NDR-Sport Kommentar zum HSV: Walter und Boldt sollen bleiben

Stand: 24.05.2022 17:00 Uhr

Auch im vierten Anlauf hat der HSV die Bundesliga-Rückkehr verpasst. Trainer Tim Walter und Sportvorstand Jonas Boldt sollten trotzdem weitermachen dürfen. Die Frage ist: Was will Aufsichtsratschef Marcell Jansen?

Von Britta Kehrhahn

Was für ein brutaler Kater heute, keine Kopf- sondern Herzschmerzen. So nah dran am Bundesliga-Aufstieg, um dann so deutlich und verdient im entscheidenden Spiel gegen Hertha BSC zu verlieren. Da war dann auch die unfassbare, emotionale Aufholjagd der vergangenen Wochen Geschichte.

Und wenn wir ehrlich sind, ist der HSV nicht gestern gescheitert, sondern im März - als er viele Punkte liegengelassen hat. Wieder nicht geschafft, zum vierten Mal in Serie. Doch dieses vierte Mal war anders, als in den Vorjahren und macht, auch wenn es heute am Tag nach dem Scheitern schräg klingt, ein bisschen Hoffnung für die Zukunft.

Beim HSV ist mit allen Höhen und Tiefen eine Mannschaft und Teamspirit entstanden. Sie alle haben vor allem in den letzten Wochen füreinander gekämpft, haben am Montag zusammen geheult, um mit dem nächsten Atemzug zu sagen: "Wir stehen wieder auf und werden da sein". So wie es Trainer Tim Walter unbeirrbar und willensstark vorlebt.

Walter geht seinen Weg, was gut so ist

"Wir bleiben nur bei uns": Sein Satz in Dauerschleife nervt unendlich, zeigt aber auch, dass sich dieser Trainer nicht wie viele seiner Vorgänger von außen beeinflussen lässt. Über allem steht die Mannschaft. Die Fans haben das honoriert, haben Tim Walter und die Spieler am Abend des Scheiterns gefeiert. Sie haben deutlich gemacht, dass sie auch ohne Topleistungen und Topstars mit diesem HSV gut leben können.

Ein schmaler Grat. Die Ansprüche sind gesunken, was dem HSV vielleicht eine Zeit lang mal ganz gut tut. Auf Dauer aber reicht Teamgeist nicht aus, um aufzusteigen. Da muss mehr kommen. Ich traue es Tim Walter und seinem Team zu, den fünften Aufstiegsversuch des HSV erfolgreich anzugehen. Er sollte weitermachen. Gemeinsam mit der sportlichen Führung um Jonas Boldt, der allerdings in Zukunft bei Interviews gerne weniger patzig und von oben herab sein darf.

Was macht Aufsichtsratschef Marcell Jansen?

Aber dürfen sie alle bleiben? Aufsichtsratschef Marcell Jansen, der in den vergangenen Wochen sein Misstrauen gegenüber Walter und Boldt für alle spürbar hinterlegt hat, hat eine große Analyse angekündigt. Auch Jansen wird heute mit einem Kater aufgewacht sein und der Frage: "Was mache ich denn nun?"

Meine Vorschläge: Künftig nicht mehr so viel und so öffentlich reden, schnell für Klarheit und Kontinuität sorgen und zu der Entscheidung stehen und nicht gleich nach der ersten Niederlage wieder umfallen.

Dieses Thema im Programm:
Sport | 24.05.2022 | 12:00 Uhr