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Krise beim VfL Wolfsburg: Kohfeldts Optimismus reicht nicht

Stand: 24.01.2022, 16:27 Uhr

Die Negativserie des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg hält an, ebenso der Optimismus von Trainer Florian Kohfeldt. Aber: Gelingt in zwei Wochen gegen Liga-Schlusslicht Fürth kein Sieg, dürften seine Tage gezählt sein.

Von Johannes Freytag

Es lief die 40. Minute der Bundesligapartie in Leipzig, als sich das ganze aktuelle Wolfsburger Dilemma binnen weniger Sekunden offenbarte: Erst traf Jérôme Roussillon den Ball nicht richtig, dann scheiterte Aster Vranckx aus kurzer Distanz am gegnerischen Keeper, schlug Luca Waldschmidt über den Ball (und verletzte sich dabei auch noch) und schließlich wurde Yannick Gerhardts Schuss abgefälscht und verfehlte das Tor.

Slapstick pur, aber zum Lachen war Maximilian Arnold nach der Partie nicht: "Wie das so ist in solchen Situationen: Wenn es scheiße läuft, läuft's scheiße", packte der Mittelfeldspieler eine alte "Fußballer-Weisheit" aus.

Die Offensivschwäche ist offensichtlich...

Fakt ist auch: Wer keine Tore schießt, kann nicht gewinnen - und beim VfL steht vorne viel zu oft die Null. Lediglich 17 Treffer aus 20 Partien schlagen für die Niedersachsen bislang zu Buche - kein Bundesligist hat weniger erzielt (Fürth ebenfalls 17). In den jüngsten sieben Spielen blieben die Wolfsburger sechs Mal ohne Torerfolg. 0:3, 0:2, 2:3, 0:4, 0:1, 0:0, 0:2 lautet die desaströse Bilanz, Wout Weghorsts Treffer beim 2:3 gegen Köln am 14. Dezember war das letzte Erfolgserlebnis.

Der Niederländer kann als exemplarisch für die Offensivschwäche des VfL angeführt werden: Der einstige Torgarant (17, 16 und 20 Treffer in den vergangenen drei Spielzeiten) hat in 18 Partien bislang erst sechs "Buden" auf dem Konto. Ebenso viele wie Lukas Nmecha - der fällt aber derzeit verletzt aus. Der dritt-"beste" Wolfsburger Schütze ist Ridle Baku mit zwei Toren.

... und lässt die Defensivstärke verpuffen

Weil es vorne mit dem Toreschießen nicht klappt, nützt es dem VfL derzeit auch nichts, hinten weitestgehend stabil zu verteidigen. Gegen Leipzig machte die Wolfsburger Defensive ein gutes Spiel, ließ lediglich eine Handvoll Chancen zu. Zwei davon mündeten in die entscheidenden Gegentreffer.

"Ich weiß, dass jeder sagt 'Der erzählt immer, wir brauchen Zeit', aber man hat jetzt gesehen, welche Schritte die Mannschaft macht. Und jetzt haben wir wieder zwei Wochen Zeit, die nächsten Schritte zu gehen."
— VfL-Trainer Florian Kohfeldt

Trainer Kohfeldt sah denn auch "leistungsmäßig einen Schritt nach vorne" und lobte vor allem das Engagement und das Zweikampfverhalten seiner Mannschaft. Gleichwohl fühle es sich "beschissen" an, dass man trotz der guten Leistung nichts Zählbares habe mitnehmen können, so der 39-Jährige weiter.

Kohfeldt: Sieg gegen Fürth soll die Wende bringen

Aber deshalb sei es gut, "dass wir jetzt die zwei Wochen haben. Ich bin fest überzeugt, dass wir gegen Fürth den Sieg holen werden, der dann auch hoffentlich im Kopf vieles lösen wird", so die Hoffnung des VfL-Coachs, der mit Enthusiasmus in die Länderspielpause geht. Das kann er auch: Er hat alle Profis an Bord, muss keine Nationalspieler abstellen - allerdings ist die To-do-Liste auch lang.

Arnold: "Verhältnis ist intakt"

"Grundsätzlich sehe ich meine Mannschaft schon in einer offensiven Verteidigung mit hohem Pressing", erklärte Kohfeldt und ergänzte: "Ich würde gerne mit einer Dreierkette spielen." Und die Mannschaft sei bereit, diese Dinge umzusetzen. "Mit voller Überzeugung", fügte der Coach an. In der Tat bestätigte "Leitwolf" Arnold ein "intaktes Verhältnis" - sowohl innerhalb der Mannschaft als auch zum Trainer.

"Maximales Vertrauen" von der Clubführung

Volle Rückendeckung hat Kohfeldt auch noch in der Clubführung. Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer meinte klar und unmissverständlich: "Ja. Es ist auch so, dass wir gemeinschaftlich durch diese Phase gehen wollen." Kohfeldt ergänzte, es herrsche "maximales Vertrauen" zwischen ihm, Schäfer und Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke: "Ich freue mich über die glasklare Rückendeckung und schätze das Gemeinsame."

Fürth wird zum Schicksalsspiel

Gleichwohl dürfte allen Beteiligten klar sein: Ein Sieg gegen Fürth ist kein Selbstgänger - man frage nach bei den Mainzern, die jüngst bei den Franken 1:2 verloren haben. Verpassen die "Wölfe" aber am 6. Februar (17.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) ihren erhofften Befreiungsschlag gegen den Bundesliga-Letzten, dann gibt es kaum noch Argumente mehr dafür, an Kohfeldt festzuhalten. Denn Fußball ist immer noch ein Ergebnissport - und Ergebnisse hat der "Trainer des Jahres 2018" schon lange nicht mehr geliefert, jedenfalls keine guten.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 23.01.2022 | 22:50 Uhr

Quelle: NDR

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