Englisch geführten Interview einen einzigen Satz auf Deutsch, dem wohl nichts hinzuzufügen ist: "Am Montag geht es weiter."

Dieses Thema im Programm:
Hamburg Journal | 20.05.2022 | 19:30 Uhr