Handball | DHB-Pokal Kieler Pokal-Abschiedsparty in Hamburg - Künftig ist Köln das Ziel

Stand: 25.04.2022 13:43 Uhr

Zum Abschied haben sich die Handball-Dominatoren aus Kiel noch einmal durchgesetzt: Der THW hat das letzte Final Four in Hamburg gegen Ligaprimus Magdeburg gewonnen. Zukünftig wollen die "Zebras" in Köln Geschichte schreiben.

Von Jan Kirschner

Die Siegesfeier für den Abschied vom Final Four in Hamburg passte perfekt. Es dominierten Schwarz und Weiß, die Vereinsfarben des THW Kiel. Zum zwölften Mal in den 28 Jahren des Elbe-Events der Handballer holte der Rekordsieger von der Ostsee den DHB-Pokal.

"Für uns hatte dieses Turnier einen besonders hohen Stellenwert, da wir in Hamburg den letzten Sieg erreichen wollten."
— THW-Kapitän Domagoj Duvnjak

Nach der kurzen offiziellen Zeremonie verließen die Kieler Spieler das Podest und gingen langsam über das Spielfeld der verdunkelten Arena. Domagoj Duvnjak, einer der drei THW-Kapitäne, führte den Tross an. Behutsam wog er den 3,5 Kilogramm schweren Pokal in seinem rechten Arm und stellte ihn dann vor der Kieler Fan-Kurve ab.

"Oh, wie ist das schön", die Handballer tanzten und feierten mit ihrem Anhang. "Persönlich finde ich es sehr schade, dass das Final Four nicht mehr in Hamburg stattfinden wird", sagte Duvnjak wenig später. "Für uns hatte dieses Turnier einen besonders hohen Stellenwert, da wir hier den letzten Sieg erreichen wollten."

THW-Coach Jicha reagiert auf Rhythmus-Probleme

Es war wieder ein Handball-Wochenende mit allen Facetten. Auch für die "Zebras". Zunächst taten sie sich sehr schwer gegen den TBV Lemgo, der in der letzten Serie zum Stolperstein geworden war. Dieses Mal schwamm sich der Favorit in der Schlussphase frei und legte erst dann seine offenkundigen Rhythmus-Probleme ab.

"Die Jungs waren zwei Jahre lang in Dauerbetrieb, und jetzt hatten sie nur zwei Spiele innerhalb eines ganzen Monats", erklärte THW-Coach Filip Jicha. Als Reaktion auf das anstrengende Halbfinale entschied er sich für eine Endspiel-Taktik, die im Angriff auf den weitgehenden Einsatz von sieben Feldspielern setzte.

Rivalität im Finale THW - Magdeburg von Beginn an

Eine der atmosphärischen Besonderheiten des Hamburger Handball-Spektakels war die Gliederung der Arena in vier Fan-Ecken, in denen akustisch und optisch die jeweilige Lieblingsmannschaft tatkräftig unterstützt wurde. Im Finale herrschte beim Kieler Anhang bereits nach 20 Minuten große Begeisterung. Fahnen, Schals und Klatschpappen zierten die 9:6-Führung.

Dann sorgte ein 0:5-Lauf für einen Stimmungsdämpfer. "Hier regiert der SCM!", donnerte es von der anderen Seite, während auf dem Parkett Emotionen und Härte die erste Hälfte prägten. "Es ging um einen Titel, da spürte man von der ersten Minute an eine gewisse Rivalität", meinte Welthandballer Niklas Landin.

Magdeburg-Coach zieht Hut vor dem THW

Der Torwart war ein Faktor dafür, dass der THW nach 40 Minuten alles im Griff hatte. 14 Paraden gingen auf seine Kappe, während vor ihm die beiden Zimmergenossen Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler die Abwehr zusammenhielten. "Die beiden sind Maschinen", staunte selbst Jicha. "Hendrik war am Morgen aufgestanden und humpelte." Er spielte trotzdem und half, die Magdeburger zu demoralisieren.

"Der THW war gnadenlos effektiv, uns hingegen fehlen wohl noch ein paar Erfahrungswerte und die nötige Routine", zog SCM-Coach Bennet Wiegert den Hut vor dem Gegner.

Große Freude im Pokal - wenig Hoffnung im Titelrennen

Bereits sechs Minuten vor Schluss drehte THW-Maskottchen "Hein Daddel" die erste Ehrenrunde. Kurz darauf erzielte Sander Sagosen, der erfolgreichste Torschütze des Turniers, den 28:21-Endstand. Ein Treffer, der wohl als das Sahnehäubchen in die Hamburger Final-Four-Historie eingehen wird.

"Es ist ja irgendwie schön, wenn so etwas nun für immer stehen bleibt", meinte das norwegische Rückraum-Ass. "Aber im Moment interessiert nur der Pokalsieg. Wir sollten den Abend einfach genießen." Ob der letztendlich glatte Erfolg die Karten im Meisterrennen noch einmal neu mischen könnte? "Schön wäre es", lächelte Linksaußen Magnus Landin. "Aber Magdeburg hat doch einen enormen Vorsprung." Acht Spieltage vor Schluss sind es immerhin sechs Punkte.

Zwei 13.000 Zuschauer zum Abschied von Hamburg

An beiden Tagen strömten jeweils rund 13.000 Zuschauer in das große Rund im Hamburger Volkspark. In zwölf Monaten sollen es täglich rund 7.000 mehr sein - in Köln, das mindestens bis 2027 zum neuen Pokal-Mekka der Handballer werden soll.

"Wir gehen mit mindestens einem weinenden Auge, aber wir müssen für dieses Event neue Impulse setzen", sagte HBL-Chef Frank Bohmann. Und Liga-Präsident Uwe Schwenker erklärte: "Das Wirtschaftliche ist natürlich der Hauptgrund. Wir haben die Möglichkeit, mit einer der größten Multifunktionsarenen Europas vor 20.000 Zuschauer zu spielen."

In Zukunft ist für Kiel Köln das Ziel

Die Tradition bleibt zurück an der Elbe. Kurz vor dem Finale flimmerten noch einmal etliche Sequenzen der letzten drei Dekaden auf dem Videowürfel. Triumphe in der Alsterdorfer Sporthalle und ab 2003 in der Arena im Volkspark.

"Wir als Club wollten in Hamburg noch einmal Geschichte schreiben. In Zukunft wollen wir in Köln weitere Geschichten schreiben."
— THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi

"Es war noch einmal ein Erlebnis. Die Mannschaft hat eine eindrucksvolle Vorstellung gegen einen Gegner gezeigt, der bislang ein nahezu perfekte Saison spielt", sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi: "Wir als Club wollten in Hamburg noch einmal Geschichte schreiben. In Zukunft wollen wir in Köln weitere Geschichten schreiben."

Eine solche wäre bereits im Juni denkbar, wenn die Kieler das Viertelfinale der Champions League im Mai gegen Paris meistern. Die europäische Königsklasse trägt ihre Endrunde bereits seit 2010 in der Rhein-Metropole aus.

Dieses Thema im Programm:
Sportschau | 24.04.2022 | 13:15 Uhr