Klaus-Michael Kühne (r.)

Hamburger SV Kühne bietet 120 Millionen - zu seinen Bedingungen

Stand: 12.08.2022 11:39 Uhr

Einen Tag nach der Trauerfeier für Uwe Seeler hat Milliardär Klaus-Michael Kühne dem Hamburger SV eine Finanzspritze über 120 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Sein Angebot knüpft der 85-Jährige allerdings an Bedingungen. Das "Abendblatt" berichtet zudem von einem Abwahlantrag gegen Vorstand Thomas Wüstefeld.

Das Geld über die Kühne Holding AG des bei den Fans umstrittenen Logistik-Unternehmers würde nur fließen, wenn der finanziell angeschlagene Zweitligist einem "Zehn-Punkte-Programm zur Sanierung des Hamburger Traditionsvereins" zustimmt, teilte der Investor am Donnerstagnachmittag mit.

Kühne will bei Besetzung der Spitzengremien mitreden

Besonders pikant ist Punkt neun der Kühne-Bedingungen, darin heißt es: "Aufsichtsrat und Vorstand der HSV Fußball AG werden so besetzt", dass der Club "ordnungsgemäß, kompetent und erfolgsorientiert geführt wird". Das lässt zum einen viel Interpretationsspielraum. Zum anderen ist es ein klarer Seitenhieb auf die bisherige Führung. Das Verhältnis zwischen Kühne und Vorstandsmitglied Thomas Wüstefeld gilt als zerrüttet.

Streit zwischen Boldt und Wüstefeld belastet den HSV - und nun?

Der Medizin-Unternehmer hatte im vergangenen Jahr Anteile von Kühne erworben und besitzt 5,11 Prozent an der AG. Zuletzt hatte er den in der Schweiz lebenden Kühne heftig kritisiert, weil er sich über die dramatische finanzielle Situation des Clubs nicht vollständig informiert gefühlt hatte. Laut "Hamburger Abendblatt" will Wüstefeld sogar die Kühne Holding verklagen. Der Vorsitzende der Holding, Karl Gernandt, bestätigte der Zeitung die "juristische Auseinandersetzung".

Kühne kommt Wüstefeld zuvor - Klage und Abwahlantrag

Wüstefeld hatte vor einigen Tagen angekündigt, ein Konzept zur Sanierung des vor 22 Jahren umgebauten Volksparkstadions für die EM 2024 vorzulegen. Das will er auf der Aufsichtsratssitzung am Freitagabend tun. Da die von der Stadt für das Stadiongrundstück zur Verfügung gestellten 23,5 Millionen Euro längst ausgegeben sind, müssen nun Investoren, Kreditgeber und Bürgen gefunden werden. Kühne ist dem Finanzvorstand nun in die Parade gefahren.

Wüstefeld finde es "gut für den HSV, wenn auch andere wie Herr Kühne sich bewegen", sagte der Medizin-Unternehmer am Donnerstag und gab sich mit Blick auf die Offerte aus der Schweiz diplomatisch. "Das ist in jedem Fall gut für den Verein." Nach Informationen des "Hamburger Abendblatt" gibt es allerdings einen Abwahlantrag gegen Wüstefeld. Der Finanzvorstand liegt schon seit längerem im Streit mit Sportvorstand Jonas Boldt. Der Aufsichtsrat hat es bislang vermieden, sich öffentlich zu positionieren.

Investor will Anteile auf 39,9 Prozent erhöhen

Zudem möchte sich Kühne das Recht geben lassen, wie der Mutterverein "zwei von ihnen benannte Personen in den Aufsichtsrat zu entsenden". Außerdem strebt der Investor an, über die mögliche Kapitalerhöhung die Aktienverteilung der ausgegliederten Fußball AG neu zu ordnen, der HSV e.V. solle nur noch 50,1 Prozent (bisher rund 75 Prozent) halten, die Kühne Holding AG dafür dann "ca. 39,9" Prozent (bisher rund 15 Prozent).

Genau dieser Punkt "dürfte schwierig werden, was den e.V. angeht", sagte Wüstefeld. Denn laut Satzung dürfen nicht mehr als 24,9 Prozent an andere Anteilseigner als den Verein veräußert werden. Dazu wäre eine Zustimmung der Mitglieder mit einer Dreiviertelmehrheit auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung notwendig.

Millionen für Rechte an Umbenennung in "Uwe-Seeler-Stadion"

Zudem bekräftigte Kühne seinen bereits getätigten Vorschlag, das Volksparkstadion in "Uwe-Seeler-Stadion" umbenennen zu lassen. "Für die Dauer von 10 Jahren" sei er bereit, "eine jährliche Vergütung für das Namensrecht von EUR 3-4 Mio. an die HSV Fußball AG zu entrichten, insgesamt also im Zehnjahreszeitraum EUR 30-40 Mio.", wie es in einer Mitteilung hieß. 

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Sport aktuell | 11.08.2022 | 16:17 Uhr